händler an der New York Stock Exchange

US-Präsidentschaftszyklus Warum die Wall Street Präsident Trump fürchten muss

von Angela Göpfert

Stand: 04.01.2019, 06:41 Uhr

Für gewöhnlich sind Vorwahljahre wie 2019 die besten Börsenjahre an der Wall Street. Doch dieses Mal könnte alles anders sein. Denn der amtierende Präsident hört auf den Namen Donald Trump.

Ginge es nach der Statistik, hätten die Wall-Street-Banker jetzt allen Grund zu feiern. Denn den Jahren nach Midterm Elections eilt an der Börse ein legendärer Ruf voraus. Laut dem US-Präsidentschaftszyklus sind Vorwahljahre die stärksten Börsenjahre. Im Schnitt steigt der Dow Jones in Vorwahljahren um knapp zwölf Prozent.  

Dow Jones Index - Durchschnittsverlauf Vorwahljahre seit 1899

Vor allem in der ersten Jahreshälfte zieht der Dow Jones in Vorwahljahren stark an . | Bildquelle: www.wellenreiter-invest.de, Grafik: boerse.ARD.de

Beeindruckende Trefferquote

Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der wichtigsten langfristigen Zyklen an der Börse überhaupt. Seit rund 120 Jahren folgt der Dow Jones diesem Muster mit beeindruckender Präzision und einer hohen Trefferquote.  

"Seit 1886 verliefen nur sechs Vorwahljahre negativ, zuletzt und erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Jahr 2015", betont Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest", ein ausgewiesener Kenner saisonaler Effekte. 

Fundamental gut begründet

US-Präsidentschaftszyklus 1928 - 2016

Vorwahljahre sind die mit Abstand besten Jahre des Präsidentschaftszyklus. | Bildquelle: RiskHedge, Grafik: boerse.ARD.de

Das alles ist natürlich kein Zufall, sondern lässt sich fundamental bestens begründen. So nutzt ein neu gewählter Präsident in aller Regel die ersten beiden Jahre seiner Amtszeit, um unpopuläre Entscheidungen wie Ausgabenkürzungen durchzusetzen. Diese sorgen dann an der Börse zunächst für schlechte Stimmung und fallende Kurse, vor allem im Nachwahljahr. 

Kurz vor der Wahl will sich der Präsident hingegen bei den Wählern in Szene setzen, um die Chancen seiner Wiederwahl respektive der Wiederwahl seiner Partei zu erhöhen. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um die Wirtschaft anzukurbeln und verteilt mit vollen Händen Wahlgeschenke. Das schlägt sich wiederum in steigenden Börsenkursen im Vorwahljahr nieder. 

Ist dieses Mal alles anders?

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
24.702,07
Differenz relativ
+1,39%

Doch US-Präsident Donald Trump hat bereits in den ersten beiden Jahren den amerikanischen Unternehmen durch die Steuerreform massiv unter die Arme gegriffen und so die Aktienkurse gestützt. Auf einen neuen fiskalpolitischen Turbo im Jahr 2019 hoffen Anleger dagegen vergebens. Zumal Präsident Trump seine Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hat.

Trump hat sein Pulver somit bereits verschossen. Zudem bremst die US-Notenbank durch den fortgesetzten Liquiditätsentzug von 50 Milliarden Dollar pro Monat. "Bleibt diese Politikänderung erhalten, dann sollten das Vorwahljahr 2019 und das Wahljahr 2020 unterdurchschnittlich verlaufen", prognostiziert Rethfeld. 

Die Angst vor der großen Vertrauenskrise

Doch die mangelnde fiskalpolitische Stimulierung der Wirtschaft ist sicherlich nicht der einzige Grund, warum Anleger den Einfluss Trumps auf die Wall Street im neuen Jahr fürchten müssen. In den Bankentürmen regiert die Angst vor einem innerparteilich geschwächten und daher in seiner Außen- und Wirtschaftspolitik umso unberechenbareren Präsidenten.  

Besonders besorgniserregend in dieser Hinsicht ist das sich immer schneller drehende Personalkarussell im Weißen Haus. Ende des Jahres traten binnen weniger Wochen Stabschef John Kelly, Justizminister Jeff Sessions und Verteidigungsminister Jim Mattis zurück. Der Viersternegeneral Mattis galt vielen Beobachtern als "der letzte Erwachsene" in der Regierung Trump.  

Donald Trump unterschreibt

Präsident Donald Trump: Unterschreibt er gerade wieder ein Rücktrittsgesuch? . | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Bislang haben solche Ereignisse noch keine Todesspirale eines immer weiter sinkenden Vertrauens in den Präsidenten - ähnlich einem Bank Run - ausgelöst. Doch was hat eine solche Todesspirale bislang verhindert? Genau, die florierende Wirtschaft und die daraus resultierende Unterstützung Trumps in weiten Teilen der US-Bevölkerung.  

Schwache Konjunktur, schwache Börsen, schwacher Präsident

Handelskrieg USA China

Der Handelsstreit USA-China ist eine herbe Belastung für die globale Konjunktur. | Bildquelle: colourbox.de

Doch diese Unterstützung könnte 2019 rasch bröckeln. Die großen Bankhäuser rechnen allesamt mindestens mit einer Konjunkturdelle in den USA, einige sogar mit einer Rezession. Der anhaltende Handelsstreit der USA mit China gilt als einer der Auslöser.

Und so könnte es tatsächlich Präsident Trump sein, der diesem Bullenmarkt den endgültigen Todesstoß versetzt - und sich so zugleich sein eigenes Grab schaufelt. Denn fallende Aktienmärkte würden Trump das wacklige Fundament seiner Präsidentschaft entziehen.