Forum Romanum mit italienischer Flagge im Hintergrund

Schuldenkrise Italien sendet leichte Entspannungssignale

Stand: 10.09.2018, 14:32 Uhr

Italienische Anleihen und Aktien sind zumindest heute bei Anlegern wieder hoch im Kurs. Die Mailänder Börse zieht deutlich an, die Rendite der zehnjährigen Titel sanken auf ein Sechs-Wochen-Tief. Überbewerten sollten Investoren das allerdings nicht.

Gefragt sind in Italien vor allem Banktitel wie die von UniCredit oder Intesa Sanpaolo. Der Index der Finanzbranche steigt um 4,5 Prozent. Der Auswahlindex der Mailänder Börse legt um mehr als zwei Prozent auf knapp 21.000 Punkte zu. Damit präsentiert sich Italiens Aktienmarkt deutlich stärker als andere europäischen Märkte.

Weil Investoren auch bei Staatsanleihen zugreifen, fiel die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 2,74 Prozent. In den vergangenen Wochen war die Rendite teilweise über drei Prozent gestiegen.

Gigantischer Schuldenberg

Auslöser der Rally waren Experten zufolge Aussagen des italienischen Finanzministers Giovanni Tria vom Wochenende. Er kündigte für 2019 eine leichte Verbesserung der Haushaltslage an. Außerdem erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte, dass die Regierung aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega niemals einen Austritt aus der Europäischen Union oder der Euro-Zone in Betracht gezogen habe.

Italien bereitet einen Entwurf für das Staatsbudget für das kommende Jahr vor. Wegen teurer Wahlversprechen der neuen Regierung befürchten Investoren einen deutlichen Anstieg der Schulden. Italien muss einen Schuldenberg von etwa 2,3 Billionen Euro managen. Das entspricht rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist die Lage schlimmer.

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte (l.) und der Wirtschaftsminister Giovanni Tria

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte (l.) und der Wirtschaftsminister Giovanni Tria. | Bildquelle: Imago

Langfristig riskant, kurzfristig Gewinnpotenzial

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Die Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley empfahlen, sich im Vorfeld der Budgetverhandlungen mit Aktien und Anleihen aus Italien einzudecken. Sie gehen davon aus, dass sich das Haushaltsdefizit auf rund 2,2 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft belaufen wird.

Langfristig gesehen sei das Risiko für italienische Anleihen zwar nach wie vor hoch, schrieben sie in einem Marktkommentar. Aber kurzfristig bestehe Gewinnpotenzial. Eine Entwarnung sieht gewiss anders aus.

ts/rtr