Russland-Landkarte mit hinterlegter Flagge
Audio

Bonitätsnote angehoben Russland ist wieder kreditwürdig

Stand: 26.02.2018, 11:14 Uhr

Es ist erst drei Jahre her, dass die Agenturen Russlands Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau gesenkt hatten. Das ist jetzt vorbei.

Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Russlands auf "BBB-" von "BB+" hochgestuft. Damit erhalten die Anleihen des Landes rund vier Wochen vor der dortigen Präsidentenwahl das Gütesiegel "Investment Grade" zurück. "Wir hatten erwartet, dass S&P die Heraufstufung erst später im Jahr vornehmen würde - nach den Wahlen und der Vorstellung des neuen Reformplans", schrieb Commerzbank-Analyst Tatha Ghose in einem Kommentar.

Karen Vartapetov, Analystin bei S&P, zählte zu den positiven Faktoren "den Anstieg der Wachstumsraten und eine Verringerung der Probleme im Bankensystem". Das Rating bleibt trotz "starker Bilanz, gesunder Außenfinanzierung und verbesserter Wirtschaftspolitik" auf der untersten Stufe der Anlagekategorie.

Die Agentur Fitch hatte zuletzt im September den Ausblick für Russland von stabil auf positiv angehoben, das Rating aber auf "BBB-" belassen.

Auch Moody's könnte folgen

Auch die dritte der großen US-Ratingagenturen Moody's könnte demnächst ihren Branchenkollegen folgen. Zwar hatte sie zuletzt die Einstufung von Russland mit "Ba1" bestätigt. Der Ausblick stieg aber zeitgleich auf "positiv", das Land kann sich also Hoffnung auf eine Verbesserung machen. Mit dem aktuellen Rating ist Russland bei Moody's nur noch eine Stufe vom "Investment Grade" entfernt.

Einer der Hauptgründe für den positiven Trend sei die gesunkene Anfälligkeit der russischen Wirtschaft gegenüber externen Schocks, die durch geopolitische Spannungen ausgelöst werden. Russland zeige, dass es die gröbsten Folgen der Sanktionen überstanden habe. Man präsentiere sich zunehmend stabil und sei auch gegen fallende Ölpreise weitestgehend gewappnet.

Schwaches Wachstum

Zu den Defiziten der russischen Wirtschaft gehören den Agenturen zufolge aber weiterhin strukturelle Schwächen wie die Abhängigkeit von Öl- und Gasausfuhren – sowie die ungelösten geopolitischen Spannungen mit der Ukraine. Auch das Wirtschaftswachstum sei im letzten Jahr enttäuschend ausgefallen, die Vergabe von Firmenkrediten stagniere weiterhin. Laut Vartapetov besteht zudem die Gefahr einer Verschärfung der Sanktionen, wenn der US-Kongress echte Schritte fordere.

Tatsächlich wuchs die russische Wirtschaft im vergangenen Jahr nur um 1,5 Prozent. Damit hat sie das Ziel der Regierung einen PIB-Zuwachs von 2,1 Prozent zu erreichen vefehlt, trotz eines stabilen Rubels und einer Verdreifachung der Ölpreise von 20 auf gut 60 Dollar das Fass.

Geschichtete 5000-Rubelscheine

Rubel. | Bildquelle: colourbox.de

Anleger greifen zu

Bei den Anlegern kommt die Heraufstufung trotz der anhaltenden Schwächen der russischen Wirtschaft gut an. Ermuntert von der verbesserten Bonitätsnote greifen Anleger bei russischen Wertpapieren zu. Der Leitindex der Moskauer Aktienbörse stieg am Montag um bis zu 1,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 2.376,96 Punkten.

Der in Dollar berechnete RTS markierte mit 1.339,41 Zählern den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Die Nachfrage nach russischen Anleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel erstmals seit fast fünf Jahren unter sieben Prozent. Auch die Währung des Landes war gefragt. Ein Dollar verlor bis zu 1,2 Prozent auf 55,85 Rubel.

lg