Recep Tayyip Erdogan

Eine kleine Schlappe für Erdogan Unsicherer Wahlausgang drückt Türkische Lira

Stand: 01.04.2019, 12:00 Uhr

Die Kommunalwahlen in der Türkei sind gelaufen, aber so ganz genau wissen wir noch nicht, wie sie ausgegangen sind. Der Aktienmarkt reagiert eher wohlwollend, während die Lira wieder an Boden verliert.

Nach derzeitigen Informationen bleibt die türkische Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan landesweit mit rund 45 Prozent aller ausgezählten Stimmen zwar die stärkste Partei. Anders als von einigen Beobachtern befürchtet, habe die Regierungskoalition keinen vollständigen Vertrauensverlust erlitten, schreiben die Fachleute der Commerzbank. „Wir sehen nicht, dass der Wahlausgang die Politik Erdogans signifikant verändern wird“, meinen sie in einem aktuellen Kommentar.

Allerdings droht der Verlust der beiden wichtigsten Großstädte des Landes, die jahrzehntelang AKP-regiert waren. Da wäre wohl auch eine Reaktion auf die schlechte wirtschaftliche Lage in der Türkei. Die Lira hat massiv an Wert verloren, die Zahl der Arbeitslosen stieg innerhalb eines Jahres um rund eine Million und die Inflation um rund 20 Prozent. Lebensmittel wurden besonders teuer.

Privatpersonen in der Türkei horten deshalb Devisen und Edelmetalle. Der türkischen Zentralbank zufolge erreichte das Volumen dieser Bestände Mitte März ein Rekordhoch von 105,74 Milliarden Dollar.

Türkische Lira fällt weiter

Die Reaktion der türkischen Lira auf die Wahl ist heute durchaus signifikant. Bereits vor den Wahlen am Sonntag war die türkische Währung zeitweise ziemlich unter Druck geraten, die Volatilität hatte stark angezogen. Marktbeobachter redeten von Nervosität angesichts der Kommunalwahl. Außerdem hatten türkische Banken auf Anweisung der Regierung ausländischen Instituten keine Lira mehr geliehen, um weitere Wetten auf einen Verfall der Währung zu verhindern. Dadurch schoss der Zins für Lira-Übernachtkredite an der Londoner Börse am vergangenen Mittwoch auf bis zu 1.200 Prozent.

Heute gab die türkische Lira zum Dollar zeitweise um mehr als zwei Prozent nach, konnte die Einbußen aber wieder eingrenzen. Die Analysten der Commerzbank unterstreichen noch einmal, dass die Lira-Abwertung der Vergangenheit ihre Ursache nicht in künstlich fabrizierten spekulativen Attacken oder in Marktversagen habe. „Die Lira bleibt verwundbar, weil die Notenbank weiterhin nicht genügend Glaubwürdigkeit unter den Marktteilnehmern genießt“, lautet die Schlussfolgerung.

Die Reaktion am Aktienmarkt ist eher verhalten. Im Augenblick liegt der ISE rund ein halbes Prozent im Plus. Am vergangenen Mittwoch war der türkische Leitindex zeitweise um sieben Prozent eingeknickt. Bei Handelsschluss verbuchte er mit einem Minus von 5,7 Prozent den größten Tagesverlust seit mehr als zweieinhalb Jahren.

ts