Menschen schwingen Fahnen in der Wahlnacht in Barcelona
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Vor dem Katalonien-Referendum Spaniens Börse fürchtet die Abspaltung

Stand: 21.09.2017, 13:54 Uhr

Die Auseinandersetzungen in Barcelona werden heftiger. Vor dem geplanten Referendum über den Austritt Kataloniens aus dem Staat Spanien scheint die Region in einen kritischen Zustand zu geraten. An der Börse bleiben die Investoren auf der Hut.

Während die übrigen wichtigen europäischen Leitindizes am Donnerstag nach den Signalen der US-Notenbank steigen, rutscht der spanische Auswahlindex IBEX 35 um knapp ein Prozent ab. Seit Monaten schon werden die Investoren von der Befürchtung gebremst, dass sich die Region Katalonien tatsächlich von Spanien loslösen könnte.

Verhärtete Fronten

Gegen den Widerstand der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy und gegen mehrere Verbote des Verfassungsgerichts will die katalanische Regionalregierung am 1. Oktober über die Unabhängigkeit der Region abstimmen lassen. Zuletzt zeichneten Massenproteste auf der einen Seite und Beschlagnahmungen von Wahlzetteln und Festnahmen auf der anderen Seite, wie verhärtet die Fronten sind.

Für Spanien käme eine Abspaltung einer Katastrophe gleich. Rund ein Fünftel des Bruttoinlands-Produkts Spaniens werden in Katalonien mit der Metropole Barcelona erwirtschaftet. Dort leben 7,5 der insgesamt 46,5 Millionen Spanier.

Sieben Katalanen im IBEX 35

Anhand der Zusammensetzung des IBEX 35 kann man sehen, welche Folgen die Abspaltung auf Unternehmensseite hätte. Sieben der 35 größten börsennotierten Konzerne haben ihren Sitz in der Region, zumeist in Barcelona selbst. Dazu gehören die Bankhäuser CaixaBank und Banco de Sabadell, der Versorger Gas Natural, der Chemiekonzern Cellnex oder auch der Baukonzern Abertis. Nach Marktkapitalisierung liegen die katalanischen IBEX-Werte zwischen drei und 25 Milliarden Euro und sind damit überwiegend im Mittelfeld des Index' angesiedelt.

Die Verflechtung aller katanalischen Konzerne in Spanien selbst, aber auch in der EU dürfte aber dafür sorgen, dass im Fall der Abspaltung größere Verwerfungen auf die Unternehmenslandschaft Spaniens aber auch Europas zukommen dürften. Bundeskanzlerin Merkel hat nicht von ungefähr zur Erhaltung der Stabilität in Spanien aufgerufen. Darunter versteht die Bundesregierung vor allem, dass eine Unabhängigkeit Kataloniens nicht eintritt.

Spaniens Wirtschaft läuft rund

Abseits des politischen Zwists geht es der spanischen Wirtschaft durchaus gut. Sie wächst nämlich so stark wie seit Jahren nicht mehr - 2016 um satte 3,2 Prozent. In diesem Jahr dürfte das Plus bei voraussichtlich 2,8 Prozent liegen und damit erneut deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Das BIP der Eurozone wird 2017 Schätzungen zufolge um 1,6 Prozent zulegen. Auch an der Börse kam dies in den vergangenen Monaten durchaus an. Auf Jahressicht liegt der IBEX 35 immer noch 18 Prozent im Plus.

AB