Wahlkampf in der Türkei

Türkische Zentralbank wartet ab Der Türkei droht ein böses Erwachen

Stand: 13.12.2018, 13:21 Uhr

Die türkische Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Zwar hat sich die Türkische Lira seit ihrem Kurssturz im August erholt, trotzdem bleiben die Risiken für die Türkei hoch. Vor allem die stark nachlasssende Wirtschaft dürfte zu einem ernsten Problem werden.

Trotz einer anhaltenden Währungskrise und einer hoher Inflationsrate hat die türkische Zentralbank den Leitzins nicht angehoben und belässt ihn bei 24 Prozent. Seit Jahresstart hat die Türkische Lira gegen den Dollar rund 30 Prozent verloren. Im November fiel die Inflationsrate im Vergleich zum Vormonat zwar um mehr als drei Prozentpunkte auf 21,6 Prozent, von Entwarnung kann aber keine Rede sein. Noch im Oktober war die Teuerungsrate zum ersten Mal seit 15 Jahren auf mehr als 25 Prozent geklettert.

Zentralbanken bekämpfen hohe Inflationsraten üblicherweise mit Leitzinserhöhungen. Höhere Zinsen machen Kredite für Firmen und Verbraucher teurer, was etwa Investitionen dämpft und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage drosselt.

Die Wirtschaft verliert massiv an Schwung

Erst in den vergangenen Tagen hatten die türkischen Zahlen zum Wirtschaftswachstum enttäuscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Schwellenlandes legte im Sommer nur noch um 1,6 Prozent zum Vorjahr zu. Dies ist der schwächste Zuwachs seit dem Putsch-Versuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im Sommer vor zwei Jahren.

Im Frühjahr war noch ein BIP-Plus von 5,3 Prozent herausgesprungen. Erdogans Finanzminister und Schwiegersohn Berat Albayrak räumte ein, dass die Binnennachfrage an Schwung verloren habe. Er erwartet für 2018 aber nach wie vor ein BIP-Wachstum von 3,8 Prozent. Zum Vergleich: 2017 hatte die Wirtschaft noch um 7,4 Prozent zugelegt.

Berat Albayrak

Berat Albayrak . | Bildquelle: picture alliance / AA

Türkei ist verletzlich

Die Prognosen vieler anderer Experten sehen deutlich düsterer aus. Die Fachleute des IWF rechnen im kommenden Jahr beispielsweise mit einem Plus von nur noch 0,4 Prozent. Die Ratingagentur Moody’s sieht die Wirtschaft gar um zwei Prozent schrumpfen.  Die schwache Konjunktur kombiniert mit einer hohen Inflation könnte  in der Türkei künftig zu massiven Problemen führen.

Die Ursachen für die Konjunkturschwäche seien laut IWF die schwächere Lira und steigende Kreditkosten. Für Präsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Erfolg auch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung verknüpft ist, sind das schlechte Nachrichten. Moody’s unterstreicht zudem, dass sich die Türkei in relativ ausgeprägter Weise aus dem Ausland finanziere und deshalb besonders verletzlich sei.    

Eingang der Türkischen Zentralbank, TCMB, Türkei

Türkische Zentralbank. | Bildquelle: Unternehmen

Eine zweistellige Inflationsrate, ein steiler Anstieg der Kreditkosten und eine beschränkte Kreditvergabe dürften auch den privaten Konsum belasten, so die Experten der Ratingagentur. Sollte die Wirtschaft wirklich in dieser Weise an Schwung verlieren, sind natürlich auch vermehrte Kreditausfälle denkbar. Zusammengefasst bedeutet das jedenfalls: Die Türkei steht bei der Lösung ihrer wirtschaftlichen Probleme noch ziemlich am Anfang.