Indien

Narendra Modi

Oppositionspartei verspricht Reformen Wahlsieg beflügelt Indiens Börse

von Alexander Schmitt

Stand: 16.05.2014, 09:20 Uhr

Die Investoren jubeln. Indiens Aktienindex Sensex klettert so hoch wie nie zuvor. Ersten Hochrechnungen zufolge zeichnete sich ein deutlicher Sieg der Hindu-nationalistischen Partei BJP ab. Sie will das Land umbauen, modernisieren.

An der Börse im indischen Mumbai gewinnt der Sensex 0,4 Prozent Prozent auf 23.905 Punkte. Das ist der höchste Stand aller Zeiten. Seit Anfang Mai sind die Kurse um fast 7 Prozent gestiegen. Auch die indische Rupie hat seit Monatsbeginn einen Freudensprung gemacht. Sie ist von 0,0166 auf aktuell 0,0170 US-Dollar nach oben gelaufen. Die Anleger träumen von einer politischen Zeitenwende, vom Aufbruch - nach Jahren der Lähmung und des Politikstaus.

Viele Vorschusslorbeeren

Den Aufbruch verspricht Narendra Modi, er gilt als Reformer und sehr wirtschaftsfreundlich. Er hat die indische Volkspartei Bharatiya Janata (BJP) in den Wahlkampf geführt und so wie es aussieht ist er der nächste Regierungschef. Jetzt muss er Bündnispartner gewinnen, um die Macht im Land zu übernehmen. Indiens Kongresspartei, die seit der Unabhängigkeit von 1947 die dominierende politische Kraft ist, hat am Morgen ihre Niederlage bei den Parlamentswahlen eingestanden und ist bereit in die Opposition zu gehen. Modi ist zwar nicht unumstritten, doch seine Erfolge im westindischen Bundesstaat Gujarat, dessen Ministerpräsident er elf Jahre lang war, werden von vielen positiv bewertet. Seit er im Herbst vergangenen Jahres seine Kandidatur verkündete, hat der indische Leitindex Sensex fast 20 Prozent an Wert gewonnen. Das sind viele Vorschusslorbeeren.

Reformstau drückt auf Wachstum

Korruption, Bürokratie und Reformstau sind zu einem Problem geworden. Das indische Wirtschaftswachstum sank in den vergangenen Jahren auf zuletzt 4,5 Prozent (Wirtschaftsjahr 2012/2013). Das Land braucht dringend neue Straßen und Schienen, einene moderne Infrastruktur. Es gibt Schätzungen, denen zufolge der desolate Zustand des Landes jedes Jahr zwei Prozent Wirtschaftswachstum kostet.

Händler an der Börse in Mumbai, Indien

Händler an der Börse in Mumbai, Indien. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die politischen Parteien sind sich der Bedeutung einer schneller auszubauenden Infrastruktur durchaus bewusst. Es wurde sogar mehr Geld in den Fünf-Jahres-Haushaltsplan (2012 bis 2017) eingestellt. Nur an der Umsetzung hapert es. In der vergangenen Fünf-Jahres-Periode wurde gerademal ein Viertel der Projekte innerhalb der vorgeschriebenen Zeit umgesetzt.

Schienen, Straßen, Häfen

Indische Elefantenführer warten auf Touristen

Indien Elefanten . | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Herausforderungen sind gigantisch - allein wegen der Größe des Landes. Indien hat das viertgrößte Eisenbahnnetz der Welt, der größte Teil davon stammt allerdings noch aus der Kolonialzeit. Das Straßennetz ist das zweitgrößte der Welt und entspricht vielerorts nicht den internationalen Standards. Die Häfen arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenzen, das gilt auch für die meisten Flughäfen. Die völlig veraltete Energieinfrastruktur sorgt immer wieder für Stromausfälle. Im Sommer 2012 waren zeitweise 600 Millionen Menschen ohne Strom.

Chance auch für deutsche Unternehmen

Passagiere auf dem Bahnhof in Mumbai

Passagiere auf dem Bahnhof in Mumbai. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Indien dürfte bei der Modernisierung auf internationale Partner angewiesen sein. Eine Chance auch für deutsche Unternehmen. Deren Know-how wird in Indien sehr geschätzt. Auch Geldgeber sind gefragt. Im Bereich Infrastrukturausbau sind ausländische Direktinvestitionen bis zu 100 Prozent erlaubt. Geld braucht das riesige Land dringend. Denn Indien importiert noch immer mehr als es exportiert; diese Lücke muss durch ausländisches Kapital gedeckt werden. Nur die Hürden, insbesondere die bürokratischen, sind für Ausländer hoch. Ihnen wird das Leben mit jede Menge Papierkram schwer gemacht.

Menschen wollen Veränderung

Der Wunsch nach Veränderungen ist auch in der Bevölkerung deutlich zu spüren. Nach einer Umfrage des Pew Research Center sind nicht einmal 30 Prozent der Inder mit der Entwicklung des Landes zufrieden. Der Unmut macht sich in allen Altersgruppen und sozialen Schichten breit. Interessant bei der Pew-Umfrage: trotz der allgemeinen Unzufriedenheit beurteilen die meisten Inder die wirtschaftlichen Aussichten ihres Landes positiv. Sie gehen offenbar davon aus, dass Indiens Wirtschaft in diesem Jahr stärker wächst als um die vorausgesagten 5,4 Prozent. 2015 sollen es schon 6,4 Prozent sein. Wachstum bedeutet mehr Jobs, weniger Armut, mehr Geld für Konsum und Dienstleistungen. Ein Land vor dem Aufbruch. Jetzt muss Narendra Modi liefern.