Recep Tayyip Erdogan
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Krise in der Türkei Erdogan bringt Lira zum Absturz

Stand: 13.09.2018, 11:45 Uhr

Die Erwartungen an die Türkische Notenbank sind hoch: Sollte sie den Leitzins nicht kräftig anheben, könnte es zu massiven Verwerfungen kommen – abgesehen von der Lage in der Türkei selbst. Doch Zinserhöhungen gefallen Herrn Erdogan gar nicht. Und kurz vor dem Zinsentscheid meldet er sich noch einmal zu Wort: Die Lira stürzt ab.

Zuletzt hatte sich die Lage für die türkische Währung ein wenig beruhigt. Aussagen der türkischen Notenbank hatten die Hoffnung genährt, dass sie angemessen auf die Lira-Krise reagieren werde. Man werde im September eine neue Haltung annehmen, teilten die Notenbanker mit, um die Preisstabilität zu garantieren. Die Notenbank werde von all ihren Instrumenten Gebrauch machen, lautete die Ankündigung. Die Erwartungen der Märkte auf eine rationale Antwort auf die Krise sind also geweckt.

Erdogan: "Notenbank muss Zinsen senken"

Ökonomen sehen dringenden Handlungsbedarf. Die türkische Währung hat seit Jahresanfang etwa 40 Prozent an Wert verloren, die Inflation ufert aus. Das Problem ist, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein Gegner hoher Zinsen ist und bei Fachleuten, Anlegern und Märkten bislang nicht den Eindruck erweckt hat, er habe die kritische Lage des Landes vollkommen umrissen.

Erdogan führt die Krise, jedenfalls öffentlich, auf eine Kampagne gegen die Türkei zurück. Kurz vor der heutigen Sitzung meldete er sich noch einmal zu Wort. Die wirtschaftlichen Probleme seien nicht durch sein Land ausgelöst worden, erklärte er am Donnerstag erneut: "Das ist nicht unsere Krise."

Angesichts seiner Machtfülle sorgen sich Investoren um die Unabhängigkeit der Notenbank. Die Zentralbank treffe ihre eigenen Entscheidungen, so der Staatspräsident. Gleichzeitig erklärte er aber auch, die Zentralbank müsse die Zinsen senken. Die Zinsen verursachten Inflation, und die Notenbank habe die Inflation niemals richtig eingeschätzt. Die türkische Lira reagiert auf diese Aussagen, wie man es erwarten darf: Sie fällt.

Und frische Daten deuteten zuletzt darauf hin, dass es in der Wirtschaft nicht mehr ganz so gut läuft: Das BIP legte im zweiten Quartal nur noch um 5,2 Prozent zu. Zu Jahresbeginn hatte es noch zu 7,3 Prozent gereicht.  "Die türkische Wirtschaft dürfte in den kommenden Quartalen angesichts der kräftigen Abwertung der Landeswährung Lira noch mehr Schwung verlieren", sagte Rabobank-Ökonom Piotr Matys voraus. Das Krisenszenario ist also sozusagen intakt.

Auch die Schwellenländer sind angeschlagen

Heute Mittag um 13 Uhr MESZ wird die türkische Notenbank über den Leitzins entscheiden, der derzeit bei 17,75 Prozent liegt. Ökonomen setzen im Schnitt auf eine Erhöhung auf 22,0 Prozent. Sollte es nicht zu einer deutlichen Zinserhöhung kommen, droht ein weiterer Absturz der Landeswährung - mit weitreichenden Folgen für die Wirtschaft.

Recep Tayyip Erdogan

Recep Tayyip Erdogan. | Bildquelle: picture alliance / abaca

„Wichtiger aber noch ist, ob die Zentralbank eindeutiger demonstriert, dass sie erneut unabhängig ist und die Geldpolitik so stark straffen kann, wie es zur Bekämpfung des schlimmer werdenden Inflationsproblems notwendig ist“, schreiben die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Türkei. Am Schicksal der Lira hängen auch andere aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien, Indien oder Südafrika. Denn ihre Währungen sind ebenfalls unter Druck geraten, da sich einige Investoren generell aus der Anlageklasse verabschieden. Die USA locken mit steigenden Zinsen seit längerem wieder vermehrt Kapital an.

ts

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Schwellenländer im Sog des Lira-Crashs Von Argentinien bis Südafrika

Indischer Zehnrupienschein

Indische Rupie
Auf dem Subkontinent wächst die Nervosität. Die Rupie fiel auf ein Rekordtief zum Dollar. Der Greenback war zeitweise über 70 Rupie wert. Schon geht die Angst um vor einer anziehenden Inflation. Im Juni lag die Teuerungsrate schon bei fünf Prozent. Die indische Notenbank hat jüngst die Leitzinsen zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit angehoben - auf 6,5 Prozent.