Grinsender Donald Trump
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Ein Jahr nach seiner Wahl zum US-Präsidenten Trump: Von Börsenschreck keine Spur

Stand: 08.11.2017, 14:30 Uhr

Donald Trump mag wie ein Tsunami über die USA und die Welt gerollt sein. An der Börse hat seine Wahl keine Zerstörungen hinterlassen. Im Gegenteil. Trotz der Crash-Vorhersagen sind die Kurse seit Trumps Wahl kräftig gestiegen.

Aktienanleger haben tatsächlich keinen Grund zu meckern. Seit der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten vor einem Jahr eilen die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord. Allein der amerikanische Leitindex Dow Jones hat in dieser Zeit knapp 30 Prozent zugelegt. Der S&P 500, der die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst und damit breiter aufgestellt ist als der Dow, bringt es auf ein Plus von 20 Prozent.

Damit ist Trump zwar keineswegs beispiellos, doch bringt er es auf eine herausragende Stellung. Bislang galt George H.W. Bush (der Ältere) als der einzige republikanische Präsident, dem steigende Börsen in seinem ersten Amtsjahr vergönnt waren.

Nicht nur Trumps Erfolg

Der Nachrichtendienst Bloomberg hat die Kursentwicklungen während der ersten elf Monate nach Präsidentschaftswahlen verglichen. Trump landet auf Platz sieben – weit hinter dem Demokraten Bill Clinton, der ein Plus von 38 Prozent verzeichnete und knapp vor dem Demokraten Barack Obama (plus 16 Prozent).

Hat Donald Trump den Aktienmarkt also wieder "great" gemacht? Natürlich wertet der Präsident die steigenden Kurse als eindrucksvollen Beweis für seinen Erfolg. Doch diese Sicht der Dinge entspricht nicht ganz der Wahrheit. In Wirklichkeit hat die Rally am amerikanischen Aktienmarkt nicht erst mit dem Regierungswechsel in Washington behonnen, sondern bereits 2009. Seither hat der S&P 500 seinen Wert fast verdreifacht.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
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24.646,97
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-1,36%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
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12.668,57
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-1,29%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
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7.180,08
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-0,98%

Erholung hat schon früher eingesetzt

Auch hat die Erholung der amerikanischen Wirtschaft bereits vor der Wahl Trumps eingesetzt. Somit sind die Voraussetzungen für die kräftig sprudelnden Gewinne der Unternehmen bereits unter der Präsidentschaft Obanas gelegt worden.

Umbestitten ist aber, dass Finanzwerte, Militärausrüster sowie Baumaschinenhersteller vom Einzug des New Yorker Milliardärs ins Weiße Haus profitiert haben. Denn Trump hat versprochen, das Militär zu vergrößern, die Banken zu deregulieren und die Infrastruktur des Landes zu modernisieren. Einer der größten Profiteure dieser erst in Teilen umgesetzten Versprechen ist der Baumaschinenhersteller Caterpillar. Dessen im Dow notierte Aktie hat seit der Trump-Wahl satte 60 Prozent zugelegt. Die Papiere des Flugzeugherstellers Boeing sind sogar um 85 Prozent gestiegen.

Goldanleger sind die Verlierer

"Trump hat vieles im Inneren erreicht, was bei uns bislang noch gar nicht so aufgefallen ist. Er ist angetreten, den Einfluss des Staates auf die Wirtschaft und das Leben der Menschen so klein wie möglich zu machen. Dafür hat ihn die Wirtschaft finanziell gefördert", erklärte kürzlich der Politikwissenschaftler und Amerika-Kenner Josef Braml im Gespräch mit der "FAZ".

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
1.275,40
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-0,28%

Eindeutige Verlierer der Trump-Wahl sind die Goldbesitzer. Entgegen den Prognosen hat sich das Edelmetall nicht als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten erwiesen. Bei zuletzt 1.280 Dollar ist die Feinunze in etwa genauso viel wert wie vor einem Jahr. Goldanleger, die auf die Wahl von Trump als Preisbeschleuniger gehofft hatten, blicken also in die Röhre, zumal Goldanlagen auch keine Dividende abwerfen. Analysten der niederländischen Bank ABN Amro hatten sogar einen Anstieg des Goldpreises auf 1.850 Dollar pro Feinunze vorausgesagt, für den Fall, dass Donald Trump die Wahl gewinnt.

Verschuldung steigt

Auch der Dollar hat sich nicht so entwickelt, wie das die meisten Experten vorausgesagt hatten. Trotz steigender Zinsen hält sich die Aufwertung in Grenzen, scheint seit einigen Wochen gar ihren Zenit überschritten zu haben. Allerdings ist sich Trump in dieser Hinsicht mit allen seinen Vorgängern einig: Der Dollar ist zwar die unbestrittene Weltwährung, doch zu stark sollte der Greenback auch nicht werden.

Fällt die Bilanz nach einem Jahr Trump aus wirtschaftlicher Sicht also positiv aus? Aus Sicht der Aktionäre eindeutig ja. Und sollte Trump seine Ausgaben- und Steuersenkungspläne tatsächlich umsetzen, würde dies der amerikanischen Wirtschaft einen ordentlichen Schub verleihen - und die Unternehmensgewinne weiter ankurbeln.

Allerdings ist die Politik Trumps mit einem Anstieg der Staatsschulden verbunden. Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/08 haben sich die Schulden des Bundes, also ohne Einzelstaaten und Kommunen, verdoppelt. Seit Januar legte die Verschuldung weiter zu, und zwar von 19,9 auf 20,4 Billionen Dollar. Ob sich diese Entwicklung eines Tages als Bumerang erweisen wird?

lg