Der japanische Premier Suga Yoshihide

Machtwechsel in Tokio Neuer Rückenwind für Japan-Aktien?

von Notker Blechner

Stand: 16.09.2020, 16:13 Uhr

Am Mittwoch hat das Parlament den Technokraten Yoshihide Suga zum neuen japanischen Premierminister gewählt. Er dürfte die "Abenomics" fortsetzen. Experten sehen gute Perspektiven für japanische Aktien - auch wegen des "Warren-Buffett-Effets".

Vor wenigen Tagen hat der Börsen-Altmeister Japan den Ritterschlag verliehen. Er investierte über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway 6,2 Milliarden Dollar in die Titel von fünf großen Geldhäusern des Landes: Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. "Ich freue mich sehr, dass Berkshire ein Teil von Japans Zukunft", verkündete das "Orakel von Omaha". Buffett könnte nach eigenen Aussagen die Anteile an den japanischen Konzernen bald noch weiter aufstocken.

Buffett dürfte andere Anleger inspirieren

Der Milliarden-Deal von Buffett könnte zu einem neuen Run auf Japan-Aktien führen. John Vail, Analyst beim japanischen Vermögensverwalter Nikko AM, spricht von einem "Wendepunkt für japanische Aktien". Buffetts Investment dürfte andere Anleger inspirieren auf der Suche nach unentdeckten Value-Titeln, glaubt er. Es gibt weltweit eine Vielzahl von Buffett-Fans, die seine Anlagestrategie kopieren.

Daran dürfte auch der Machtwechsel nichts ändern. Vor wenigen Tagen hatte sich der beliebte Ministerpräsident Shinzo Abe überraschend aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen. Sein Nachfolger ist sein früherer Chefkabinetts-Sekretär - eine Art Regierungssprecher -, Yoshihide Suga. Der 71-jährige LDP-Politiker hielt stets Abe den Rücken frei. Insofern gibt es kaum einen Zweifel daran, dass er den Kurs Abes fortsetzen wird, insbesondere die "Abenomics", die Mischung aus lockerer Geldpolitik und schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen.

Suga macht Konjunkturankurbelung zur Priorität

Der japanische Premier Suga Yoshihide

Suga Yoshihide. | Bildquelle: picture allianceYusuke Morishita/Jiji Press/dpa

Zwar ist Suga ziemlich unerfahren auf der internationalen Bühne und gilt als farblos. Aber er weiß, wie die schwerfällige Bürokratie zu steuern ist. Der Sohn eines Erdbeerbauers, der vom Tellerwäscher zum Politiker aufstieg, ist ehrgeizig und extrem diszipliniert. Er beginnt und beendet den Tag mit 100 Rumpfbeugen. Die Japaner nennen ihn ironisch "Onkel Reiwa", weil er die Amtszeit des neuen Kaisers Naruhito unter die Devise "Reiwa" (schöne Harmonie) stellte.

Harmonisch soll auch seine Politik werden. Suga hat die Ankurbelung der durch Corona erschütterten Wirtschaft zur Priorität gemacht. In diesem Jahr dürfte das BIP in Japan um sechs Prozent schrumpfen. Damit kommt die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt glimpflicher davon als viele anderen Länder. Dass Suga eine Anhebung der unpopulären Mehrwertsteuer erwägt, kommt allerdings nicht so gut an.

Nikkei hat Corona-Delle überwunden

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Der Nikkei-Index hat sich in diesem Jahr besser gehalten als viele anderen Börsen. Er hat inzwischen wieder das Niveau von vor der Corona-Krise erreicht. Die "Abenomics" hatten zuvor eine jahrelange Rally am japanischen Aktienmarkt entfacht.

Firmengewinne rasant gewachsen

Mehrere Anlagestrategen halten japanische Aktien weiterhin für attraktiv. Sean Darby von Jefferies glaubt, dass die Börsenparty weitergeht. Sophia Li, Portfoliomanagerin bei First State Stewart Asia verweist darauf, dass seit den späten 1990er Jahren ist das japanische Bruttoinlandsprodukt nur um vier Prozent gewachsen, die Unternehmensgewinne im gleichen Zeitraum jedoch um 180 Prozent. Auch das Problem der alternden Bevölkerung sei schon längst erkannt und entschärft worden. So konzentrieren sich japanische Unternehmen zunehmend auf Exporte in Asien.

Skeptischer sind die Experten von Pimco. Sie warnen vor einem höheren Risiko an politischer Instabilität und steigender Volatilität an den Finanzmärkten. Es sei gar mit Unruhe am japanischen Anleihemarkt zu rechnen.

Wehe, wenn der Yen steigt!

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die japanischen Aktien sind momentan relativ günstig bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt nur bei 1,1. Im Dow beträgt das KBV 2,9. Allerdings könnte die jüngste Yen-Aufwertung den Börsen-Aufschwung wieder rasch bremsen.