Skyline von Tokio bei Sonnenaufgang

Japan als Anlageregion Land der aufgehenden Börsenhoffnungen

Stand: 18.05.2018, 16:19 Uhr

Lange Zeit machten Anleger einen Bogen um japanische Aktien. Stagnierende Wirtschaft, überalterte Gesellschaft und endlose Zinsdürre schienen auch die Börsen einzufrieren. Doch das hat sich zuletzt gründlich geändert.

Im Vergleich zum europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 hat sich der japanische Nikkei-Index in den vergangenen zwölf Monaten erstaunlich gut geschlagen. (s. unseren Vergleichschart). Auch den Dax hat Japans wichtigstes Börsenbarometer in diesem Zeitraum hinter sich gelassen - und das, obwohl der Nikkei anders als den deutsche Leitindex ein Kursindex ist, in den ausgezahlte Dividenden nicht einfließen (s. unseren Hintergrund: Nikkei, ein Index mit Geschichte).

Nikkei 225 vs. Euro Stoxx 50

Nikkei 225 vs. Euro Stoxx 50. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Kleine Konjunkturdelle

Gründe für die relative Kurshausse, die laut Experten weiter andauern könnte, gibt es viele. Die japanische Wirtschaft hat neun Quartale in Folge ein unerwartetes Wachstum geschafft. Das erste Quartal 2018 wurde allerdings wieder einmal mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozent beendet. Experten der NordLB sehen vor allem einen leicht abgeschwächten Privaten Konsum als Ursache dafür. Den Ausflug in die Stagnation sehen die Volkswirte aber als "nur temporär" an.

Auf der Gewinnseite der Unternehmen scheint aber weiterhin alles im Lot. Der Vermögensverwalter Nikko Asset Management verwies aus Anlass der BIP-Zahlen darauf, dass japanische Firmen ihre Gewinne im ersten Quartal 22 um durchschnittlich rund 22 Prozent gesteigert haben. Für das laufende Gesamtjahr gehen die Analysten unverändert von einem Gewinnplus von acht Prozent aus.

Viel Cash, niedrige Bewertungen

Japanische Aktien haben in den vergangenen Jahren einerseits von einem günstigen, weil schwachen Yen gegenüber Dollar und Euro profitiert. Zum anderen haben die Konzerne über hohe Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe viele Investoren gewonnen. Anders als in früheren Jahrzehnten sind aber überwiegend einheimische Anleger in Japan investiert, dazu gehören institutionelle Player wie Versicherungen oder Pensionsfonds.

Einbau von Wasserstofftanks bei Toyota

Einbau von Wasserstofftanks bei Toyota. | Bildquelle: AP

Trotz der guten Kursperformance der vergangenen Monate gelten die Aktien aus der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt noch als vergleichsweise günstig bewertet. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank etwa taxiert die Werte im marktbreiten Topix-Index derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,7. Europäische Aktien sind mit 14,3 Prozent ein wenig "teurer", während US-Titel aus dem S&P 500 mit einem KGV von 16,4 sogar schon ein wenig aus dem Ruder gelaufen sind. Stephan verweist außerdem in einer aktuellen Studie auf die hohe Eigenkapitalrendite - die mit neun Prozent zu hoch liegt wie seit 2008 nicht mehr - und hohe Cash-Bestände der Unternehmen, die für Investitionen oder Ausschüttungen genutzt werden können.

Notenbank und Dollarkurs als Risiken

Risiken bei der Aktienanlage in Fernost gibt es freilich auch: Die japanische Notenbank hält zwar an ihrer Niedrigzinspolitik weiterhin fest. Die Milliardenrückkaufprogramme in japanischen Staatsanleihen und auch Indexfonds (ETFs) stehen aber über kurz oder lang vor ihrem Auslaufen oder zumindest ihrem deutlichen Zurückfahren.

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
112,34
Differenz relativ
-0,02%

Und der tendenziell schwache Yen vor allem gegenüber dem US-Dollar ist am Devisenmarkt auch nicht in Stein gemeißelt. Seit dem Frühjahr allerdings hat der Dollar gegenüber der japanischen Währung weiter aufgewertet, derzeit notiert der Dollar bei 110 Yen, gut fünf Prozent mehr als noch im März - gut weiterhin für die exportstarken japanischen Konzerne.

AB