Dominoeffekt Türkei und Schwellenländer

Gigantische Kapitalabflüsse Schwellenländer in der Schuldenfalle

Stand: 09.04.2020, 14:17 Uhr

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stehen die Schwellenländer an den Finanzmärkten unter besonders hohem Druck. Experten zufolge kann eine Schuldenkrise in manchen Ländern wohl nicht mehr abgewendet werden.

"In den letzten Wochen sind Investoren in Scharen aus Staats- und Unternehmensanleihen der Schwellenländer geflüchtet", fasst Fondsmanagerin Claudia Calich vom Vermögensverwalter M&G Investments zusammen. Seit Ende Januar haben ausländische Anleger umgerechnet knapp 85 Milliarden Euro abgezogen. Währungen wie der brasilianische Real, der chilenische Peso oder der südafrikanische Rand rauschten auf Mehr-Jahres-Tiefs.

Herausforderung auch für IWF

Um die Pandemie-Krise zu überstehen, benötigen Entwicklungsländer nach Schätzungen der Vereinten Nationen allein in diesem Jahr Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 2,5 Billionen Dollar. Davon seien eine Billion als Soforthilfen und eine weitere Billion in Form von Schuldenerlassen notwendig. Der Rest werde für die durch den Virus belasteten Gesundheitssysteme gebraucht.

Rund 90 Länder haben sich mit Hilfsgesuchen bereits an den IWF gewandt. "Sollte sich die Krise weiter hinziehen, dürften weitere folgen und den IWF an seine finanziellen Grenzen bringen", warnen die Devisenexperten der Commerzbank.

Ohne eine spürbare Verbesserung der Investitions- und Handelsströme bleiben die Aussichten für die angeschlagenen Schwellenländer-Währungen insgesamt schlecht, sagt Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Beispiel Argentinien: Kurz vor dem Abgrund

Argentinien steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Seit Monaten laufen schwierige Verhandlungen für die geplante Umstrukturierung seiner Auslandsschulden in Höhe von fast 70 Milliarden Dollar. Die Corona-Krise verdüstert die trüben Konjunkturaussichten vollends. Die Regierung hat deswegen in 2020 fällige Zins- und Tilgungszahlungen auf Schulden in Höhe bis zu zehn Milliarden Dollar aufs Jahresende verschoben.

rtr