Tencent Baidu und Alibaba-Logos

Neue IPO-Welle Wie Chinas Tech-Giganten Kasse machen

Stand: 17.11.2017, 13:52 Uhr

Chinesische Internetwerte stehen hoch im Kurs. Nach Sogou und China Literature glänzte kürzlich auch der Online-Autohändler Yixin mit seinem Börsendebüt. Dahinter stecken meist die gleichen Mütter.

Zu den Großaktionären von Yixin gehören die chinesischen Amazon-Rivalen Tencent und JD.com sowie der Suchmaschinen-Betreiber Baidu. Yixin ist der siebte Hongkonger Börsengang in Folge mit einem Emissionsvolumen von mehr als 500 Millionen Dollar, bei dem die Aktien des Debütanten den ersten Handelstag im Plus beenden.

Dies ist die längste Serie seit sechs Jahren. Anfang der Woche hatte Razer, ein Anbieter von Tastaturen, Mäusen und Laptops für Computerspieler, sein Debüt mit einem Kursplus von 18 Prozent gegeben. Vergangene Woche sorgte der Börsengang der E-Book-Plattform China Literature für Aufmerksamkeit. Zeitweilig schoss die Aktie gegenüber dem Ausgabekurs von 55 Hongkong-Dollar um 100 Prozent in die Höhe. Am Ende des ersten Handelstags blieb ein Zuwachs von über 80 Prozent.

Immer die gleichen Namen

Zweistellige prozentuale Kursgewinne bei seinem Debüt verbuchte zuvor auch der Online-Versicherer ZhongAn. Die Aktie war 400-fach überzeichnet und bescherte dem Unternehmen frisches Kapital von umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar. Ein Riesenerfolg war auch der Börsengang in der vergangenen Woche der Suchmaschine Sogou.

Tencent-Logo

Tencent. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hinter all diesen IPOs stecken stets die gleichen bekannten Namen: Alibaba (E-Commerce), Tencent (Social Media) und Baidu (Suchmaschine): Chinesische Klone amerikanischer Anbieter wie Amazon, Facebook oder Google.

Wachsen außerhalb Chinas

Sowohl China Literature als auch die Suchmaschine Sogou gehören zum Reich des Internetgiganten Tencent. So ist Tencent mit einem Anteil von aktuell 44 Prozent der größte Anteilseigner von Sogou. An China Literature mit seinen 6,4 Millionen Autoren hielt Tencent vor dem Börsengang einen Anteil von 62 Prozent. Auch Yixin und ZhongAn sind Beteiligungen von Alibaba,Tencent und Baidu.

Mit den Börsengängen verschaffen die Tech-Giganten ihren Beteiligungen die nötige Kredibilität und vor allem das nötige Kapital, um auch außerhalb Chinas wachsen zu können. Denn genau darum geht es: Weil der Konkurrenzkampf in China immer intensiver wird, schielen die Firmen immer öfter über die Grenzen.

Chinesische Touristen angepeilt

Das Primärziel der Expansion von Tencent, Alibaba & Co in Europa sind zunächst nicht die westlichen Kunden, sondern die chinesischen Touristen. Jedes Jahr besucht eine zweistellige Millionenschar chinesischer Touristen Europa. Und die Mehrheit will vor allem konsumieren. Auf 300 Milliarden Dollar schätzt die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua die alljährlichen Ausgaben chinesischer Touristen im Ausland.

Mit scheinbar altmodischen Gewohnheiten wie Münzgeld oder EC-Karten geben sich besonders jüngere Chinesen nur noch ungern ab. Doch auch junge Europäer könnten an den meist günstigen Dienstleistungen der Chinesen Gefallen finden. Die dominierenden westlichen Internetanbieter müssen sich demnächst also auf neue Konkurrenten einstellen.

Ambitionen auf dem Markt für E-Autos

Doch damit nicht genug. Die chinesischen Tech-Giganten strecken ihre Fühler auch nach bereits bestehenden und börsennotierten westlichen Firmen aus. So wurde letzte Woche bekannt, dass Tencent seinen Anteil an dem defizitären Snapchat-Betreiber kräftig aufgestockt hat und nun zwölf Prozent an dem Konzer hält.

Zudem macht Tencent keinen Hehl aus seinen Ambitionen, den Markt für Elektroautos aufzumischen. Dazu haben sich die Chinesen in diesem Frühjahr im großen Stil am kalifornischen Elektropionier Tesla beteiligt. Laut der US-Börsenaufsicht SEC besitzt Tencent einen Anteil von rund fünf Prozent an Tesla-Aktien im Wert von gut zwei Milliarden Dollar. Geld, das Tesla-Chef Elon Musk zur Finanzierung des Produktionsanlaufs des Model 3 nutzen wollte.

Bereits im Juni 2012 erwarb Tencent für 330 Millionen Dollar knapp 50 Prozent der Aktien des US-amerikanischen Spieleentwicklers Epic Games. Im Juli 2013 beteiligte sich Tencent als passiver Investor an der Trennung von Activision Blizzard und Vivendi. Tencent hält dadurch 12 Prozent der Anteile von Activision Blizzard, einem Computer- und Videospiele-Konzern. Im Juni 2016 kaufte Tencent schließlich 84,3 Prozent des finnischen Entwicklerstudios Supercell für 8,6 Milliarden Dollar.

lg

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Chinas erfolgreiche Tech-Riesen Von Baidu bis Tencent

<b>Tencent</b><br />In China gibt es quasi zu allen großen US-Konzernen ein Pendant. Tencent etwa ist das Facebook der Chinesen, die dazu gehörige Super-App WeChat ihr WhatsApp mit derzeit 940 Millionen Nutzern. Mit einer Marktkapitalisierung von über 520 Milliarden Euro hat der Konzern inzwischen seinen Rivalen Facebook überholt. <br/><a href="" externalId="ec3ac8da-ac3f-4873-92b7-7170c8a7772a"><em>Mehr zum Thema</em></a>: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Tencent
In China gibt es quasi zu allen großen US-Konzernen ein Pendant. Tencent etwa ist das Facebook der Chinesen, die dazu gehörige Super-App WeChat ihr WhatsApp mit derzeit 940 Millionen Nutzern. Mit einer Marktkapitalisierung von über 520 Milliarden Euro hat der Konzern inzwischen seinen Rivalen Facebook überholt.
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