Forum Romanum mit italienischer Flagge im Hintergrund

S&P bestätigt Ratingnote Italien nicht auf Ramsch abgestuft

Stand: 27.04.2020, 10:23 Uhr

Die Ratingagenturen bleiben gnädig mit Italien. Selbst wenn das von der Coronakrise hart getroffene Euro-Land seine Schulden massiv erhöhen sollte, droht vorerst keine Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Denn die EZB halte schützend die Hand über "Bella Italia".

Die Regierung in Rom kann aufatmen. Die Ratingagentur S&P hat Italien nicht abgestuft. In der Nacht zum Samstag erklärte Standard & Poor's, dass sie die Bewertung der Schulden des Landes auf "BBB" belässt, also zwei Stufen über Ramschniveau. Der Ausblick bleibt bei "negativ".

S&P sieht EZB als Stabilisator

Bemerkenswert ist die Begründung, die S&P liefert. Sie verweist auf die jüngst wieder aufgenommenen Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese verhinderten, dass die Renditen italienischer Staatsanleihen zulegen. Dank der EZB könne Italien die eigenen Schulden "zu Zinssätzen von rund null Prozent refinanzieren".

Zwar sehen die Bonitätswächter die Verschuldung von Italien auf voraussichtlich 153 Prozent des BIP bis Ende 2020 kritisch. Aber die Verschuldung der privaten Haushalte sei weiterhin die niedrigste unter den G7-Staaten. Außerdem verfüge Italien immer noch über eine breit aufgestellte wohlhabende Wirtschaft.

Moody's will Italien nicht wegen Corona herabstufen

Ähnlich gnädig mit Italien zeigt sich Moody's. Die zweite große Ratingagentur hatte bereits am Freitag erkennen lassen, dass sie Italien vorerst nicht herabstufen will. Die Kreditwürdigkeit des Landes solle von der Coronakrise unbeeinflusst bleiben. Denn erstens sei die Krise vorübergehend, zweitens seien Kredite angesichts der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken dauerhaft billig.

Moody's stuft Italien mit Baa3 derzeit nur eine Stufe über Ramschniveau ein. Am 8. Mai will die Agentur das Ergebnis ihrer laufenden Bewertung bekanntgeben.

Angst vor der Eurokrise

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Zuletzt waren Befürchtungen an den Finanzmärkten aufgekommen, dass die Renditen der italienischen Staatsanleihen wieder so stark steigen könnten, dass eine neue Eurokrise drohe. Denn das Land ist in Europa bislang am härtesten von der Corona-Pandemie getroffen. Wegen des wochenlangen Stillstands der Wirtschaft wird das Bruttoinlandsprodukt BIP in diesem Jahr voraussichtlich um acht Prozent schrumpfen. Das Haushaltsdefizit dürfte auf über zehn Prozent des BIP steigen. Die Regierung braucht Geld, weil sie hohe Ausgaben plant, um das Land aus der Krise zu führen.

Als Retterin in der Not hat sich wieder einmal die Europäische Zentralbank betätigt. Sie kaufte zuletzt massiv italienische Staatsanleihen, um steigende Renditen zu verhindern. Damit soll das Land vor einem Ramsch-Rating bewahrt werden. Manche Ökonomen sehen hier aber die Grenze zur Staatsfinanzierung überschritten.

nb