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"Glaubwürdigkeit der Geldpolitik bleibt beschädigt" Reaktionen auf die Zinserhöhung

Ulrich Wortberg, Helaba

Ulrich Wortberg, Helaba:
"Die türkische Zentralbank hat überraschend deutlich die Zinsen erhöht. Die Skepsis war groß, dass nicht viel passieren würde - vor allem, nachdem Staatschef Erdogan vor der Sitzung niedrigere Zinsen gefordert hat. Insofern hat die Zentralbank heute zumindest ihre Unabhängigkeit demonstriert. Ob dies aber der Befreiungsschlag für die Lira ist, bleibt abzuwarten. Schließlich hat die Zentralbank weiterhin das Problem, dass das Wachstum schwach ist."

"Glaubwürdigkeit der Geldpolitik bleibt beschädigt" Reaktionen auf die Zinserhöhung

Ulrich Wortberg, Helaba

Ulrich Wortberg, Helaba:
"Die türkische Zentralbank hat überraschend deutlich die Zinsen erhöht. Die Skepsis war groß, dass nicht viel passieren würde - vor allem, nachdem Staatschef Erdogan vor der Sitzung niedrigere Zinsen gefordert hat. Insofern hat die Zentralbank heute zumindest ihre Unabhängigkeit demonstriert. Ob dies aber der Befreiungsschlag für die Lira ist, bleibt abzuwarten. Schließlich hat die Zentralbank weiterhin das Problem, dass das Wachstum schwach ist."

Schriftzug Bankhaus Lampe

Bastian Hepperle, Bankhaus Lampe:
"Die türkische Notenbank hat auf die hohe Inflationsrate und den Lira-Verfall zwar etwas beherzter reagiert. Das Vertrauen dürfte dies aber nicht stärken. Die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik bleibt beschädigt, solange die Notenbank von Staatspräsident Erdogan gegängelt wird. Das Vertrauen von Investoren dürfte weiter gestört bleiben, die Lira-Krise ist nicht vorüber."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, VP-Bank:
"Soviel Aufmerksamkeit wurde der türkischen Notenbank noch selten zuteil. Die türkische Notenbank stiehlt der EZB heute die Show. Die Schockwellen, die jüngst durch die Finanzmärkte liefen, wurden maßgeblich von der Türkei ausgelöst, insofern ist die heutige Aufmerksamkeit durchaus gerechtfertigt. Die deutlichen Kursverluste der Lira und das Stillhalten der türkischen Notenbank verunsicherten die Finanzmärkte. Die Unabhängigkeit der türkischen Währungshüter wurden angezweifelt. Die deutliche Zinserhöhung schafft nun wieder Vertrauen. Die Kursgewinne der Lira legen bestens Zeugnis hierfür ab. Das Urteil lautet deshalb: Gut gemacht, so funktioniert Krisenpolitik. Den anziehenden Inflationsraten wird nicht tatenlos zugesehen."

Nomura-Gebäude in Tokio

Inan Demir, Nomura: "Ich bin überrascht, wie auch die Märkte (...) Meiner Meinung nach war das für den Moment ausreichend, aber natürlich werden wir die Entwicklung der Inflation in den kommenden Monaten verfolgen. Es ist wahrscheinlich, dass sich der Preisauftrieb weiter beschleunigt und dass vielleicht weitere Zinsanhebungen vonnöten sein könnten."

Unternehmenszentrale der Société Générale in La Défense in Paris

Phoenix Kalen, Société Générale: "Der Markt ist einerseits zufrieden mit dieser Zinserhöhung, andererseits ziemlich durcheinander. Es sieht ganz danach aus, als ob es ein 'Good Cop, Bad Cop'-Spiel der türkischen Behörden gibt. Präsident Erdogan sagt auf der einen Seite, er mag keine Zinsen. Auf der anderen Seite hebt die Zentralbank dann die Zinsen sehr deutlich an."

DZ Bank-Turm

Sören Hettler, DZ Bank:
"Die Reaktion des Marktes ist erst einmal positiv, das sieht man klar an dem Sprung der Lira. Die Zinserhöhung fällt stärker aus, als man im Vorfeld erwartet hat. Aber es ist auch offensichtlich, dass die Probleme der Türkei nicht nur auf die Zentralbank zurückzuführen sind. Die Auslandsverschuldung ist zu hoch, die Wirtschaft entwickelt sich schleppend. Die Zentralbank hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, sie muss aber meines Erachtens weitere Schritte unternehmen, um das Vertrauen der Investoren in die Türkei wieder herzustellen."

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