Anleger an der Börse in Nanjing, China

Märkte im Würgegriff des Coronavirus Wer hat Angst vor SARS 2.0?

Stand: 21.01.2020, 13:50 Uhr

Wachsende Sorgen über eine Ausbreitung des neuen Coronoavirus treiben Anleger an den asiatischen Börsen in die Flucht. Erinnerungen an das SARS-Virus werden wach.

Das SARS-assoziierte Coronavirus hatte 2002/2003 von China ausgehend eine weltweite Pandemie mit 8.000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben. Die Weltbank und die Weltgesundheitsorganisation WHO bezifferten den damals entstandenen Schaden für die Weltwirtschaft auf insgesamt 30 Milliarden US-Dollar.

Auch der neue Erreger gehört zum Stamm der Coronaviren, er teilt sich mit dem SARS-Erreger rund 80 Prozent des Erbguts. Bislang haben die Behörden rund 220 Krankheitsfälle ausgehend von der Stadt Wuhan bestätigt, bislang sind sechs Menschen an der neuartigen Lungenkrankheit gestorben. Besonders besorgniserregend: Für zwei Fälle wurde nun eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen.

Vor diesem Hintergrund erklärte Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, im Interview mit tagesschau24: "Eine Pandemie ist möglich."

Ökonomischer Risikofaktor

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.386,74
Differenz relativ
-0,39%

Mit Blick auf die wachsenden Unsicherheiten und in Erinnerung an die wirtschaftlichen Schäden durch das SARS-Virus ergriffen Anleger in Asien die Flucht. An der Shanghaier Börse rauschte der Leitindex SSE Composite um 1,4 Prozent in die Tiefe. Der Hang Seng Index brach sogar um 2,8 Prozent ein. Im benachbarten Japan fiel der 225 Werte umfassende Nikkei an der Tokioter Börse um 0,9 Prozent.

Der Ausbruch des Erregers entwickelt sich zu einem großen potenziellen ökonomischen Risikofaktor für die asiatisch-pazifische Region, betonte Rajiv Biswas von IHS Markit.

Tourismus-Aktien leiden

"Es ist klar, dass die Märkte das Risiko einer Epidemie verfolgen, und falls die Dinge kritisch werden, könnte es massive Einbußen für die Luftfahrtindustrie und für den lokalen Tourismus bedeuten", sagte Stephen Innes, Asien-Pazifik-Marktstratege bei AxiCorp.

Kein Wunder, dass an den asiatischen Märkten vor allem Aktien von Fluglinien und Hotelbetreibern massiv unter Druck geraten.

Sicherheitsbeamter mit Schutzmaske kontrolliert einen Passagier

Kontrolle am Flughafen von Wuhan, China. | Bildquelle: picture alliance/Dake Kang/AP/dpa

Wiederholt sich die Geschichte?

Auch in Europa leiden die Aktienkurse. Der Dax fiel in den ersten Handelsminuten um bis zu 0,8 Prozent auf 13.443 Punkte. An der Börse "geht die Angst um, dass es zu einer Wiederholung der SARS-Epidemie kommen könnte", betont Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei CMC Markets.

"Chinesische Behörden beruhigten zumindest dahingehend, dass man nur zwei Wochen benötigte, um das neue Virus zu identifizieren und dass moderne Technologien helfen würden, die Situation unter Kontrolle zu halten", so Stanzl.

Deutsche Außenhändler sehen bislang keine Gefahr

Derweil sehen die deutschen Außenhändler derzeit keine Gefahr für ihre Geschäfte durch den sich ausbreitenden Coronavirus in China. "Vergangene Pandemien zeigen zwar, dass sie sich durchaus auf den Welthandel vorübergehend auswirken können", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) am Dienstag.

"Das größere Risiko sind derzeit jedoch die angeschlagene Weltkonjunktur und die schwelenden Handelskonflikte."

Neujahr als Seuchen-Turbo?

Was Ökonomen wie Mediziner allerdings gleichermaßen beunruhigt: Am kommenden Samstag feiern die Chinesen ihr Neujahrsfest. Das ist zugleich der Startschuss für eine gigantische Reisewelle. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Dadurch könnte sich der Erreger sprunghaft ausbreiten.

ag