1/10

Was Wirtschaftsexperten zur Brexit-Abstimmung sagen "Zweites Referendum wahrscheinlicher!"

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer:
"Theresa May hat im britischen Parlament eine historische Niederlage erlitten. Die für heute angesetzte Misstrauensabstimmung dürfte sie zwar überleben. Aber ihr wird es wohl nicht gelingen, der EU in Nachverhandlungen substanzielle Zugeständnisse in der Irland-Frage abzuringen. Um Zeit zu gewinnen, dürften sich Großbritannien und die EU lediglich darauf einigen, den Austrittstermin gemäß Artikel 50 des EU-Vertrags um drei Monate auf Ende Juni zu verschieben. Vermutlich reift in dieser Phase in Großbritannien die Einsicht, die Briten ein zweites Mal über den Brexit abstimmen zu lassen. Das halte ich für wahrscheinlicher als einen ungeordneten Brexit, der zu großen wirtschaftlichen Problemen führen würde."

Was Wirtschaftsexperten zur Brexit-Abstimmung sagen "Zweites Referendum wahrscheinlicher!"

 Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer:
"Theresa May hat im britischen Parlament eine historische Niederlage erlitten. Die für heute angesetzte Misstrauensabstimmung dürfte sie zwar überleben. Aber ihr wird es wohl nicht gelingen, der EU in Nachverhandlungen substanzielle Zugeständnisse in der Irland-Frage abzuringen. Um Zeit zu gewinnen, dürften sich Großbritannien und die EU lediglich darauf einigen, den Austrittstermin gemäß Artikel 50 des EU-Vertrags um drei Monate auf Ende Juni zu verschieben. Vermutlich reift in dieser Phase in Großbritannien die Einsicht, die Briten ein zweites Mal über den Brexit abstimmen zu lassen. Das halte ich für wahrscheinlicher als einen ungeordneten Brexit, der zu großen wirtschaftlichen Problemen führen würde."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank:
"Die Regierungschefin will am Montag einen Plan B vorlegen. Innerhalb von sieben Sitzungstagen kann dann erneut darüber abgestimmt werden. Denkbar wäre, dass Theresa May die EU doch noch um Zugeständnisse bittet. Ein in Zusammenarbeit mit Brüssel leicht modifiziertes Austrittsabkommen könnte möglicherweise als Plan B fungieren. Scheitert auch dieser, wird ein zweites Referendum wahrscheinlicher. Allerdings sind auch Neuwahlen nicht auszuschließen."

CMC Markets-Analyst Michael Hewson

CMC Markets-Analyst Michael Hewson:
"Die Frage ist nun, was passiert in Bezug auf Artikel 50. Werden die Abgeordneten den Brexit verschieben oder den Antrag zurückziehen? Schließlich erzählen sie uns ständig, dass sie ein 'No-Deal'-Szenario nicht wollen."

Thomas Altmann, QC Partners

Thomas Altmann, Fondsmanager von QC Partners:
"Das Briten-Chaos geht heute in eine neue Runde. Mit dem Misstrauensvotum folgt der nächste May-Day. An der Börse glaubt die Mehrheit weiterhin an eine Lösung im Brexit-Chaos – auch wenn im Moment niemand weiß, wie diese Lösung am Ende aussehen soll. Die Anleger gehen fest davon aus, dass die EU weitere Zugeständnisse machen wird, um einen harten Brexit zu verhindern."

Stefan Kreuzkamp, Anlagestratege DWS

Stefan Kreuzkamp, Anlagestratege (CIO) der DWS
"
So erwartet eindeutig Theresa Mays Niederlage gestern im Parlament war, so offen und vieldeutig bleibt der weitere Brexit-Prozess. Die gestrige Abstimmung brachte keinen wirklichen Fortschritt. Welchen neuen Wurf Theresa May nach überstandenem Misstrauensvotum dem Parlament am Montag genau präsentieren möchte, ist uns ein Rätsel. Ohnehin wird auch dies wieder nur eine weitere Etappe zu einer weiteren Entscheidung darstellen.

Es bleibt in unseren Augen damit weiterhin alles möglich. Insbesondere auch Neuwahlen, eine Verlängerung der Frist für Artikel 50 oder auch ein zweites Referendum. Wir hoffen zwar zusammen mit der Mehrheit des Marktes weiterhin auf einen geregelten Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Doch welcher Weg dorthin führt, bleibt offen und ist in jedem Fall mit weiteren Hürden versehen.

Die Chancen eines harten Brexit halten wir, wenn überhaupt, sogar für gestiegen. Auch wenn die Mehrheit der britischen Mandatsträger bekundet, daran kein Interesse zu haben, wird der Brexit-Prozess weiterhin stark von Parteiinteressen getrieben. Denn eines sollte man nicht vergessen: Der Brexit begann als  - schiefgelaufenes - parteipolitisches Vabanquespiel unter David Cameron. Warum sollte er nicht auch so enden? Das bisherige Verhalten der britischen Politiker hat unsere diesbezüglichen Sorgen sicherlich nicht verringert."

Marcel Fratzscher, DIW

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW:
"Die Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament ist nicht überraschend, hat aber die Verunsicherung und Besorgnis über einen harten Brexit in ganz Europa verstärkt. Ich bewerte diese Entscheidung jedoch bei weitem nicht so negativ, sondern sehe Anlass zu vorsichtiger Hoffnung. Die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit am 29. März ist durch diese Parlamentsentscheidung kaum gestiegen. Ich erwarte, dass der Austrittstermin für einige Monate verschoben wird oder Einzelabkommen für eine Übergangsphase getroffen werden, die ein wirtschaftliches Chaos verhindern. Die Ablehnung des Brexit-Abkommens hat dagegen die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Referendums und damit eines Verbleibs Großbritanniens in der EU erhöht."

Iris Bethge, Hauptgeschäftsführerin des VÖB

Iris Bethge, Hauptgeschäftsführerin des VÖB:
"Die Ablehnung des Austrittsabkommens durch das britische Unterhaus könnte tatsächlich zum GAU des harten Brexit führen. In diesem Fall gibt es in Europa nur Verlierer. Wir appellieren an alle Akteure, die verbleibende Zeit zu nutzen, um noch einen geordneten Austrittsprozess zu organisieren. Dabei darf auch ein zweites Referendum kein Tabu sein."

Timo Emden, IG Markets

Timo Emden, Analyst von IG Markets:
"Für den Markt ist die Niederlage Mays keine Überraschung. Solange Anleger keine Klarheit über die Absichten Großbritanniens haben, dürften sie ihr Pulver soweit es geht trocken halten."

Hubertus Väth

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance:
"Die Ablehnung des Austrittsabkommens durch das britische Parlament erhöht die Unsicherheit für alle wieder deutlich. Kein Szenario – vom No-Deal-Brexit bis zu Neuwahlen oder einem zweiten Referendum oder dem Stopp des Brexit – kann derzeit ausgeschlossen werden. Aber die Briten sind jetzt am Zug. Es zeigt sich aber auch, dass die Unternehmen gut daran getan haben, sich auf den schlimmsten Fall, den harten Brexit vorzubereiten, denn mit der Entscheidung bleibt er das wahrscheinlichste Szenario."

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts:
"Ein harter Brexit mit seinen riesigen Kosten muss vermieden werden. Beide Seiten sollten nun zurückkehren an den Verhandlungstisch und das Abkommen so modifizieren, dass es für beide Seiten akzeptabel ist. Alles andere wäre ein nicht akzeptables Politikversagen."