Palmen im Sturm
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Emerging Markets in Hab-Acht-Stellung Wehe, wenn der Dollar steigt

Stand: 24.08.2017, 09:29 Uhr

Die hoch verschuldeten Schwellenländer profitieren seit Jahresbeginn von einem schwachen Dollar. Doch Experten warnen vor einer Trendwende, denn der Dollar könnte wieder erstarken.

Noch ist es nicht soweit. Seit Jahresbeginn hat der Dollar gegenüber dem Euro zwölf Prozent an Wert eingebüßt. "Die Märkte verlieren die Hoffnung, dass von Trump noch etwas Konstruktives kommt", sagt Sebastian Sachs, Devisenstratege des Frankfurter Bankhauses Metzler.

Seit einiger Zeit mehren sich aber die Anzeichen für eine Stabilisierung, ja eine Umkehr des Dollar-Kurses. Schon warnt etwa Stephen Parker von JPMorgan vor den Folgen eines wiedererstarkenden Dollar für die Schwellenländer, besonders in Lateinamerika.

Verschuldung in Dollar

Denn diese Länder sind hoch verschuldet - vor allem in Dollar. Die heimischen Währungen gelten nicht als satisfaktionsfähig. Die Dollar-Verbindlichkeiten können im Fall eines wieder erstarkenden Dollar zu einer gefährlichen Abwärtsspirale führen. Zwar verbessert ein stärkerer Dollar die Wettbewerbsfähigkeit der Länder im Export. Doch müssen sie mehr Geld aufwenden, um ihre Schulden zu bezahlen.

Hinzu kommt: Ein stärkerer Dollar drückt üblicherweise die Rohstoffpreise, was etliche Schwellenländer zusätzlich belastet. Im Extremfall kann es zu Firmenpleiten oder Staatsbankrotten kommen.

Risikofaktor Zinsen

Auch die weltweite Zinslandschaft bereitet Experten Kopfzerbrechen. Treten die großen Notenbanken in den kommenden Monaten zunehmend auf die Bremse, würde auch das Zinsniveau in den Schwellenländern steigen - was bei exzessiver Verschuldung schnell zu Problemen führen würde.

Vorsicht Ansteckungsgefahr

Auch von der Ansteckungsgefahr geht eine Gefahr aus: Fließt Geld aus einem Schwellenland ab, geraten schnell auch die Nachbarn auf die Verkaufsliste der Händler, unabhängig davon, wie das einzelne Land wirtschaftlich dasteht. Wenn Anleger sehen, dass Mexiko Probleme hat, verkaufen sie ihre Lateinamerika-Fonds.

Das kann die deutsche Wirtschaft nicht kalt lassen. Viele Länder der "Emerging Markets" sind wichtige Abnehmer deutscher Maschinen und Investitionsgüter. Laut einer Erhebung des Internationalen Währungsfonds (IWF) machten die jungen Märkte zuletzt 57,6 des kaufkraftadjustierten Bruttoinlandsprodukts der Welt aus. Bis Ende des Jahrzehnts soll dieser Anteil auf 60 Prozent steigen.

Noch erscheint die Warnung amerikanischer Analysten vor den Folgen eines wiedererstarkenden Dollars übertrieben, doch auch die Experten europäischer Banken gehen mehrheitlich davon aus, dass der Dollar gegenüber dem Euro in den kommenden Monaten nicht weiter an Wert verliert, ja sogar etwas aufwertet. So erwartet die Deutsche Bank zum Jahresende einen Kurs von 1,16 Dollar für einen Euro.

lg