Kenneth Akintewe

Fondsmanager Kenneth Akintewe Investieren in Indien: "Die Veränderungen sind offensichtlich"

Stand: 22.12.2017, 14:18 Uhr

Die Performance der indischen Aktienmärkte in den letzten Jahren gehört zu den besten, so Kenneth Akintewe, Senior Investment Manager für Asien bei Aberdeen. Was Anlegern, die in Indien investieren wollen, bewusst sein sollte und welche "goldenen Regeln" bei Emerging Markets gelten.

boerse.ARD.de: Durch die Reformen von Premierminister Narendra Modi ist in Indien viel passiert –  wie beurteilen Sie diese Entwicklungen?

Der indische Premierminister Narendra Modi bei einer Rede

Narendra Modi . | Quelle: picture-alliance/dpa

Kenneth Akintewe: Es gibt noch viel zu tun, aber es ist auch schon viel passiert. Die Produktivität und die Arbeitsweise der Regierung haben sich wesentlich verbessert. Dadurch wurde die Korruption auf hohen Regierungsebenen überwunden, eine Rekordzahl von Reformvorhaben verabschiedet und unter anderem Institutionen wie die Reserve Bank of India gestärkt. Doch die Ratingagenturen wie S&P erkennen diese Veränderungen nur sehr langsam an. Sie ziehen die Aufwertung eines Landes wie Italien lieber vor, obwohl die Veränderungen in Indien offensichtlich sind. Indiens Credit Default Swap ist von etwa 250 im Jahr 2013 auf jetzt etwa 73 gefallen. In den Berichten der Weltbank "Ease of Doing Business" als auch im "Global Competitiveness Report" des World Economic Forum ist das Land die Rangliste hochgejagt.

boerse.ARD.de: Aber Indiens Wachstum schwächelt in diesem Jahr. Warum ist das passiert?

Akintewe: Die Regierung hat in den letzten Jahren zwei Reformen umgesetzt, die Demonetarisierungspolitik Ende 2016 und kürzlich die Waren- und Dienstleistungssteuer (GST). Die erste wirkte sich kurzfristigen auf den Konsum aus. Die GST führte zu einem leichten Angebotsschock, weil die Unternehmen erstmal das neue Regelwerk der Steuer übernehmen mussten. Aber die Wirtschaft erholt sich bereits von beidem.

boerse.ARD.de: Wird das Wachstum wieder auf das Niveau von 2015 in Höhe von acht Prozent kommen?

Akintewe: Im momentanen Stadium schafft Indien wahrscheinlich keine acht Prozent. 6,5 bis 7,5 Prozent sind vorstellbar. Wenn das Wachstum stark zunimmt, macht das Druck auf die Inflation und die Leistungsbilanz verstärkt sich. Das würde für Versorgungsengpässe sorgen, die dann behoben werden müssen. 

Sensex 30-Chart 5 Jahre

Sensex 30. | Bildquelle: boerse.ARD.de

boerse.ARD.de: Wie sieht es auf den indischen Aktienmärkten aus?

Akintewe: Die haben sich in diesem Jahr gut entwickelt und gehören mit ihrer Performance zu den besten Märkten. Dadurch und durch die Reformen gehören sie zu den Märkten mit den höchsten Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Es gibt dort eine Reihe von gut geführten Unternehmen und Indien ist immer noch einer unserer bevorzugten Märkte. Für Anleger, die in Indien investieren möchten, sich aber Sorgen über die Bewertung und Volatilität von Aktien machen, könnte der indische Anleihenmarkt eine bessere Option sein. Seine Bewertungen und risikobereinigten Renditen sind sehr attraktiv. 

Bombay Stock Exchange in Mumbai, Indien

Bombay Stock Exchange in Mumbai. | Quelle: picture-alliance/dpa

boerse.ARD.de: Welche Investitionsmöglichkeiten würden Sie Anlegern denn generell empfehlen?

Akintewe: Allgemein entwickeln sich Schwellenländer und Hochzinsmärkte momentan gut. Für Anleger, die sich über Bewertungen oder das Risiko eines Ausverkaufs an den Aktienmärkten sorgen, aber trotzdem gute Renditen bei begrenztem Ausfallrisiko sicherstellen möchten, empfehlen wir Emerging Market Corporates, Frontier Bonds und indische Anleihen. Alle haben sich in Risiko-Perioden, die wir erlebt haben, widerstandsfähig gezeigt wie zum Beispiel auch 2015.

Über Aberdeen

"Aberdeen Asset Management" ist eine internationale Vermögensverwaltung für institutionelle und private Investoren. Unter anderem bietet die Gesellschaft Fonds in Schwellenländern an. Dazu gehört auch der "Aberdeen Global Indian Equity Fund". Er investiert in Aktien und Wertpapiere von Unternehmen, die einen Großteil ihres Umsatzes in Indien erzielen und setzt sich unter anderem aus den Branchen Industrie, Finanzen und IT-Software, sowie Rohstoffen, Energie und Liquidität zusammen. Den größten Teil bildet dabei mit 21,7 Prozent die Industrie. Der Finanzsektor und die IT-Branche folgen dicht mit 19,9 und 18,5 Prozent.


boerse.ARD.de: Wie haben sich die anderen Emerging Markets in den letzten Jahren entwickelt?

Akintewe: Die haben sich sehr gut gemacht. Die Bewertungen waren nach der Schwäche 2015 wieder sehr ansprechend. So haben sich die Fundamentaldaten einschließlich der Zahlungsbilanz und der Haushaltspositionen verbessert. Das war vor allem so, als sich die Rohstoffe erholten, die globale Nachfrage sich besserte und China stabiler wurde.

boerse.ARD.de: Gibt es dort denn noch größere Probleme?

Akintewe: Natürlich gibt es immer Probleme. Manche sind wirtschaftlich, andere wiederum exogen oder abhängig von der Politik wie in Südafrika, Venezuela, Mexiko und Brasilien. Solche Bedingungen sind natürlich herausfordernd. Manche Länder wie Ägypten oder Sri Lanka erhalten dabei Hilfe durch Programme des IWF. Aber solche Probleme sind keine Gründe, nicht zu investieren. Entscheidend sind dabei die Art der Risiken und die Frage, ob sie auch richtig bewertet sind. 

boerse.ARD.de: Worauf sollte man generell achten, wenn man sein Portfolio mit Investitionen in Schwellenländer erweitern möchte - gibt es da "goldene Regeln"?

Akintewe: Man sollte sich nicht an übliche Maßstäbe halten. Der Fokus sollte auf Bottom-Up-Analysen liegen. Außerdem sollte man vorsichtig bei gerade beliebten Titeln sein. Es ist wichtig diszipliniert zu bleiben, wenn es um Bewertungen geht. Und natürlich sollte man nie in etwas investieren, das man nicht versteht.

Das Gespräch führte Jule Zentek.

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Platz 1: Reliance Industries Limited
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2006 teilte sich der Konzern: Die Söhne des Gründers hatten sich zerstritten. Der eine leitet nun RIL – der andere die Reliance Anil Dhirubhai Ambani Group.