Türkische 100- und 200-Lira-Scheine

Druck auf Unternehmen Türkei will Verbraucherpreise um ein Zehntel senken (lassen)

Stand: 09.10.2018, 14:52 Uhr

Um fast 25 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren stieg zuletzt die Inflation in der Türkei. Heute hat Wirtschafts- und Finanzminister Berat Albayrak einen ungewöhnlichen Plan vorgelegt, um den starken Anstieg der Verbraucherpreise zu bekämpfen. Staatschef Erdogan gründete derweil einen neuen Ausschuss für Wirtschaftspolitik.

Bereits Ende September hatte Albayrak angekündigt, die Inflation bis 2021 schrittweise auf sechs Prozent senken zu wollen. Die Maßnahmen dazu hatte der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan aber bisher noch nicht genannt.

Berat Albayrak

Berat Albayrak . | Bildquelle: picture alliance / AA

Unternehmen bereit zu Preissenkungen?

Diese Maßnahmen stellte Albayrak nun vor. Er forderte türkische Firmen auf, ihre Preise um zehn Prozent zu senken. Betroffen seien alle Produkte, die bei der Berechnung des Warenkorbs zur Inflation einbezogen würden, erklärte Albayrak. Es sei eine Freiwilligen-Kampagne. Geschäfte, die sich beteiligten, sollten das Logo der Aktion in ihren Schaufenstern anbringen. Tausende Unternehmen hätten sich schon bereiterklärt. "Den Kampf gegen die Inflation und für die Preisstabilität können der Staat und die Institutionen nicht allein führen", sagte er.

Albayrak stellte zudem eine neue Website mit dem Namen "Kampf gegen Inflation.org" vor. Zu den Maßnahmen zählen auch Ermäßigungen bei der Mehrwertsteuer. Sollte es keine "globalen Veränderungen" geben, sollen auch die Gas- und Elektrizitäts-Preise nicht weiter steigen.

Schon zuvor hatte die türkische Regierung 114 Unternehmen aufgefordert, ihre starken Preiserhöhungen zu rechtfertigen. Das Handelsministerium berichtete, dass landesweit 3.974 Unternehmen untersucht wurden. Präsident Erdogan hatte Strafen angekündigt.

Außerdem berief Erdogan mehrere seiner engsten Berater und einen Theologieprofessor in einen neuen Ausschuss für Wirtschaftspolitik. Dieser soll ausländische Investoren beruhigen.

Devisenmarkt reagiert verhalten auf die Pläne

Im September waren die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 24,5 Prozent gestiegen, wie das staatliche Statistikamt in der vergangenen Woche in Ankara mitteilte - die höchste Teuerungsrate seit Juni 2003. Im August hatte die Rate noch bei 17,9 Prozent gelegen.

Ein Grund ist der Verfall der türkischen Lira. Seit Monaten steckt das Land in einer Währungskrise. Im Vergleich zum Jahresbeginn verlor die Lira Stand heute mehr als 38 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar, obwohl sie sich im September etwas stabilisieren konnte. Vor allem die Furcht vor einer zu großen Einflussnahme von Präsident Erdogan auf die eigentlich unabhängige Notenbank sowie steigende Zinsen in den USA schrecken internationale Investoren ab. Am Dienstag konnte die türkische Währung nicht von den neuen Regierungsplänen profitieren.

Gleichzeitig treibt der Währungsverfall die Inflation weiter in die Höhe, da importierte Waren teurer werden - ein Teufelskreis. Mitte September hob die türkische Notenbank trotz gegenteiliger Wünsche von Erdogan den Leitzins um 6,25 Prozentpunkte an, um gegen die hohe Teuerung und die Lira-Schwäche anzukämpfen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert der Türkei für das kommende Jahr einen deutlichen Rückgang des Wachstums auf 0,4 Prozent - 3,6 Prozentpunkte weniger als noch im April. Allein der Autoabsatz ging im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent zurück.

Erdogan lehnt externe Beratung ab

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Eine Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey lehnte Erdogan ab. Solange er lebe, werde niemand in der Lage sein, die Türkei unter das Joch internationaler Institutionen zu stellen. Albayrak hatte zuvor laut Medienberichten angekündigt, Beratungsleistungen von McKinsey in Anspruch zu nehmen. Auch eine Unterstützung durch den IWF schloss Erdogan bereits kategorisch aus.

tb