Forum Romanum mit italienischer Flagge im Hintergrund
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Deutlicher Warnschuss S&P senkt Italien-Ausblick

Stand: 28.10.2018, 11:15 Uhr

Für Italien wird die Luft an den internatioanlen Finanzmärkten dünner. Zwar bestätigte die Ratingagentur Standard & Poor's das aktuelle BBB-Rating des Landes, senkte aber den Ausblick für die Bonitätsbewertung.

Aufgeschoben ist damit nicht aufgehoben. Die Absenkung des Ausblicks von "stabil" auf "negativ" bedeutet nämlich, dass dem Land bei der nächsten Überprüfung seiner Kreditwürdigkeit eine Abstufung der Bonitätsnote droht. Das aktuelle Rating BBB liegt noch zwei Stufen oberhalb der Grenze zum sogenannten Ramschstatus.

Regierungspläne belasten

Die Agentur, dessen Bewertung an den Finanzmärkten von großer Bedeutung ist, nahm bei der Begründung ihrer Entscheidung kein Blatt vor den Mund. Die Wirtschafts- und Haushaltspolitik der italienischen Regierung schwäche die Wachstumsperspektive des Landes, gefährde die italienischen Banken und führe zu einem Vertrauensverlust bei den Anlegern, teilte die Agentur am späten Freitagabend mit.

Knackpunkt ist der von der Populisten-Regierung aus Lega Nord und der Protestpartei "5 Sterne" eingebrachte Haushaltstentwurf, der eine deutliche Erhöhung der Verschuldung des Landes vorsieht und deshalb von der EU-Kommission abgelehnt wurde. Die Regierung will mit den neuen Schulden das Wirtschaftswachstum anschieben, das hinter dem anderer Länder zurückbleibt; aber auch üppige Wahlversprechen erfüllen, so etwa ein Grundeinkommen für alle oder die Senkung des Rentenalters.

Italien ist nach Griechenland das am höchsten verschuldetste Land in der Eurozone mit einer Rate von rund 130 Prozent, gemessen am BIP des Landes. Erlaubt ist nach den Brüsseler Regeln nur eine Quote von 60 Prozent - eine Zahl, die aber auch viele andere Länder nicht erreichen.

Vor einer Woche hatte schon die Agentur Moody's die Bewertung des Landes zurückgenommen, von Baa2 auf Baa3, der letzten Stufe vor der Ramschgrenze. Den Ausblick hatte Moody's aber bei stabil belassen, so dass keine unmittelbare Rückstufung droht. Begründet wurde der Schritt ebenfalls mit den Haushaltsplänen der Regierung. Die Agentur Fitch hatte schon im September den Ausblick gesenkt.

Auch die EU ist besorgt

Giovanni Tria

Giovanni Tria. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Ein ranghoher EU-Vertreter äußerte sich am Freitag besorgt über den Kurs der römischen Regierung. Italien könnte das nächste Land sein, das auf Hilfen aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) angewiesen ist, sagte er der Agentur "AFP" am Freitag. "Derzeit ist dies noch hypothetisch, aber das ist die Realität."

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 15.00 Uhr: schärfere Töne zwischen Italien und Brüssel

Die Regierung jedenfalls schien nicht bereit einzulenken, im Gegenteil. "Wir werden kein Komma am Haushaltsgesetz ändern", sagte Lega-Chef Matteo Salvini am Freitag. Überhaupt, der Ton zwischen Rom und Brüssel ist zuletzt deutlich rauer geworden. Sogar EZB-Chef Mario Draghi, selber Italiener, ist zuletzt ins Visier der populistischen Scharfmacher geraten.

Draghi hatte am Donnerstag unter anderem gesagt, wenn die Regierung in Rom die italienischen Banken schützen wolle, sollte sie ihren Ton gegenüber der EU mäßigen. Darauf griff Sterne-Chef und Vize-Premier Luigi Di Maio den italienischen EZB-Chef an. "Ich bin überrascht, dass ein Italiener die Atmosphäre auf diese Art und Weise weiter vergiftet."

Der parteolose Wirtschaftsminister Giovanni Tria hingegen ruderte am Samstagabend zurück. "Draghi hat (als Chef der Europäischen Zentralbank) die Wahrheit gesagt." Die Risikoaufschläge auf italienischen Staatsanleihen seien auf dem derzeit hohen Nivau "schädlich".

Alarm an den Finanzmärkten

Italien hat mit den jüngsten Entscheidungen der Agenturen zunächst etwas Zeit gewonnen, denn der Fall in den Ramschstatus ist dem Land vorerst erspart geblieben. Die Abstufung droht aber weiterhin sehr konkret und das könnte bekanntlich teuer werden. Denn die Investoren würden dann eine höhere Risikoprämie verlangen, was den ohnehin angespannten Finanzrahmen des Landes weiter einengt.

Die Märkte fürchten nach dem Griechenland-Schuldendrama 2012 natürlich eine Eurokrise 2.0. Eine Aussicht, die naturgemäß wenig begeistert. Schon jetzt liegen die Renditen der aktuellen zehnjährigen Staatsanleihen bei 3,4 Prozent und damit gut 300 Basispunkte über der vergleichbarer Bundesanleihen. Da klingeln die Alarmglocken, vor allem im Bankensektor.

Denn italienische Banken halten große Bestände an Staatsanleihen. Die Anleger jedenfalls haben sich schon in Scharen verabschiedet, wie vor allem der Blick auf die Kurse der Bankaktien zeigt. Aber auch der Gesamtmarkt ist angeschlagen, der Mailänder Leitindex MIB 30 ist schon seit dem Frühsommer in einem weltpolitisch ohnehin schwierigen Umfeld auf Tauchstation gegangen. Da käme eine neue Eurokrise wohl zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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Auch der Euro leidet übrigens kräftig mit. Nicht nur die hohen Dollarzinsen, gerade auch das italienische Haushaltsdrama macht der Gemeinschaftswährung zu schaffen. Immerhin, Pläne aus dem Euro auszuscheren, haben die Verantwortlichen in Rom (bisher) jedenfalls bestritten.

rm/afp