Ein Drache mit der Aufschrift

Schwellenländer Rally mit Risiken

Stand: 20.04.2018, 16:03 Uhr

Aktien aus den "Emerging Markets" waren im vergangenen Jahr bereits die Turbos im Depot vieler Anleger. Auch Anleihen von Staaten und Unternehmen aus Asien oder Lateinamerika rentieren höher. Die Party könnte weitergehen - allerdings steigt auch die Gefahr.

Keine Frage: In den vergangenen zwei Jahren haben sich Aktien und auch Anleihen aus China, Indien oder Brasilien zu einem wertvollen Depotbestandteil auch vieler privater Anleger gemausert. 2017 schaffte der MSCI Emerging Markets, der rund 850 Aktien aus 24 Schwellenländern enthält, einen Zuwachs von 37 Prozent. Bitter allerdings für Anleger im Euro-Raum: Der Index notiert in US-Dollar und der starke Euro gegenüber der US-Währung zehrte einiges an der Rendite im vergangenen Jahr in Euro auf. Viele Schwellenländer-Indizes gehörten zu den Top-Performern 2017. Knapp 40 Prozent legte etwa der Hongkonger Hang Seng-Index zu, gar um 70 Prozent kletterte der argentinische Auswahlindex Merval.

Höhere Renditen, weniger Pleiten

Auch Schwellenländer-Anleihen haben unter den Experten inzwischen einen deutlich verbesserten Ruf. Gerade bei Unternehmensanleihen locken derzeit Renditen von durchschnittlich rund fünf Prozent. Nach einer Untersuchung der Anleihe-Experten von NN Investment Partners ist die Ausfallquote bei den Firmenbonds von 5,1 auf unter 2,0 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen.

Die Volkswirte der Deutschen Bank sehen in einer aktuellen Studie den Trend in Sachen Emerging Markets auch im laufenden Jahr fast ungebrochen weiterlaufen. Das liegt vor allem am weiterhin robusten Wachstum in den Regionen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der asiatischen Schwellenländer wird beispielsweise 2018 auf rund sechs Prozent geschätzt. Für Brasilien rechnet die Deutsche Bank nach 1,1 Prozent im Jahr 2017 mit einem Zuwachs von 3,0 Prozent. Auch die russische Wirtschaft könnte mit 1,9 Prozent 2018 noch einmal 0,4 Prozentpunkte stärker zulegen als 2017.

Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt

Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt. | Bildquelle: Deutsche Bank, Grafik: boerse.ARD.de

Schwacher Dollar sorgt für Investitionen

Viele Schwellenländer profitieren dabei als "Zulieferer" der Industrieländer von den guten Wachstumskennziffern in Europa und Nordamerika. Sie profitieren aber auch von politischen und wirtschaftlichen Reformen in vielen der Länder. Nicht zuletzt spielt der vergleichsweise schwache Dollar bei noch immer niedrigen Zinsen den Unternehmen in den Ländern in die Karten. Viele Unternehmen in den Schwellenländern sind auf Finanzierungen aus dem Ausland angewiesen, im Jahr 2017 wurden fast zwei Drittel aller grenzübergreifenden Bankkredite in US-Dollar vergeben. in Schwellenländern wird im Vergleich zu Industrieländern mehr investiert als gespart. Und der aktuell schwächere Dollar hat den Effekt, dass sich bereits aufgenommene US-Dollar-Verbindlichkeiten in der Heimatwährung der Schwellenländer gerechnet verringern.

Der Strom an Liquidität in die Schwellenländer, ob über Kredite oder Investments in Aktien oder Anleihen, bleibt derzeit noch die wichtigste Stütze für ein Anhalten der "Schwellenländer-Party". Gleichzeitig ist er aber auch die größte Gefahr für den Boom und die Aktienkurse in Asien und Lateinamerika. Die Commerzbank etwa registriert derzeit ein Abebben der Liquiditätsflut. Dafür sorgte etwa das Zurückfahren der Anleihe-Kaufprogramme bei den wichtigsten Notenbanken, wie der Fed, der EZB und der Bank of England.

Zinswende als Risiko

Eine schnelle Zinswende in den USA birgt zudem Risiken, dass der Dollarkurs sich weiter gegenüber vielen Schwellenländer-Währungen erholt. Bei hohen Schuldenständen von Ländern wie China, Brasilien, aber auch der Türkei, wird es damit teurer die Verbindlichkeiten zu bedienen.

Auf der politischen Ebene gibt es ebenfalls mehrere Fallstricke für die Schwellenländer insgesamt, aber auch für einzelne Staaten. So hält die türkische Zentralbank auf politischen Druck die Zinsen auf einem zu niedrigen Niveau im Vergleich zur Inflation in dem Land. Investitionen werden dadurch für internationale Anleger unattraktiv.

Politische Barrieren

Dessen Finanzierung ist vor allem deshalb problematisch, weil die türkische Zentralbank aufgrund des hohen politischen Drucks die Zinsen auf einem, gemessen an der hohen Inflation, zu niedrigen Niveau hält. Das macht entsprechende Investitionen für internationale Anleger unattraktiv, weswegen die türkische Lira seit Jahresanfang wieder unter Druck steht. Sollten sich die Probleme – beispielsweise im Zuge des Syrienkonflikts – verschärfen, könnte hieraus schnell eine Krise entstehen. Auch Wahlen in der Türkei, in Brasilien und auch Mexiko bergen Unsicherheitspotenzial.

Und nicht zuletzt schwebt die Gefahr eines Handelskriegs, ausgelöst durch die US-Administration, über allen Schwellenländern. Weitere US-Sanktionen gegen Russland, Strafzölle gegen China oder auch ein ungünstiger Ausgang der NAFTA-Verhandlungen mit Kanada und Mexiko könnten hier das Wachstum deutlich bremsen.

Wer dennoch auf die Karte Schwellenländer setzen will, hat die Auswahl zwischen einer Reihe interessanter Einzelaktien, kann sich aber auch über aktiv gemanagte Aktien-, Anleihen- oder Mischfonds oder auch Indexfonds (ETFs) ein Stück vom Renditekuchen abschneiden (s. unseren Überblick: Investieren in Emerging Markets).

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Investieren in Emerging Markets Chartserie

<strong>Alibaba</strong><br/>Die Aktie des chinesischen Internet- und E-Commerce-Unternehmens kann als Basis-Investment in den chinesischen und asiatischen Markt betrachtet werden. Alibaba erreicht mehr als eine halbe Milliarde Kunden und wuchs auch in den vergangenen Quartalen ungehemmt und hoch profitabel.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre

Alibaba
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