Lädierte türkische Flagge
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Neues Urteil der Ratingagenturen Türkei-Papiere immer tiefer im Ramsch

Stand: 19.08.2018, 12:33 Uhr

Die Rating-Agenturen Moody's und S&P haben die Kreditwürdigkeit der Türkei weiter herabgestuft. Dabei lagen sie zuvor schon im Ramschbereich.

Moody's und S&P stuften die Staatsanleihen des Landes am späten Freitag Abend weiter herab. Sie lagen zuvor schon im Ramsch- oder Junkbereich, mit dem Ratingagenturen riskante Anlagen kennzeichnen. Fitch traf zwar keine Rating-Entscheidung, teilte aber mit, man betrachte die Maßnahmen der Türkei zur Krisen-Bekämpfung als nicht ausreichend.

S&P berief sich auf die extreme Volatilität der türkischen Währung. Für das kommende Jahr sagte die Agentur zudem eine Rezession in dem Land voraus. Das Rating wurde von "BB-" auf "B+" gesenkt, der Ausblick blieb stabil.

Unbefriedigende Bekämpfung der Krise

Moody's erklärte zur Begründung, die staatlichen Institutionen der Türkei würden geschwächt, wodurch die Vorhersagbarkeit der türkischen Politik schwieriger werde. Das Rating wurde auf "Ba2" auf "Ba3" herabgesetzt, der Ausblick auf negativ geändert.

Die Ratingagentur Fitch bewertet die bisherigen Schritte der Türkei zur Bekämpfung der Lira-Krise als unbefriedigend. "Die unvollständige Antwort der Türkei auf die Abwertung der Lira dürfte für sich genommen wahrscheinlich die Währung und die Wirtschaft nicht nachhaltig stabilisieren", teilte Fitch mit. Es sei notwendig, die Glaubwürdigkeit und die Unabhängigkeit der Notenbank zu erhöhen und wirtschaftliche sowie finanzielle Ungleichgewichte zu reduzieren.

Zinsanhebung angemahnt

Zwar habe die Notenbank indirekt ihren effektiven Leitins um 1,5 Prozentpunkte angehoben, indem sie Banken keine Finanzierung zum Hauptleitzins, sondern stattdessen nur noch zum höheren Übernacht-Zins angeboten habe. An den Märkten geht man laut den Bonitätswächtern aber davon aus, dass nur eine reguläre Leitzinserhöhung wieder Kapital ins Land locken kann.

Die 15 Milliarden Dollar schwere Investitionshilfe aus Katar habe zwar zur Stabilisierung der Lira beigetragen, hieß es weiter. Derartige Finanzspritzen reichten aber nicht aus, um den Bedarf der Türkei an ausländischen Geldern zu decken. Dieser liege für 2018 schätzungsweise bei 229 Milliarden Dollar - und übersteige damit die türkischen Devisenreserven bei weitem.

Erdogan weiter kämpferisch

Staatspräsident Erdogan erklärte am Samstag, die Türkei werde sich nicht denjenigen ergeben, "die uns als strategischen Partner darstellen und zugleich aus uns ein strategisches Ziel machen wollen". In der diplomatischen Krise zwischen den beiden Nato-Partnern zeichnet sich weiter keine Annäherung ab. Ein Gericht im türkischen Izmir lehnte erneut eine Freilassung des inhaftierten US-Pastors Andrew Brunson ab, der im Zentrum des Konflikts steht. Kurz zuvor hatte die Regierung in Ankara weitere Vergeltungsmaßnahmen angedroht, sollten neue US-Sanktionen verhängt werden.

Die türkische Lira geriet derweil weiter unter Druck und fiel auf ein neues Rekordtief. Dabei hat sie seit Jahresbeginn bereits rund 40 Prozent zum Dollar verloren.

rtr/dpa/afp