Hologramm auf Einhunderteuro-Banknote in der italienischen Zentralbank

Kampf gegen Steuerhinterziehung Italien sagt "Basta" Bargeld!

Stand: 17.10.2019, 15:12 Uhr

Espresso oder Pizza bar bezahlen - das könnte künftig im "Dolce Vita"-Land Italien schwierig werden. Die Regierung in Rom will per Gesetz Bargeld-Einkäufe erschweren und Kartenzahlungen fördern, um die Steuerhinterziehung zu bekämpfen.

Bisher sind die Italiener noch Karten-Muffel. Knapp 86 Prozent aller Geschäfte erledigen sie in bar. Damit entgehen sie oft der Mehrwertsteuer. Denn Rechnungen stellt das Restaurant, der Friseur oder die Autowerkstatt meist nur auf ausdrückliche Nachfrage aus.

Diese Steuerhinterziehung kostet den Staat jährlich fast 200 Milliarden Euro - Schätzungen des Statistikinstituts Istat zufolge. Das Geld könnte Italien dringend gebrauchen, um seinen gigantischen Schuldenberg von über zwei Billionen Euro abzutragen und um die heimische Wirtschaft anzukurbeln.

Bonus für Kartenzahler

Jetzt reicht's der Conte-Regierung. Mit neuen Maßnahmen will sie gegen Steuersünder vorgehen und den Italienern das Bargeld abgewöhnen. Demnach soll ab 2021 ein "Superbonus" an Verbraucher ausgeschüttet werden, die mit "nachverfolgbaren", also elektronischen Zahlungsmitteln eingekauft haben. Zugleich sind Sanktionen gegen Geschäfte vorgesehen, die sich weigern, Kredit- oder Geldkarten anzunehmen. Rom kann ein Bußgeld von 30 Euro verhängen.

Einen entsprechenden Haushaltsentwurf hat der Ministerrat in der Nacht zum Mittwoch verabschiedet. Die Regierung in Rom erhofft sich von der Einschränkung des Bargeld-Bezahlens Mehreinnahmen von rund 7,2 Milliarden Euro.

Obergrenze für Bargeldzahlungen fällt weiter

Zudem soll die Obergrenze für Barzahlungen in Italien in den nächsten zwei Jahren von bisher 3.000 auf 2.000 Euro gesenkt werden. Danach soll sie auf 1.000 Euro sinken.

Drohen uns bald skandinavische Verhältnisse? Dort zahlen schon jetzt die meisten Bürger mit Karte oder Handy. Selbst Bettler akzeptieren eine Spende per Kreditkarte.

Europäer zahlen immer noch am liebsten cash

Noch dominiert aber das Bezahlen mit Bargeld in Europa. Durchschnittlich 78 Prozent der Geschäfte werden bar erledigt. Auch in Deutschland hängen die Verbraucher mehrheitlich am Bargeld.

nb