Schmelzende Euromünze

Denkfabrik cep Studie: Italiener und Franzosen sind die Verlierer des Euro

Stand: 25.02.2019, 15:25 Uhr

Italiener und Franzosen haben durch den Euro erheblich an Wohlstand verloren - so zumindest eine Studie des Freiburger Centrums für europäische Politik (cep). Zu den Profiteuren gehörten dagegen die Deutschen.

Die Studien-Autoren haben aufgrund einer bestimmten Methodik geprüft, wie hoch das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt einzelner Länder gewesen wäre, wenn diese nicht den Euro eingeführt hätten. Untersucht wurden allerdings nur acht von 19 Euro-Staaten.

Das Ergebnis ist eindeutig: Vor allem in Italien und Frankreich soll der Euro seit seiner Einführung als Buchgeld im Jahr 1999 zu Wohlstandseinbußen in Milliardenhöhe geführt haben. Deutschland habe hingegen vom Euro profitiert.

Fast 74.000 Euro weniger in Italien

Italienische Euromünze vor angeschrammter italienischer Flagge

Italienischer Euro. | Bildquelle: picture alliance/chromorange

Die Autoren der Studie haben ausgerechnet, dass der Euro pro Einwohner in Italien zwischen 1999 und 2017 zu einer Wohlstandseinbuße von 73.605 Euro geführt habe. Franzosen hätten im selben Zeitraum 55.996 Euro verloren. Für die zurückliegenden zwei Jahrzehnte kommt das cep für Italien insgesamt zu einem Wohlstandsverlust von 4,3 Billionen Euro, während es im Fall Frankreichs den Berechnungen zufolge 3,6 Billionen Euro sind. Negativ sei die Entwicklung auch in Portugal, Belgien und Spanien verlaufen.

Auf der Gewinnerseite stehe dagegen Deutschland mit einem Plus pro Einwohner von 23.116 Euro in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Insgesamt betrage die "Wohlstandswirkung" für Deutschland durch die Euro-Einführung fast 1,9 Billionen Euro. Auch in den Niederlanden zahlte es sich laut der Studie für jeden Bürger mit einem Betrag von 21.003 Euro aus, dass 1999 die Gemeinschaftswährung eingeführt wurde.

Kleiner Gewinn für Griechenland

In Griechenland, wo der Beitritt zur Euro-Zone zunächst zu sehr großen Wohlstandsgewinnen führte und die Blase mit der Euro-Krise platzte, komme per Saldo ein kleiner Wohlstandsgewinn in Höhe von 190 Euro pro Einwohner heraus.

Wahlveranstaltung in Frankreich

Wahlveranstaltung in Frankreich. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Die Autoren haben für ihre Studie die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in acht ausgewählten Euro-Ländern seit der Einführung der Gemeinschaftswährung mit den Zahlen anderer Länder verglichen, die den Euro nicht eingeführt haben. Im Fall Italiens wurde dabei der Vergleich mit Großbritannien, Australien, Israel und Japan gewählt. Die Entwicklung in Frankreich wurde mit der Lage in Australien und Großbritannien verglichen.

Immer größere Ungleichheit in der Eurozone

Nach Ansicht der Forscher litten die "Verlierer" darunter, dass sie ihre Währungen nicht mehr abwerten können, wie sie das früher getan haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Strukturreformen, die diesen Nachteil ausgeglichen hätten, blieben aber weitgehend aus. Dadurch sind wettbewerbsstarke Länder wie Deutschland und die Niederlande im Vorteil.

Deutsche Denkfabrik

Das Centrum für Europäische Politik (cep) ist eine Denkfabrik mit Sitz in Freiburg. Hauptzweck ist die Bewertung von Gesetzesvorhaben der Europäischen Union auf der Basis ordnungspolitischer Kriterien.

Das cep wurde 2006 unter dem Dach der Stiftung Ordnungspolitik gegründet und wird geleitet von Lüder Gerken, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Ordnungspolitik und der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung. Im Kuratorium wirken oder wirkten folgende Personen mit: Leszek Balcerowicz, Frits Bolkestein, Udo Di Fabio, Jürgen Stark, Holger Steltzner und Hans Tietmeyer.

lg