Jair Bolsonaro

Bovespa auf Rekordhoch Brasiliens "Tropen-Trump" feuert die Börse an

Stand: 03.01.2019, 09:31 Uhr

Während Umweltschützer und Menschenrechtler den neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro heftig kritisieren, sehen ihn Anleger als Hoffnungsträger. Die Finanzmärkte reagierten mit einem Kursfeuerwerk auf den Amtsantritt des Rechtspopulisten.

An der Börse in Sao Paolo herrschte am Mittwoch Samba-Stimmung. Der brasilianische Leitindex, der Bovespa, kletterte um 3,6 Prozent auf ein neues Rekordhoch. Erstmals in seiner Geschichte schloss das Börsenbarometer über der Marke von 90.000 Punkten.

Waffen-Aktie schießt nach oben

Vor allem die Aktien des größten brasilianischen Versorgers Centrais Eletricas Brasileiras legten um 14,5 Prozent zu, nachdem Energieminister Bento Albuquerque die Teilprivatisierung des Konzerns angekündigt hatte. Den größten Sprung machten die Aktien des Waffenherstellers Forjas Taurus. Die Papiere legten fast 50 Prozent zu. Denn Präsident Bolsonaro will das Recht auf das Tragen von Waffen liberalisieren.

Auch der brasilianische Real legte zum Amtsantritt des neuen Staatschefs kräftig zu. Er wertete gegenüber dem US-Dollar um über zwei Prozent auf. In den letzten zwölf Monaten hat der Real gut 16 Prozent zum Dollar verloren.

Wirtschaftsminister plant Privatisierungen und Steuersenkungen

Anleger hoffen auf eine liberale Wirtschaftspolitik des Ex-Militärs, die Brasiliens Konjunktur wieder in Schwung bringen soll. Der neue Wirtschaftsminister Paulo Guedes - ein früherer Investmentbanker - kündigte in seiner Antrittsrede an, die Steuern zu senken und das teure Sozialsystem zu reformieren. Zudem stellte Guedes ein umfangreiches Privatisierungsprogramm in Aussicht. Privatisierungen und eine Vereinfachung des Steuersystems seien die Säulen seines Programms, sagte der Wirtschaftsminister.

Der Internationale Währungsfonds rechnet im laufenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent in Brasilien. Ob es Bolsonaro wirklich gelingt, die zuletzt schleppende Wirtschaft anzukurbeln, hänge allerdings davon ab, ob er im Kongress tatsächlich Mehrheiten für tiefgreifende Reformen wie beispielsweise im Rentensystem organisieren kann, meinten die Analysten der Ratingagentur Fitch in einem Kommentar.

Demokratie in Gefahr?

Brasilien ist nach der Wahl von Bolsonaro gespaltener denn je. Teile der Bevölkerung sehen die frauenfeindlichen, rassistischen und homophoben Äußerungen des Präsidenten mit Empörung. Mit Bolsonaro stehe die Demokratie auf dem Spiel, mahnten Prominente wie etwa der frühere Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot. Wirtschaftsvertreter sehen dagegen den "Trump der Tropen" positiv und versprechen sich von ihm tiefgreifende Reformen. Einige Menschen im Land hoffen auch, dass Bolsonaro die Korruption im Land nun effektiv bekämpft.

Ausländische Wirtschaftsmanager in Brasilien sehen Bolsonaros autoritäre Auftritte gelassen und befürchten keine "Autokratie". Bolsonaro stehe einem Kongress, der Justiz und den Medien gegenüber, die ihn unter Kontrolle halten werden, hoffen sie. "Die Institutionen der brasilianischen Demokratie haben sich als stabil erwiesen", sagte Edson Franco, Brasilien-Chef des Versicherers Zurich, dem "Handelsblatt".

nb