Philipp Rösler

Cheflobbyist des chinesischen Konzerns HNA Speerspitze Rösler

Stand: 01.12.2017, 06:45 Uhr

Der chinesische HNA-Konzern nimmt Europa ins Visier - mit einem bekannten deutschen Politiker als Speerspitze. Das Konglomerat ist extrem undurchsichtig und weltweit umstritten.

In China selbst ist die HNA-Gruppe für ihre Fluggesellschaft Hainan Airlines bekannt. Außerdem betreibt die Gruppe landesweit rund 450 Hotels. Doch wer oder was sich tatsächlich hinter dem Konzern verbirgt ist unbekannt.

Ab heute wird der frühere FDP-Politiker und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die Leitung der Stiftung Hainan Cihang Charity Foundation übernehmen, dem größten Aktionär von HNA. Rösler hat zuletzt in der Geschäftsführung des World Economic Forums gearbeitet. Er ist bestens vernetzt und genießt einen guten Ruf. Somit gilt seine Berufung an die Spitze der Stiftung als eine vertrauensbildende Maßnahme. Denn HNA ist nach wie vor eine Blackbox, die kaum ein Außenstehender durchschaut.

Woher kommt das Geld?

Philipp Rösler

Philipp Rösler. | Bildquelle: Imago

Was im Hauptsitz des Konzerns auf der südchinesischen Urlaubsinsel Hainan wirklich vor sich gehe, wisse niemand, berichtete kürzlich das "Wall Street Journal" in einem bitterbösen Artikel. So sei völlig unklar woher Konzernchef Chen Feng die vielen Milliarden Dollar nehme, um sich weltweit in verschiedensten Firmen und Branchen einzukaufen. Interviewanfragen beantworte das Unternehmen nicht, Auftritte der Führungsriege seien selten.

Klaus Meyer, Professor an der China Europe International Business School in Shanghai, sagte der "Wirtschaftswoche", er sei beim Versuch die Besitzverhältnisse des Unternehmens zu analysieren nicht sehr weit gekommen. An der Spitze steht die Hainan Cihang Charity Foundation. Sie wurde erst im Juli gegründet, sitzt in New York und ist laut Blomberg mit 29,5 Prozent der größte Anteilseigner der HNA-Gruppe.

Unklare Besitzverhälntisse

Wer aber hinter Stiftung stehe und sie letztlich kontrolliere, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, so Klaus Meyer. Die Eigentümerstrukturen seien viel zu verschachtelt, um die wirklichen Machtverhältnisse verstehen zu können. Sicher ist offenbar nur, dass HNA politisch gut vernetzt ist. Behauptungen, das Unternehmen werde von Wang Qishan, einem der mächtigsten Männer Chinas und enger Vertrauter von Staats- und Parteichef Xi Jinping, gesteuert, hat das Unternehmen zurückgewiesen.

HNA-Zentrale

HNA. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Konzerngründer und Vorstandschef Chen Feng, der noch 14,98 Prozent der Anteile an HNA halten soll, gilt als einer der reichsten Chinesen. Und er hat riesige Ambitionen: So berichtet das Wall Street Journal über ein Werbevideo, in dem HNA ankündigt zu den zehn größten Unternehmen der Welt gehören zu wollen.

Was hat Rösler zum Wechsel bewogen?

Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Unternehmen seit 2015 mehr als 40 Milliarden Dollar für Zukäufe und Übernahmen im Ausland ausgegeben. Nach Angaben von Bloomberg hält HNA inzwischen Beteiligungen an Unternehmen im Gesamtwert von 180 Milliarden Dollar. Neben dem Anteil an der Deutschen Bank kauften die Chinesen die Hotelkette Hilton und die Investmentboutique SkyBridge Capital des kurzzeitigen Pressesprecher des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci. In der Schweiz hat HNA den Flugzeugcaterer Gate Group erworben. Hierzulande hat HNA im Frühjahr den Zuschlag für den Erwerb des Regionalflughafens Hahn im Hunsrück erhalten.

Dem Wall Street Journal zufolge hat HNA inzwischen Probleme sich zu refinanzieren. Die Zinsen für die Aufnahme neuer Kredite seien wegen der Zweifel über die Stabilität und die Eigentümerstruktur von HNA stark gestiegen. Was Rösler dazu bewogen hat, seinen Posten im Vorstand des angesehenen Weltwirtschaftsforums aufzugeben und zu den Chinesen zu wechseln, bleibt ungewiss. Der 44-Jährige hat sich dazu nicht klar geäußert. Nur soviel: Er will für HNA um Vertrauen werben. Dabei aber seinen Wohnsitz in der Schweiz - voraussichtlich in Zürich - behalten.

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