Stefan Bruckbauer, Bank Austria

Neue Regierung könnte neue Impulse geben "Steuerreform als Wachstumsmotor"

Stand: 13.10.2017, 13:32 Uhr

Österreichs Wirtschaft segelt auf einer Welle der Hochkonjunktur. Das ist nicht zuletzt massiven Steuersenkungen geschuldet, betont Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, im Gespräch mit boerse.ARD.de. Ein Vorbild auch für Deutschland?

boerse.ARD.de: Österreich hat Deutschland zuletzt beim Wachstum überholt. Herr Bruckbauer, was sind die Gründe für die Stärke der österreichischen Wirtschaft?  

Stefan Bruckbauer: Österreich hatte, anders als Deutschland, in den letzten Jahren sein strukturelles Budgetdefizit zu reduzieren. Daher blieb das Wachstum auch in den Jahren 2014 und 2015 hinter Deutschland zurück. Nach Abschluss dieser Sanierung 2016 konnte Österreich wieder an Deutschland anschließen beim Wachstum und dank der Steuersenkungen im Rahmen der Steuerreform 2016 zusätzliche Impulse erlangen. Die starke Binnenkonjunktur hat auch die Investitionstätigkeit verstärkt. Zudem war die erste Phase der Erholung nach der Eurokrise im Euroraum (vor allem auch in Deutschland) stark vom privaten Konsum getrieben. Hier konnte Österreich nicht so stark partizipieren. In der jetzigen Phase beginnen jedoch wieder die Investitionen, eine traditionelle Stärke der österreichischen Exportindustrie. Unterschätzen darf man auch nicht die Effekte der starken Migration aus der EU, die in Österreich deutlich stärker ausfiel als etwa in Deutschland.

Die österreichische Steuerreform 2016

Die Steuerreform 2016 hat die Belastung der Arbeitseinkommen in Österreich deutlich gesenkt. Die Belastung eines Durchschnittsverdieners liegt laut einer aktuellen OECD-Studie seither 2,5 Prozentpunkte tiefer: Ein österreichischer Durchschnittsverdiener zahlt derzeit 47,1 Prozent Steuern und Sozialbeiträge. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Belastung bei 49,4 Prozent – und ist damit die zweithöchste im OECD-Raum nach Belgien.

boerse.ARD.de: Was haben die verschiedenen Regierungen zur wirtschaftlichen Stärke des Landes beigetragen?

Bruckbauer: Gerade die Steuerreform 2016 hat sicherlich viel dazu beigetragen, dass das Wachstum 2017 so stark ausfällt. Auch einige Maßnahmen am Arbeitsmarkt haben geholfen sowie die Tatsache, dass die Budgetsanierung mehr oder weniger abgeschlossen ist. Allerdings ist der Großteil der Erholung natürlich auf die europaweite Erholung zurückzuführen.

boerse.ARD.de: Wird sich dieser starke Trend noch fortsetzen? Oder hat die österreichische Konjunktur ihren Höhepunkt bereits erreicht?

Bruckbauer: Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass Österreich auch nächstes Jahr über dem Potenzial wachsen wird. Allerdings dürfte die sehr hohe Dynamik von heuer nicht mehr ganz erreicht werden. Anzeichen eines tatsächlichen Abschwungs können wir aber nicht erkennen. 

boerse.ARD.de: Welche Rolle wird dabei die neue Regierung spielen?

Bruckbauer: Nimmt man die Wahlprogramme der aussichtsreichsten Kandidaten, dann kann man schon Auswirkungen auf die Wirtschaft erwarten. So möchten alle Parteien die Abgabenquote (vor allem auf Löhne) senken. Dies könnte positive Effekte auf die Wirtschaft haben. Allerdings ist noch nicht ganz klar, wie das finanziert werden soll, höhere Schulden haben die Parteien dabei ausgeschlossen. Vor allem die ÖVP und FPÖ betonen zudem eine stärkere Deregulierung in vielen Bereichen und andererseits auch Einschränkungen bei Sozialleistungen. Die SPÖ spricht sich für vermögensbezogene Steuern und auch eine breitere Abgabenbasis (Wertschöpfung) aus. Damit ist durchaus mit gewissen Verteilungseffekten zu rechnen, die im ersten Fall die Investitionstätigkeit stützen würde, im zweiten Fall eher Beschäftigung und Konsum.

boerse.ARD.de: Die deutsche Konjunktur präsentiert sich bei Weitem nicht so stark wie die österreichische. Was könnten die Deutschen von ihren Nachbarn lernen?

Bruckbauer: Die Stärke der österreichischen Wirtschaft bezüglich Wachstum 2017 ist sicherlich auch auf gewisse Nachholeffekte zurückzuführen und eben auch auf die Steuerreform. Nächstes Jahr sollte das Wachstum in Österreich und Deutschland wieder sehr ähnlich sein, allerdings laufen die Exporte von Maschinen und Anlagen in Österreich deutlich besser als in Deutschland. Hier ist vielleicht ein Bereich, bei dem Deutschland derzeit ein gewisses Manko hat. Dafür ist der Konsum dynamischer, auch dank der höheren Lohnabschlüsse. Hinsichtlich der Investitionen ist Österreich vielleicht derzeit ein wenig ein Vorbild für Deutschland, allerdings liegt der Standort Deutschland weiterhin im Ranking vor Österreich.

Das Gespräch führte Angela Göpfert.

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