Donald Trump

Kann sich Amerika diesen Aggressor leisten? Trump, der Wirtschaftsschreck

von Bettina Seidl

Stand: 23.03.2018, 14:18 Uhr

Aufatmen ja, relaxen nein. Auch wenn Deutschland von Trumps Strafzöllen vorerst ausgenommen ist: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und ein Handelskrieg zwischen den USA und China wäre auch für uns schlimm.

Mit einem US-Präsidenten Trump kann man sich auf nichts verlassen. Die Akteure auf der politischen Bühne nicht, und auch die Wirtschaft nicht. Trump zündelt einfach zu gern. Die geopolitischen Risiken – eine Gefahr auch für Wirtschaft und Aktienmärkte – sind mit einem Präsidenten Trump größer geworden. Dabei ist die Weltwirtschaft ohnehin in Sorge: "America first", Strafzölle, Abschottung, undurchdachte Reformen: Trump schadet der ganzen Welt.

Vorerst nimmt er nur China in die Zange, weil sich die Chinesen in der Vergangenheit zu häufig am geistigen Eigentum der US-Konzerne bedient haben. Er will nun innerhalb von 30 Tagen höhere Zölle gegen rund 1.300 Produkte der Chinesen verhängen, von Schuhen über Roboter bis hin zu Elektroautos. Trump rechnet mit bis zu 60 Milliarden Dollar Mehreinnahmen dadurch. Die Antwort aus Peking kam postwendend: Die Regierung bereitet ihrerseits Zusatz-Abgaben auf US-Produkte vor.

Sind wir nicht alle ein bisschen… China?

Die Angst vor einem weltweiten Handelskrieg ist nun immanent. Auch wenn Trump Ausnahmen bei den neuen Stahl- und Alu-Zöllen macht – neben den 28 EU-Staaten bleiben Kanada und Mexiko verschont, beide sind Partner der USA im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta, außerdem Australien, Argentinien, Brasilien und Südkorea. Die Gefahr einer Ausweitung ist dadurch aber nicht gebannt.

Vorerst gelten die Ausnahmen nämlich nur für fünf Wochen – bis 1. Mai. Würde Deutschland in einen globalen Handelskrieg hineingezogen, wäre die gesamte deutsche Exportwirtschaft betroffen. Stark Export-abhängig sind vor allem der deutsche Maschinenbau und die Automobilindustrie, die ja bekanntermaßen genug Probleme hat.

Aber auch wenn der Handelskrieg nur auf China beschränkt bleibt, er dürfte auf andere Länder ausstrahlen und ihnen wirtschaftliche Probleme bringen. "Wir alle sind auch ein bisschen China, denn wir sind ja sehr stark Kunden und Lieferanten von China", sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in der ARD.

"Emotional aufgeladen"

Markus Gürne
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Angst vor dem Handelskonflikt [boerse vor acht 22.3.18]

"Wenn es einen Handelskrieg gibt zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt, wer würde sich nicht um die Folgen für die Weltwirtschaft sorgen?", sagte Anlagestratege Norihiro Fujito vom Brokerhaus Mitsubishi UFJ Morgan Stanley.

Dagegen warnt John Vail, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Nikko, vor überzogenem Pessimismus. "Weder Präsident Trump noch die chinesische Führung wollen eine Krise auslösen. Beide werden sich bemühen, eine mögliche Eskalation zu vermeiden. Wir bleiben dennoch aufmerksam, denn aufgrund der emotional aufgeladenen Situation kann es jederzeit zum Ernstfall kommen."

Börsen auf Talfahrt

Ein Spiegelbild der Sorgen war die Reaktion an den Aktienbörsen. Weltweit gingen die Aktienkurse auf Talfahrt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
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22.697,36
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+0,44%

"Zunächst hofften die Anleger, dass Trump mit den Strafzöllen auf Stahl und Aluminium nur ein Warnsignal senden wollte", sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Nun wird jedoch klar, dass sich der US-Präsident auf Konfrontationskurs befindet." Von einer Eskalation des Konflikts mit China würde keiner profitieren.

Eskalation vermeiden!

Aus Angst vor den Folgen für die Weltwirtschaft gibt es nun von allen Seiten Warnungen. Wirtschaftsverbände drängen darauf, die Verhandlungen mit den USA über ein transatlantisches Freihandelsabkommen wieder aufzunehmen. Damit das "leidige Thema der bilateralen Zölle ein für alle Mal vom Tisch" ist, wie der VDMA sagt. Die EU dürfe sich nicht auf ein "wie du mir, so ich dir" einlassen, forderte Hauptgeschäftsführer des Maschinenbau-Verbandes, Thilo Brodtmann.

Ziel soll dabei sein, "beidseitig Handelshürden abzubauen", fordert etwa der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte, die WTO als "Hüterin des Welthandels" zu stärken. Das Vorgehen der USA sei "äußerst besorgniserregend", erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf.

Das Ifo-Institut appellierte an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die EU-Kommission, sich schützend vor die WTO zu stellen. "Mehr als 85 Prozent des Außenhandels der EU finden nicht mit den USA, sondern mit anderen WTO-Ländern statt", sagte der Leiter des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Gabriel Felbermayr.

Folgt ein Währungskrieg?

Neben dem Handelskrieg könnte auch schnell ein Währungskrieg aufziehen. "Das hat noch niemand so richtig auf dem Schirm, das Thema wird aber kommen", warnte Prof. Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts jüngst im Zeitungsinterview.

"Die Kombination aus Handels- und Währungskrieg wäre aber fatal für eine Weltwirtschaft, die gerade dabei ist, sich endgültig von der Finanzkrise 2007/08 zu erholen."

Verspielt Trump den Ruf des Dollar?

Die Frage ist, ob Trumps protektionistische und schuldenbasierte Wirtschaftspolitik nicht die Rolle des Dollar als unumstrittene Weltleitwährung untergräbt. Eine Leitwährung braucht Stabilität und Berechenbarkeit, wie Viraj Patel, Devisenstratege bei der ING erklärt. Das gelte nicht nur für die Währung selbst, sondern auch für die Wirtschaftspolitik und die politischen Institutionen des dazugehörigen Landes.

Es brauche wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass die Handelspartner der USA irritiert seien und - Zitat - "sich nun fragen, warum sie jenseits von ökonomischen Erwägungen noch Dollar halten sollen".

Nur wenn Investoren noch Vertrauen in das Land und die Währung haben, können die USA ihren Schuldenkurs durch Gelddrucken aufrecht erhalten. Trump verspielt das Vertrauen. Angesichts des immensen Schuldenberges muss sich Amerika fragen, ob es sich einen Aggressor Trump wirklich leisten kann.