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Wie gefährlich ist China für die deutsche Wirtschaft? Schlüsselsektoren im Visier

Der chinesische Drache im Anflug
Es war eine unsagbare Demütigung: die gewaltsame Öffnung Chinas durch Westmächte im 19. Jahrhundert. Mit Opium und Handelsgütern machten die USA und viele europäische Staaten (auch Deutschland) China abhängig und strichen große Handelsbilanzüberschüsse ein. Heute dreht China den Spieß wieder um. Ist dabei, den einst verloren gegangenen Weltmachtstatus wiederherstellen. Nicht nur geostrategisch, sondern vor allem auch ökonomisch.

Wie gefährlich ist China für die deutsche Wirtschaft? Schlüsselsektoren im Visier

Der chinesische Drache im Anflug
Es war eine unsagbare Demütigung: die gewaltsame Öffnung Chinas durch Westmächte im 19. Jahrhundert. Mit Opium und Handelsgütern machten die USA und viele europäische Staaten (auch Deutschland) China abhängig und strichen große Handelsbilanzüberschüsse ein. Heute dreht China den Spieß wieder um. Ist dabei, den einst verloren gegangenen Weltmachtstatus wiederherstellen. Nicht nur geostrategisch, sondern vor allem auch ökonomisch.

Besucher der China International Robot Show

"Strategie 2025": Planmäßig zurück zum Weltmachtstatus
Der Weg zurück zur Wirtschaftsweltmacht verläuft streng nach einem Plan mit dem Namen "Strategie 2025". Bis 2025 will China seine Wirtschaft neuausrichten, weg von billiger Massenware hin zur Qualität und Vernetzung. Dabei setzt China vor allem auf Schlüsselsektoren, die bei uns in Deutschland große Bedeutung haben. Welche sind es genau?

Liuxin Auto Stamping Co., Ltd. in Liuzhou

Maschinenbau und Robotik
China 2025 hat die deutsche Industrie 4.0 als Vorbild. Das bedeutet vor allem Digitalisierung, Automatisierung und Robotertechnik. Der anvisierte Marktanteil inländischer Industrieroboter in China liegt für 2020 bereits bei 50 Prozent, 2025 soll er dann bei über 70 Prozent liegen. Auch dafür soll Know-How aus dem Ausland eingekauft werden.

Midea steigt bei Kuka ein

Bedeutung für Deutschland
China ist bisher ein wichtiger Markt für den deutschen Maschinenbau. Sollten in China in Zukunft mehrheitlich chinesische Maschinen eingesetzt werden könnte es weitreichende Konsequenzen für deutsche Maschinenbauer haben. Außerdem zeigen Übernahmen wie die des Augsburger Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Mischkonzern Midea, dass man in China durchaus bereit ist für deutsches Know-How viel Geld in die Hand zu nehmen.

Schienenverkehr bei Wuhan, China

Eisenbahn- und Schienentechnik
Spätestens 2025 will China auch im Bereich des Schienenverkehrsequipment einen Weltmarktführer vorweisen. Gemessen am Umsatz haben die chinesischen Zughersteller die europäische Konkurrenz sowieso schon lange abgehängt. Bisher war allerdings nicht angedacht mit ihren Unternehmen auch zu exportieren - das soll sich nun ändern.

Montagearbeiten bei Siemens am Hochgeschwindigkeitstriebzug Velaro CN (ICE3) für China

Bedeutung für Deutschland
Vor allem Siemens oder der kanadische Bombardier-Konzern, der seine Bahnsparte in Deutschland stationiert hat, könnten darunter leiden, dass chinesische Unternehmen in Zukunft auch den europäischen Markt angreifen wollen. Technisch gut ausgestattet und mit niedrigeren Personalkosten sind sie eine echte Gefahr.

Chinesische Taxifahrerinnen präsentieren ihre neuen BYD e6 Elektrofahrzeuge

E-Mobilität
„Made in China 2025“ sieht vor, dass bis 2020 knapp 70 Prozent der E-Autos in China von chinesischen Unternehmen kommen, bis 2025 sogar über 80 Prozent. Weiterhin müssen ab 2018 acht Prozent der verkauften Autos E-Automobile sein. 2019 soll dieser Anteil auf zehn Prozent steigen, 2020 sogar auf zwölf. Und die meisten Batteriefabriken stehen auch in China. Es heißt, die deutsche Industrie habe diese Schlüsseltechnologie verschlafen.

Volkswagen 2,0-Liter-TDI-Motor

Bedeutung für die deutsche Automobilindustrie
Bisher verkaufen deutsche Automobilhersteller überwiegend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in China. Von 2019 an sollen Autobauer im Land zehn Prozent der Anteile für alternative Antriebe in Produktion und Verkauf reservieren. So sollen Autobauer, die mehr als 30.000 herkömmliche Fahrzeuge jährlich produzieren oder importieren, ein Punktesystem erfüllen. Für reine Elektroautos bekommen die Hersteller mehr Punkte gutgeschrieben als für Hybridmotoren, auch für höhere Reichweiten soll es mehr Punkte geben. 2019 sollen die Autobauer eine 10-Prozent-Quote in China erfüllen, von 2020 an dann 12 Prozent.

Medikamentenregal in China

Medikamente
Bis 2020 möchte China 50 Prozent der Produkte auf dem heimischen Markt in diesem Segment selbst entwickeln und produzieren, bis 2025 sollen es sogar über 70 Prozent.

Screenshot der chinesischen Merck-Website

Bedeutung für Deutschland
Deutsche Pharmakonzerne wie Merck haben in den letzten Jahren in China Produktionsstätten für Medikamente eröffnet. China wurde als Wachstumsmarkt gesehen. Allerdings machen Zulassungsschranken, Produktpiraterie und Markenrechtsverletzungen Probleme. Das zusammen mit den steigenden Ambitionen der chinesischen Pharmakonzerne könnte für die deutsche Pharmaindustrie zum Problem werden.

Alibaba-Schriftzug auf einem Monitordisplay durch eine Lupe vergrößert

Handel und E-Commerce
In China leben 1,4 Milliarden Menschen, davon hat mehr als die Hälfte Zugang zum Internet. Deswegen spielt E-Commerce eine immer größere Rolle. Die größten Anbieter Baidu, Alibaba und JD.com können von Newcomern kaum noch eingeholt werden. Ihr neues Ziel: Expansion in Europa.

Zalando Online-Shopping-Website auf einem iPad

Bedeutung für den deutschen Handel und Online-Handel
Der stationäre Handel verliert zugunsten des Online-Handels an Zuspruch. Dort sind Zalando, Otto und Co. bisher feste Größen in Europa. Doch Prognosen sagen: Bis 2025 könnten die chinesischen Online-Händler in Europa mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Allein Alibaba will mehr als 13 Milliarden Euro für die globale Expansion investieren. Deutsche Online-Händler sollten sich darauf einstellen, sagen Experten.