Kapstadt Südafrika

Krise in den Schwellenländern Südafrika, der nächste Crash-Kandidat?

Stand: 15.10.2018, 13:00 Uhr

Südafrika steckt mitten in einer Rezession. Die steigenden US-Zinsen kommen für das Schwellenland zur Unzeit. Nicht wenige Beobachter ziehen Parallelen zur Krise der türkischen Lira.

Ähnlich wie die Währungen in Argentinien und der Türkei ist auch der Südafrikanische Rand in diesem Jahr massiv unter Druck geraten. Und als hätte das Land am Kap der Guten Hoffnung nicht schon genügend wirtschaftliche Sorgen, liegt in Südafrika auch innenpolitisch sehr vieles im Argen.

"Die südafrikanische Gesellschaft ist eine der ungleichsten der Welt", betont Patrick Heinisch, Analyst bei der Helaba. Zum Teil sei das noch ein Relikt aus Apartheid-Zeiten. Noch immer gebe es ein starkes Wohlstandsgefälle zwischen schwarzen und weißen Südafrikanern. "Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze, die Arbeitslosenquote beläuft sich auf rund 28 Prozent", so Heinisch.

Wer regiert eigentlich das Land?

Also sind kompetente Politiker gefragt, die sich den Problemen stellen. Wo sind sie? Bestechlichkeit ist ein ständiges Thema in Südafrika. Die reiche Unternehmerfamilie Gupta, die mehrere Konzerne in Südafrika besitzt, soll Einfluss auf Regierungsarbeit des früheren Präsidenten Jacob Zuma (ANC) genommen haben. Ex-Präsident Zuma, von 2009 bis 2018 im Amt, steht seit Jahren wegen Vetternwirtschaft in der Kritik und muss sich in einem Gerichtsverfahren wegen Korruption verantworten. Zuma war Mitte Februar unter massivem Druck seiner Partei vom Präsidentenamt zurückgetreten. Damit kam der inzwischen 76-Jährige einer Amtsenthebung zuvor.

Ersetzt wurde er vom Parteifreund Cyril Ramaphosa, der natürlich der Korruption den Kampf angesagt hat. Der 65-Jährige galt einst als Nelson Mandelas Wunschnachfolger. Und vor wenigen Tagen trat Südafrikas Finanzminister Nhlanhla Nene zurück. Er hatte Treffen mit den Guptas geleugnet, was in der aktuellen Atmosphäre in Südafrika sehr verdächtig wirkt.  

Sein Nachfolger ist der frühere Zentralbankchef Tito Mboweni. "Gratulation, wir hätten uns keine bessere Wahl vorstellen können", jubelt Elisabeth Andreae, Analystin bei der Commerzbank. Mboweni habe in seiner zehnjährigen Amtszeit bis 2009 nicht nur die Devisenreserven merklich aufgestockt, sondern vor allem eine absolut stabilitätsorientierte Geldpolitik umgesetzt. "Er galt als einer der besten Notenbanker der Welt", so Andreae.

Präsident Cyril Ramaphosa (li) mit dem neuen Finanzminister Tito Mboweni. | Bildquelle: picture alliance/Uncredited/AP/dpa

Die Verschuldung steigt

Jetzt wird er beweisen müssen, ob er auch einer der besten Finanzminister der Welt werden kann, denn für Mboweni gibt es viel zu tun. Bereits am 24. Oktober steht eine wichtige und vielbeachtete Haushaltspräsentation an, das Medium Term Budget.

"War der Staatshaushalt nach der Jahrtausendwende stets weitgehend ausgeglichen beziehungsweise nur moderat im Defizit, so sind mit der Machtübernahme Jacob Zumas 2009 die Haushaltsdefizite buchstäblich in die Höhe geschnellt", meint Helaba-Experte Heinisch. "In den neun Jahren seiner Amtszeit lag das jährliche Defizit im Durchschnitt zwischen 4 Prozent und 5 Prozent des BIP. In diesem Zeitraum ist die Staatsverschuldung von 30 Prozent des BIP auf fast 55 Prozent gestiegen."

Eine hochspekulative Geldanlage

Und ausgerechnet in dieser Lage fällt das Land erstmals seit 2009 in eine Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im zweiten Jahresviertel auf das Jahr hochgerechnet um 0,7 Prozent zum Vorquartal. Bereits im ersten Quartal war die Wirtschaft um 2,6 Prozent geschrumpft. Ohne Wachstum wird der Schuldendienst zu einer heiklen Sache in einem Land, das ein echtes Armutsproblem hat.  

Das schlägt sich auch in den Kreditratings der Agenturen nieder. Seit 2017 bewerten zwei der wichtigsten drei Ratingagenturen, Fitch und S&P, die Staatsanleihen Südafrikas als Junk Bonds, also als hochspekulativ. Das hat Folgen für die Refinanzierungskosten, die natürlich mit dem Anleger-Risiko steigen. Die Fachleute von Moody‘s wollten sich am vergangenen Freitag erneut zu Südafrika äußern.

Sie haben ihr Votum angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen verschoben. Beobachter rechnen damit, dass Moody’s bis zur Budgetpräsentation warten wird. Sollte auch Moody‘s den Daumen senken, werden sich die Probleme Südafrikas noch einmal drastisch verschärfen.

ts