Matteo Salvini
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Neue Unsicherheit Italien rüttelt die Märkte durch

Stand: 09.08.2019, 11:51 Uhr

In Italien ist die 66. Regierung seit der Gründung der Republik vor 73 Jahren wahrscheinlich am Ende. Das verunsichert die Aktien- und Anleihemärkte.

Speziell italienische Anleihen gerieten in den Abwärtsstrudel. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen stieg bis 1,773 Prozent und lag damit ganz erheblich über dem Vortagesstand von 1,537 Prozent. Entsprechend fielen die Kurse der Rentenpapiere. Auch in Spanien und Portugal stieg die Rendite bei einzelnen Laufzeiten.

Bundesanleihen profitierten dagegen von der Entwicklung in Rom. Der Terminkontrakt Euro-Bund-Future kletterte auf bis 177,54 Punkte und lag damit nur noch minimal unter seinem Rekordstand von 177,74 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank bis auf minus 0,598 Prozent.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1066
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Deutlich weniger Bewegung herrscht am Devisenmarkt. Der Euro liegt auch am Freitag im Bereich von 1,12 US-Dollar. Damit hält sich die Gemeinschaftswährung ungefähr seit vier Tagen in diesem Bereich auf - trotz der zahlreichen Turbulenzen.

Bankaktien leiden

Der italienische Bankenindex brach am Freitag um mehr als vier Prozent ein und notierte so niedrig wie seit Mitte Juni nicht mehr. Die Papiere der größten Bank des Landes UniCredit fielen um fünf Prozent. Auch in Deutschland gaben die Bankaktien nach. Die Titel der Commerzbank verloren zeitweise mehr als drei Prozent, die der Deutschen Bank gut zwei Prozent. Laut einem Händler reagierten sie auf den Kursrutsch bei den italienischen Staatsanleihen, von denen insbesondere die Commerzbank über hohe Bestände verfüge.

Italien steht vor dem Bruch seiner Regierungskoalition von rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung. Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini (Foto) erklärte das Bündnis am Donnerstag für arbeitsunfähig und forderte Neuwahlen. Fünf-Sterne-Chef Luigi di Maio warf seinem Koalitionspartner vor, das Land verschaukeln zu wollen und erklärte, Neuwahlen nicht zu fürchten.

"Das wahrscheinlichste Ergebnis möglicher Neuwahlen im Oktober wäre eine Mitte-Rechts-Koalition aus Salvinis Lega und Berlusconis Forza Italia", hieß es dazu von der Commerzbank. "Diese wäre ebenso wenig vor internen Konflikten gefeit und würde vornehmlich eine ausgabenorientierte Politik verfolgen. Das Wachstum Italiens bliebe weiter schwach, wohingegen die Staatsschulden hoch blieben. Weitere Konflikte mit der EU-Kommission wären vorprogrammiert."

Salvini hatte bereits in der Vergangenheit wiederholt die EU-Defizitregeln in Frage gestellt.

ME