Schlipsträger hinter durchscheinender US-Flagge

Das Duell zwischen Trump und Biden US-Wahlen: Wer ist besser für die Börsen?

Stand: 26.08.2020, 10:08 Uhr

In gut zehn Wochen wählen die Amerikaner ihren Präsidenten. Der Ausgang des Votums hat nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die Börsen. Wer ist der Favorit der Wall Street?

Kein johlendes Publikum, das dicht an dicht steht, keine Anhänger, die Wahlplakate hochheben, keine Show mit Pop-Größen - wohl selten war ein Wahlkampf in den USA so leise wie dieses Mal. Wegen Corona fanden und finden die Nominierungsparteitage der Demokraten und Republikaner in der letzten und in dieser Woche fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einsam verlas Biden seine Nominierungsrede - virtuell unterstützt per Videoschalte von prominenten Parteifreunden. Auch beim Nominierungsparteitag von Trump sind nur wenige Republikaner live dabei.

Um so hitziger dürfte der Schlagabtausch ausfallen, den sich die beiden Kontrahenten um das höchste Amt im Weißen Haus liefern werden. Mit Spannung werden die drei TV-Duelle zwischen Donald Trump und Joe Biden erwartet. Dort muss der 78-jährige liberale Demokrat Farbe bekennen und sagen, was er anders machen wird als Trump.

Biden in Umfragen vor Trump

Die Corona-Krise hat die Karten im Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten neu gemischt: Vor einigen Wochen sah Amtsinhaber Trump noch wie der sichere Sieger der US-Präsidentschaftswahlen am 3. November aus. Inzwischen hat aber Herausforderer Biden Trump klar überholt. Laut Umfragen liegt er sieben Prozentpunkte vorn. Auch in wichtigen "Swing-States" wie Pennsylvania oder Florida führt er klar.

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die US-Börsen haben bislang gelassen auf die Umfragewende reagiert. Dabei war bis vor kurzem noch ein Trump-Sieg eingepreist. Schließlich hat der Republikaner mit seinen Steuererleichterungen und Deregulierungen im Finanzsektor eine Hausse entfacht. Seit Trumps Amtsantritt stieg der S&P 500 um rund 60 Prozent auf neue Rekordniveaus.

Biden galt zeitweise als Börsenschreck. Seine Pläne, die Steuererleichterungen zurücknehmen und "Big Tech" zu zerschlagen, verunsicherten einige Anleger. Zudem distanzierte sich der Demokrat von der Wall Street. "Dieses Land wurde nicht von Wall-Street-Bankern, Bossen und Hedgefonds, sondern von der Mittelschicht aufgebaut", erklärt er.

Wall Street bevorzugt jetzt Biden

Doch inzwischen hat Biden seinen Schrecken verloren. Die Wall Street freundet sich allmählich mit dem kompromissbereiten Demokraten an. Immer mehr Chefs der Großbanken und Konzerne wenden sich von Trump enttäuscht ab und unterstützen Biden. "Sie glauben nicht, dass Trump der Richtige ist, das Land aus der Corona-Krise herauszuführen", sagt Finanzexperte Brian Schwartz von CNBC.

Biden könnte mit seinem "New Green Deal" einen Investitionsschub bei Anbietern von Erneuerbaren Energien und Infrastruktur-Firmen auslösen. Auch die Cannabis-Industrie gilt als möglicher Profiteur, da die Demokraten vermutlich auf eine Liberalisierung von Marihuana setzen. Dagegen würde die Gefängnis-Branche unter Biden leiden. Der Demokrat will die Privatisierung von Haftanstalten zurückdrehen. Auf der anderen Seite würden die Öl- und Rüstungsindustrie von einem erneuten Trump-Triumph profitieren.

Demokraten-Präsidenten sind die größten Kurstreiber

Tatsächlich wäre ein demokratischer Präsident wohl besser für die Börsen. Darauf deutet die Statistik hin. Historisch gesehen haben demokratische Präsidenten den Börsen mehr Kursgewinne beschert als republikanische Präsidenten. So zogen die Kurse in der Ära von Barack Obama und Bill Clinton deutlich stärker an als unter der Regentschaft von Trump. Die Amtszeit des Republikaners George W. Bush endete gar mit Verlusten.

Die Börsenbilanz der letzten US-Präsidenten

Die Börsenbilanz der letzten US-Präsidenten.

Der Präsidentschaftszyklus verspricht zudem Kurssteigerungen im Wahljahr. Forscher der Erasmus Universität Rotterdam haben ermittelt, dass die US-Aktien in der ersten Hälfte der Amtsperiode eines Präsidenten fallen und in der zweiten Hälfte steigen.

Sind die Wahlen diesmal irrelevant?

Doch diesmal könnte wegen Corona alles ein bisschen anders kommen. Die diesjährigen US-Wahlen werden für die Entwicklung der Aktienkurse kaum relevant sein, meint Christopher Smart, Chefanlagestratege von Barings. Die Marktstimmung werde eher durch die Entwicklung der Covid-19-Pandemie bewegt.

Andere Experten sind anderer Meinung. "Die US-Wahlen werden in den nächsten Monaten die bestimmenden Faktoren für die Märkte", prophezeit zum Beispiel Keith Parker, Aktienstratege der UBS.

nb