Proteste am Flughafen Hongkong

Proteste könnten Handelskrieg weiter verschärfen Hongkong als Krisenherd für den Finanzmarkt?

Stand: 14.08.2019, 11:58 Uhr

Seit mittlerweile zehn Wochen protestieren Demonstranten in Hongkong gegen die pekingtreue Regierung. Der Konflikt droht die Fronten zwischen China und den USA weiter zu verhärten - mit Folgen für die Börse.

Anleger haben derzeit keine einfache Zeit. Konjunktursorgen, die Regierungskrise in Italien, der drohende Kollaps Argentiniens und vor allem der Handelskrieg zwischen China und den USA. Belastungsfaktoren gibt es mehr als genug. Kommt jetzt auch noch Hongkong dazu?

Dort kommt es seit mehr als zwei Monaten immer wieder zu massiven regierungskritischen Protesten mit inzwischen über 600 Festnahmen. Die frühere britische Kolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Diese Rechte sehen viele nun in Gefahr - und gehen auf die Straße. Auslöser war ein Gesetzentwurf der Regierung zur erleichterten Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China.

Protestierende mit Augenpflaster am Flughafen Hongkong

Proteste am Flughafen Hongkong. | Bildquelle: picture alliance / dpa / Kin Cheung / AP

Nach gewaltsamen Vorfällen zwischen Demonstranten und der Polizei am Hongkonger Flughafen verschärft Peking nun seine Gangart. Gewaltbereite Demonstranten vergleicht die chinesische Führung mittlerweile gar mit Terroristen. Medienberichten und Satellitenbildern zufolge erhöhte China seine Militärpräsenz an der Grenze zu Hongkong.

Noch ist es nur die Unsicherheit

Die Lage in Hongkong ist unübersichtlich, auf die Finanzmärkte hat sie bisher aber wenig Einfluss. Allerdings erhöhen die Proteste die Unsicherheit der Anleger. Am Montag hatte die Situation am Flughafen den Dollar-Kurs kurzzeitig nach oben getrieben und auch die als sicher geltenden US-Staatsanleihen hatten deutlich zugelegt. Hintergrund seien Äußerungen eines chinesischen Regierungsvertreters gewesen, wonach sich die Lage in Hongkong an einem kritischen Scheidepunkt befinde, sagte Ulrich Leuchtmann, Chef-Devisenanalyst bei der Commerzbank.

Eine akute Bedrohung für die Finanzmärkte kommt nun dazu: Das amerikanisch-chinesische Verhältnis droht sich noch weiter zu verschlechtern. Peking hatte bereits in der vergangenen Woche in Hongkong stationierte US-Diplomaten davor gewarnt, sich in "Angelegenheiten der Stadt" einzumischen. Eine Diplomatin hatte sich mit einigen regierungskritischen Aktivisten getroffen.

Die USA warfen der chinesischen Regierung daraufhin übelste Methoden vor, weil sie ein Foto einer Diplomatin sowie persönliche Informationen und Namen von Familienangehörigen an die Medien weitergegeben habe. Die Regierung in Peking stritt ab, hinter der Veröffentlichung zu stecken, und warf den USA ihrerseits vor, wie Kriminelle zu denken.

China verbietet Einfahrt von US-Kriegsschiffen

Nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums untersagte China nun auch noch zwei US-Marineschiffen die Einfahrt in den Hafen von Hongkong. Die Regierung in Peking habe entsprechende Anfragen abgelehnt. Der Aufenthalt der beiden Schiffe sei "in den nächsten paar Wochen" geplant gewesen. Die US-Seite verwies für weitere Details an die Regierung Chinas.

Polizisten verhaften Protestierenden in Hongkong

Proteste in Hongkong. | Bildquelle: picture alliance / dpa / Kin Cheung / AP

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums kritisierte am Mittwoch erneut anhaltende Einmischungen der USA. Die Belange Hongkongs seien ausschließlich Chinas innere Angelegenheit. US-Politiker seien weder berechtigt noch qualifiziert, dazu Stellung zu nehmen. "Kümmert Euch um eigene Angelegenheiten", so Sprecherin Hua Chunying: "Hongkong geht Euch nichts an."

"Unsere Geheimdienste informieren uns, dass die chinesische Regierung Truppen an die Grenze nach Hongkong verlegt. Jeder sollte sich ruhig und sicher verhalten", hatte US-Präsident Donald Trump auf Twitter geschrieben.

Neue Gespräche angekündigt

Donald Trump und Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jinping. | Bildquelle: picture alliance/Susan Walsh/AP/dpa

Welch herausragende Bedeutung der Handels- und Währungsstreit zwischen den USA und China für die Börse hat, zeigte sich gestern. Die Kontrahenten kamen sich etwas näher, schon legten die Aktienmärkte postwendend zu. Die Einführung von Sonderzöllen in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Güter wie Laptops oder Mobiltelefone soll verschoben werden.

Außerdem habe der chinesische Verhandlungsführer Liu He mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin telefoniert, teilte das Handelsministerium in Peking mit. Innerhalb der nächsten zwei Wochen solle es ein weiteres Gespräch geben. Mit den neuesten Entwicklungen scheint eine rasche Beilegung des Konflikts aber erst einmal vom Tisch.

Handelskrieg macht sich bemerkbar

Unterdessen hinterlässt die "Mutter aller Krisen" schon deutliche Spuren - und bremst nicht nur Chinas Industrieproduktion. Der Anstieg von nur 4,8 Prozent zum Vorjahresmonat ist der schwächste seit Februar 2002. Auch die deutsche Wirtschaft befindet sich auf Schrumpfkurs.

"Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft kommt seit einem Jahr nur noch im Kriechgang vorwärts. Für die zweite Jahreshälfte 2019 und auch für das nächste Jahr gibt es viele Unsicherheiten für die deutschen Exporteure, die sich kaum prognostizieren lassen", kommentiert Analyst Andreas Rees von UniCredit.

Die größte Unsicherheit bleibt wohl die Handelsbeziehung zwischen China und den USA - die sich durch die Proteste in Hongkong nicht gerade verbessern dürfte.

tb