Wiener Börse

ATX langfristig besser als der Kurs-Dax Österreich glänzt auf dem Parkett

Stand: 27.05.2019, 16:18 Uhr

Am Montag hat das österreichische Parlament Kanzler Sebastian Kurz das Misstrauen ausgesprochen und ihn gestürzt. Gegenüber österreichischen Aktien brauchen Anleger aber nicht misstrauisch zu sein. Der ATX hat langfristig besser abgeschnitten als der Dax.

Zuletzt hatte die Wiener Börse einen kleinen Durchhänger. Nach der "Ibiza-Affäre", die die Koalition aus ÖVP und FPÖ zu Fall brachte, sackte der Leitindex ATX (Austrian Traded Index) binnen einer Woche um knapp drei Prozent ab.

Doch auf Mehrjahressicht hat sich die österreichische Börse prächtig entwickelt. Seit Ende Mai 2016 hat der ATX über 30 Prozent an Wert gewonnen.

Österreich schlägt Deutschland

Noch beeindruckender ist die langfristige Bilanz. In den letzten 20 Jahren hat der österreichische Leitindex über 160 Prozent zugelegt - und schlug damit den großen Bruder aus dem Nachbarland. Der Dax-Kursindex stieg im selben Zeitraum um nur rund 80 Prozent. Der Vergleich mit dem Dax-Performanceindex verbietet sich, da bei diesem im Gegensatz zum ATX auch die Dividendenzahlungen mit einfließen.

Für die Outperformance des ATX gibt es mehrere gute Gründe. Österreich profitiert vom Osteuropa-Bonus. Die Unternehmen der Alpenrepublik sind stark auf Zentral- und Osteuropa ausgerichtet. Dort ist das Wachstum größer als im Euro-Raum. In diesem Jahr dürfte das BIP in Osteuropa um 3,3 Prozent zulegen, prophezeit die Erste Group. Das wären zwei Prozentpunkte mehr als im Euroraum. Das robuste Wachstum in der Region treibt Umsatz und Gewinn der Austro-Konzerne an.

Osteuropa beflügelt Österreichs Unternehmen

Besonders der Boom der osteuropäischen Länder in den 1990er und frühen 2000er Jahren gab den österreichischen Firmen Auftrieb. Die Finanzkrise traf dann aber mehrere osteuropäische Länder um so härter und führte dazu, dass die kleine Alpenrepublik unter einem "Ost-Malus" litt. Dieser ist nun wieder dabei, sich in einen Bonus zu verwandeln.

Dax-Kursindex vs. ATX

Dax-Kursindex vs. ATX. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Der Wiener Leitindex profitiert nicht nur von der Osteuropa-Ausrichtung, sondern auch von der Finanzlastigkeit. Finanz- und vor allem Immobilienwerte schlugen sich in den letzten Jahren gut. Fast die Hälfte der Gesamtkapitalisierung des ATX machen Banken-, Versicherer- und Immobilientitel wie die Erste Group, S Immo, CA Immo oder die Uniqa Versicherung aus.

Schwarz-blaue Koalition bringt Reformen voran

Sebastian Kurz

Sebastian Kurz. | Bildquelle: picture alliance / Xinhua

In den letzten eineinhalb Jahren trieb die schwarz-blaue Koalition aus Konservativen und Rechtspopulisten die Wiener Börse weiter an - dank der mutigen Reformpolitik. Trotz aller Kritik beendete das Bündnis von ÖVP und FPÖ unter Führung von Kanzler Kurz den jahrelangen Reformstau der Großen Koalition, stoppte die anhaltende Verschuldungspolitik, flexibilisierte die Arbeitszeit und setzte eine Neuordnung der Sozialversicherungen durch. Im vergangenen Jahr erzielte Österreich erstmals seit 1974 einen Budget-Überschuss.

Das Ende der Koalition könnte die jüngsten politischen Vorhaben wie die große Steuerreform, die zu Entlastungen von acht Milliarden Euro führen soll, nun bremsen. Vor allem dann, wenn es bei den im September geplanten Neuwahlen zu einer ÖVP-Minderheitsregierung oder einer Neuauflage der schwarz-roten Koalition käme.

Günstige Bewertung

Anlagestrategen sehen für den ATX weiter Potenzial nach oben. Analysten wie Fritz Mostböck von der Erste Group verweisen auf die günstige Bewertung von österreichischen Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt aktuell bei elf.

Rückenwind kommt von der Konjunktur. In diesem Jahr dürfte das BIP der kleinen Alpenrepublik um 1,7 Prozent zulegen. Zum Vergleich: Für Deutschland sagt die Bundesregierung lediglich ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus. Tu felix Austria!

nb

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Österreichische Börsen-Zuckerl Die ATX-Stars

<strong>S Immo</strong><br/>Zum österreichischen Himmelstürmer  hat sich die S Immo gemausert. Die Aktien der Immobilienfirma sprangen in den letzten fünf Jahren um fast 250 Prozent in die Höhe. Die Titel profitierten zuletzt von Fusionsfantasien. Seit längerer Zeit kursieren Spekulationen über ein mögliches Zusammengehen von Immofinanz und S Immo. Die Wiener Immobiliengesellschaft hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn eingefahren. Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft (<a href="" externalId="lexikon_489426">FFO</a> I) stieg auf rund 61 Millionen Euro nach 42,7 Millionen Euro. Der Jahresgewinn erhöhte sich auf rund 204 Millionen Euro.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre

S Immo
Zum österreichischen Himmelstürmer  hat sich die S Immo gemausert. Die Aktien der Immobilienfirma sprangen in den letzten fünf Jahren um fast 250 Prozent in die Höhe. Die Titel profitierten zuletzt von Fusionsfantasien. Seit längerer Zeit kursieren Spekulationen über ein mögliches Zusammengehen von Immofinanz und S Immo. Die Wiener Immobiliengesellschaft hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn eingefahren. Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft (FFO I) stieg auf rund 61 Millionen Euro nach 42,7 Millionen Euro. Der Jahresgewinn erhöhte sich auf rund 204 Millionen Euro.