Holzkiste mit aufgedruckter China-Flagge wird verladen

Insolvenzstudie Droht China eine weitere Pleitewelle?

Stand: 23.01.2019, 16:09 Uhr

Schon im vergangenen Jahr hatte China mit einem großen Anstieg der Insolvenzen zu kämpfen. Besserung ist 2019 nicht in Sicht. Und auch andere Länder kämpfen mit der Pleitewelle.

Die Exportrisiken sind 2019 deutlich auf dem Vormarsch. In zwei von drei Ländern steigen weltweit die Insolvenzen, wie eine aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes prophezeit. Weltweit erwarte man einen Anstieg der Insolvenzen von rund sechs Prozent.

Besonders betroffen ist der aktuellen Insolvenzstudie zufolge vor allem China. Dort prognostizieren die Experten für 2019 eine weitere Pleitewelle und einen Anstieg der Insolvenzen um 20 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der Pleiten in China um 60 Prozent.

Viele junge Firmen gehen pleite

Stempel mit Aufschrift

Insolvenz. | Bildquelle: colourbox.de

„Weltweit steigen die Insolvenzen 2019 bereits zum dritten Mal in Folge“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. Das liege vor allem daran, dass Wachstum und Nachfrage in zahlreichen Ländern und bei zahlreichen Unternehmen nicht mehr ausreichen, um Produktions,- Finanzierungskosten oder Investitionen zu decken.

Ein weiterer Grund sei insbesondere in China die wesentlich größere Bereitschaft, Insolvenzverfahren anzuwenden. Zusätzlich gebe es viele Insolvenzen in den Ländern, in denen die Neugründungen in den letzten Jahren stark angestiegen sind. "Viele dieser jungen Firmen schaffen es nicht", sagt Subran.

Deutschland unter den "Klassenbesten"

In Deutschland hingegen stagnieren die Pleitezahlen. Gleiches gilt für die USA und die Niederlande. „Deutschland und die Niederlande stehen in Europa zwar gut da, aber auch hier zeigt sich die Trendwende langsam“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Denn die durchschnittlichen Schäden durch Insolvenzen haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt.

Zudem seien deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken Exportzahlen, zunehmend von weltweiten Pleiten betroffen. "Bei erneuten Spannungen und Handelskonflikten gehören sie ebenfalls zu den größten Verlierern, insbesondere in der Automobilindustrie“, so van het Hof.

Brexit-Drama setzt Unternehmen unter Druck

Ein großer Teil der deutschen Ausfuhren gehe zwar in andere europäische Länder – doch auch bei den vermeintlich "sicheren" Nachbarn steigen Kreditrisiken an, allen voran in Großbritannien.

Brexit-Schriftzug

Brexit. | Bildquelle: colourbox.de

In Großbritannien beeinflusst vor allem das Brexit-Drama die Unternehmen. Schon 2018 seien die Pleiten mit zwölf Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen. 2019 kämen weitere neun Prozent hinzu. Ein Brexit ohne Austrittsabkommen könnte verheerende Folgen für die Unternehmen haben. "In diesem Fall wäre der Anstieg der Pleiten mit plus 20 Prozent noch größer. Das führt durch Dominoeffekte zunehmend auch in den Lieferketten zu Problemen", sagt van het Hof.