Theresa May
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Skeptische Experten May darf bleiben, genau wie das Brexit-Chaos

von Volker Hirth

Stand: 13.12.2018, 16:40 Uhr

Theresa May hat zwar das Misstrauenvotum innerhalb ihrer eigenen konservativen Partei überstanden. Trotzdem hat sich nicht viel geändert, der Brexit mit seinen unkalkulierbaren Folgen hängt weiter bedrohlich über der Wirtschaft und den Märkten. Experten äußern sich skeptisch.

Lediglich am Devisenmarkt legte das britische Pfund nach Mays Etappensieg gegenüber dem Dollar zunächst rund ein halbes Prozent zu, ist aber mittlerweile wieder zurückgefallen. Die Unsicherheit bleibt jedenfalls.

"So wie es in den letzten Wochen gegangen ist, kann es nicht weiter gehen. Die Zeit läuft aus und am Ende muss jetzt eine Entscheidung der britischen Politik stehen, was man will. Jetzt muss etwas passieren", meint etwa Burkhard Balz, neu im Vorstand der Bundesbank.

Kaum Hoffnung für den Brexit-Vertrag von Theresa May

"Das Parlament wird an einer Abstimmung über den von Theresa May mit der EU ausgehandelten Vertrag nicht umhin kommen. Diese Abstimmung wird es wohl bis spätestens Ende Januar geben. Allzu große Hoffnungen, dass die Abgeordneten Theresa May und ihrem Vertrag mit der EU folgen, gibt es am Börsenparkett nicht". Daher steht die Befürchtung im Raum, der Brexit könnte schmutzig, hart, ungeordnet verlaufen. Ein schlimmes Szenario findet Hendrik Leber von Arcatis.

Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise ist skeptisch. "Wenn Großbritannien hart aus dem Europaverbund aussteigt, dann tut das ökonomisch überall weh", so der Experte.

Prof. Dr. Michael Heise ist Chefvolkswirt der Allianz Gruppe

Michael Heise ist Chefvolkswirt der Allianz Gruppe. | Bildquelle: Allianz

Eine Lösung wäre ja ein neues Referendum. Politische Beobachter schließen für solch einen Fall eine klare Mehrheit der Briten, die für eine Verbleib in der EU sind, nicht aus. Diese erneute Volksbefragung hat Brexit-Minister Stephen Barclay heute Morgen kategorisch ausgeschlossen. Schade, sagt Michael Heise. Denn eine Minderheit von Anti-Europäern hätte damals mit falschen Versprechungen eine Mehrheit verführt.

Die wollen die EU zerstören

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Bundeskanzlerin Angela Merkel

Martin Schulz, Angela Merkel. | Bildquelle: Imago, Montage: boerse.ARD.de

Der langjährige Europapolitiker und ehemalige Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, hat ebenfalls keine Illusionen was die Brexit-Hardliner in Großbritannien betrifft: "Also diesen Leuten können sie morgen früh ein goldenes Kalb schenken, die werden dagegen stimmen, das ist sicher, denn deren Ziel sind nicht etwa Kompromisse mit der EU, die wollen die EU zerstören, die wollen raus. Diesen Leuten jetzt nochmal weitere Konzessionen zu machen, nutzt überhaupt nichts."

Man hat sich geeinigt und hat gleichzeitig verhärtete Fronten. Das hat der britische Journalist Graham Lucas heute im ARD- Morgenmagazin in folgendes Bild gepackt: "Die allgemeine Situation kann man am besten als Pattsituation beschreiben. Sie führt das Land in ein Labyrinth, und niemand findet den Ausgang."

Theresa May hat ihren politischen Rückzug bereits angekündigt, wird ihn aber wohl erst vollziehen, wenn sie den Ausgang aus dem Labyrinth gefunden hat.