Berat Albayrak

Wirtschaftsprogramm vorgestellt Türkisches Rätsel belastet die Lira

Stand: 20.09.2018, 14:10 Uhr

Einen Tag vor seinem Deutschland-Besuch hat der türkische Finanzminister Berat Albayrak ein Wirtschaftsprogramm vorgestellt und darin ehrgeizige Ziele zur Bekämpfung der Inflation gesetzt. Ein Detail störte die Devisenmärkte aber: Albayrak nannte keine konkreten Maßnahmen, wie er dies bewerkstelligen will.

Seine Regierung wolle die Teuerung - die zum Jahresende 20,8 Prozent erreichen soll - bis 2021 schrittweise auf sechs Prozent senken, kündigte Albayrak am Donnerstag in Ankara an. Wie das gelingen soll, bleibt indes ein Rätsel. Der Finanzminister kündigte lediglich an, ein Programm gegen die Inflation werde bald vorgestellt.

Schon jetzt scheint aber klar, dass die Regierung bei diesem Programm kaum in Abstimmung mit der Zentralbank vorgehen wird. Albayrak betonte zwar erneut die Unabhängigkeit der Geldpolitik. Deren Glaubwürdigkeit ist aber wiederholt durch die Äußerungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschädigt worden, der Zinsen als "Instrument der Ausbeutung" bezeichnet und niedrige statt höherer Zinsen als Maßnahme fordert. Demgegenüber hatten die Währungshüter in der vergangenen Woche den Leitzins überraschend stark um 6,25 Punkte auf 24 Prozent angehoben.

Die darauf folgende kräftige Erholung der Lira wurde mittlerweile wieder fast vollständig ausradiert. Die Enttäuschung über Albayraks Ausführungen ließ die türkische Währung am Donnerstagmittag wieder heftig zurückfallen. Seit Jahresbeginn hat die Lira gegenüber dem Dollar rund 40 Prozent an Wert verloren.

Staatsbesuche in Deutschland wecken Hoffnungen

Am Freitag trifft Albayrak Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Berlin. Dabei dürfte Erdogans Schwiegersohn vor allem für eine Ausweitung der Zollunion mit Europa werben. Erst im Juni hatten die EU-Staaten allerdings beschlossen, wegen der politischen Situation in der Türkei vorerst keine Verhandlungen darüber aufzunehmen.

Aber auch an den Staatsbesuch des Präsidenten vom 27. bis 29. September in Berlin dürften sich große Hoffnungen für die Bewältigung der Krise knüpfen.

Wachstumsprognosen gesenkt

Neben der Inflationsbekämpfung nannte Albayrak eine Verringerung des Haushaltsdefizits als mittelfristiges Ziel im Kampf gegen die anhaltenden Wirtschaftsprobleme. Gleichzeitig senkte die Regierung ihre Wachstumsziele. Für das laufende Jahr rechnet sie nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent, für 2019 nur noch mit einem Plus von 2,3 Prozent. Bisher war Ankara von Anstiegen von jeweils 5,5 Prozent ausgegangen. Der Minister verschob nun das Ziel von mehr als fünf Prozent auf nach 2021.

dpa-AFX/rtr/la