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Lira legt deutlich zu Türkische Notenbank hebt Leitzins kräftig an

Stand: 13.09.2018, 14:10 Uhr

Die türkische Notenbank hebt den Leitzins massiv an. Staatspräsident Erdogan hatte kurz zuvor niedrigere Zinsen gefordert und die Lira damit auf Talfahrt geschickt. Jetzt geht es in die andere Richtung.

Die türkische Notenbank hat den Leitzins deutlich erhöht und dem Schwellenland damit Luft in der Währungskrise verschafft. Sie hob den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld am Donnerstag von 17,75 auf 24,00 Prozent an. Wir haben uns entschieden, mit einer starken Straffung der Geldpolitik die Preisstabilität zu stützen, teilten die Notenbanker mit. Ökonomen hatten lediglich mit 22,00 Prozent gerechnet.

Die Sitzung galt als Nagelprobe für die Unabhängigkeit der Währungshüter, die mit einer ausufernden Inflation im Land kämpfen. Die türkische Währung hat seit Jahresanfang etwa 40 Prozent an Wert verloren, die Inflation lag zuletzt bei knapp 18 Prozent. Ökonomen und Investoren hatten deshalb eine kräftige Erhöhung gefordert, um die wirtschaftlich fragile Lage in der Türkei in den Griff zu kriegen.

Warum redete Erdogan?

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ARD-Börse: Türkei in Banknöten

Nur wenige Stunden davor hatte der Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan niedrigere Zinsen gefordert und die eigentlich unabhängige Notenbank damit massiv unter Druck gesetzt. Er warf den Währungshütern vor, die Wechselwirkung von Zinsen und Inflation zu verkennen: „Wer sagt: Inflation ist die Ursache und Zinsen das Ergebnis, der kennt sich nicht aus in diesem Geschäft.“ Die türkische Lira war daraufhin eingebrochen.

Nach dem Zinsentscheid ging es wieder in die andere Richtung. Auch der türkische Leitindex ISE legte zu. "Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb", schreiben die Experten der DZ Bank in einer Kurzanalyse.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan. | Bildquelle: Imago

Es geht an den Finanzmärkten längst nicht mehr nur um die Türkei und die türkische Lira. Am Schicksal der Lira hängen auch andere aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien, Indien oder Südafrika. Denn ihre Währungen sind ebenfalls unter Druck geraten, da sich einige Investoren generell aus der Anlageklasse verabschieden. Die USA locken mit steigenden Zinsen seit längerem wieder vermehrt Kapital an.

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"Glaubwürdigkeit der Geldpolitik bleibt beschädigt" Reaktionen auf die Zinserhöhung

Ulrich Wortberg, Helaba

Ulrich Wortberg, Helaba:
"Die türkische Zentralbank hat überraschend deutlich die Zinsen erhöht. Die Skepsis war groß, dass nicht viel passieren würde - vor allem, nachdem Staatschef Erdogan vor der Sitzung niedrigere Zinsen gefordert hat. Insofern hat die Zentralbank heute zumindest ihre Unabhängigkeit demonstriert. Ob dies aber der Befreiungsschlag für die Lira ist, bleibt abzuwarten. Schließlich hat die Zentralbank weiterhin das Problem, dass das Wachstum schwach ist."

ts