Eingang und Fassade der Mailänder Börse
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1.000 Punkte Minus in Mailand Italien: Die Anleger werden nervöser

Stand: 18.05.2018, 16:11 Uhr

Die Haushaltspläne der designierten italienischen Regierung kommen an den Kapitalmärkten bisher gar nicht gut an. Die Renditen der Staatsanleihen steigen, der Euro fällt und die Börse in Mailand hat schon rund 1.000 Punkte verloren.

Abruptes Ende einer Aktienhausse: Die Pläne der neuen italienischen Regierung, die Staatsausgaben des ohnehin hoch verschuldeten Euro-Landes auszuweiten und Steuern zu senken, trifft den Nerv der Börse.

Auch heute geht der Ausverkauf am italienischen Aktienmarkt weiter. Der Mailänder Leitindex MIB verliert aktuell weitere rund 1,4 Prozent oder gut 330 Punkte auf 23.475 Punkte. Damit hat der Index seit dem 7. Mai, als er bei 24.544 Punkten das höchste Niveau seit dem Ende der Finanzkrise erreicht hatte, kräftig Federn gelassen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Aber nicht nur am Aktienmarkt, auch am Renten- und Devisenmarkt herrscht schlechte Stimmung. Zwar ist Italien nicht die einzige Baustelle für den Euro, die sich abzeichnenden italienischen Haushaltspläne tragen aber dazu bei, dass das Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung gegen einen vor Kraft strotzenden Dollar weiter sinkt. Aktuell notiert der Euro bei 1,1750 Dollar am Tagestief.

Immerhin, die Forderung nach einem Schuldenerlass durch die EZB taucht nicht mehr im Haushaltsentwurf der ungleichen Koalitionäre von "Lega Nord" und den "5 Sternen" auf. Diese Forderung aus einem vorangegangenen Papier hatte den Euro am Mittwoch erheblich unter Druck gesetzt.

Die Renditen steigen

Spätestens seit der Eurokrise um Griechenland geht der Blick der Märkte als erstes auf die Entwicklung der Renditen für die Staatsanleihen, wenn Gefahr im Anzug ist. Das Urteil des Marktes ist eindeutig: Zehnjährige Staatspapiere rentieren mittlerweile bei 2,20 Prozent und haben damit einen deutlich höheren Risikoaufschlag als zuletzt. Der Kurs ist dabei seit dem 7. Mai von 102,25 auf aktuell 98,18 Prozent gefallen.

"Nicht nur die Fiskalpläne der designierten Regierung in Rom bereiten Investoren Sorge, auch drohen vor dem Hintergrund der europapolitischen Ambitionen der Koalitionäre Konflikte mit Brüssel", erläutert DZ-Bank-Analyst Daniel Lenz. Der Ausverkauf der italienischen Anleihen könne in diesem Fall in eine neue Runde gehen.

Nicht zuletzt die Anleihekäufe der EZB haben das Bonitätsrisiko einer Investition in Italien (Länder-Rating S&P: BBB) bisher in den Hintergrund gedrängt. Damit könnte jetzt Schluss zu sein, auch wenn noch keine Panik am Markt zu beobachten ist. Aber die Rendite liegt schon gut einen Viertelpunkt höher als vor der jüngsten politischen Entwicklung. Mit anderen Worten, Investoren verlangen jetzt also von Italien eine höhere Risikoprämie. Eine Entwicklung, die angesichts der hohen Verschuldung des Landes von 130 Prozent gemessen am BIP richtig weh tut.

rm