Jair Bolsonaro

Brasiliens Börse auf Rekordhoch Trump-Bewunderer Bolsonaro schiebt die Börse an

Stand: 29.10.2018, 18:04 Uhr

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die Wahl zum neuen brasilianischen Präsidenten gewonnen. Der Sieg des erklärten Bewunderers von Donald Trump befeuert die Börse in Sao Paulo.

Der Bovespa-Index, der Leitindex des Landes, steigt nach dem Wahlentscheid am frühen Nachmittag Ortszeit um über drei Prozent auf 88.377 Punkte, ein neues Rekordhoch. Der Index setzt damit seinen kräftigen Aufschwung seit dem Sommer fort.

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Die Kapitalmärkte begrüßen die Entscheidung der brasilianischen Wähler, die den ultrarechten Kandidaten Jair Boisonaro mit etwas über 55 Prozent der Stimmen ins Präsidentenamt gewählt haben. Boisonaro bestätigte damit seinen Sieg aus der ersten Runde der Wahl gegen den Kandidaten der Linksparteien, Fernando Haddad.

Wirtschaftsimpulse sind zu schwach

Bereits im Vorfeld hatten die Märkte schon kräftig Vorschusslorbeeren verteilt, da sie sich von einer neuen Regierung stärkere Impulse zur Überwindung der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Landes erhoffen. Diese erholt sich derzeit nur sehr langsam von der Krise nach dem Ende des jüngsten Rohstoffbooms. 2017 reichte es aber nur zu einem Wachstum von 1,0 Prozent, zu wenig für ein so großes Schwellenland wie Brasilien.

Nicht nur an der Aktienbörse, auch am Devisen- und Rentenmarkt geht es mit der Aussicht der Regierungsübernahme durch Jair Bolsonaro derzeit bergauf. So gewann die Landeswährung Real zuletzt an Wert und auch die Renditen der Staatsanleihen haben sich ermäßigt. Allerdings bleiben sie auf hohem Niveau, zehnjährige Titel rentieren mit gut 10,0 Prozent, und sind zudem mit einem S&P-Rating von BB- tief im Ramschbereich.

Trumps Rezepte

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Bolsonaro hat im Wahlkampf angekündigt, Unternehmen unter Staatseinfluss zu privatisieren - darunter auch den von Korruptionsskandalen erschütterten Ölkonzern Petrobras . Dieser ächzt unter einem gigantischen Schuldenberg von 74 Milliarden Dollar. Ganz in trockenen Tüchern ist die Privatisierung aber noch nicht, denn im Beraterkreis des neuen Präsidenten herrscht noch Uneinigkeit darüber, ob das als Tafelsilber geltende Unternehmen wirklich verkauft werden soll.

Der künftige Präsident Brasiliens hat mit dem Thema Wirtschaft jedoch nach eigenen Worten nicht allzu viel am Hut. Er will seinem Berater und designierten Superminister für Finanzen, Planung und Handel, Paulo Guedes, weitgehend freie Hand geben. Dieser plant, der Wirtschaft mit einer Steuerreform neuen Schwung zu verleihen und damit die Basis zum Aufbau von zehn Millionen neuen Jobs zu legen.

Wirtschaft vor Umweltschutz

Wie Trump auch tritt bei Bolsonaro der Umweltschutz hinter die Wirtschaftsinteressen zurück. Atom- und Wasserkraft im Amazonas-Becken sollen ausgebaut werden. Bisher hat Brasilien stark auf Erneuerbare Energien gesetzt, mit Deutschland verbindet das Land eine "Energiepartnerschaft". Ob dies weitergeht, dürfte in den Sternen stehen. Bolsonaro hatte zuletzt sogar angekündigt, nach dem Vorbild Donald Trumps aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen.

Überhaupt dürften für den für das Weltklima so wichtigen Amazonas-Urwald schwere Zeiten anbrechen. Bolsonaro wird maßgeblich von der mächtigen Agrarlobby des Landes gestützt, die auf neue Weide- und Ackerflächen drängt.

rm/rtr