Nordkoreanische Smartphones, Kim Jong Un

Nordkorea – Samsungs Hinterhof? Herr Kim und die Smartphones

von von Angela Göpfert

Stand: 22.05.2018, 10:55 Uhr

Die historische Annäherung zwischen Nord- und Südkorea hat das Zeug dazu, die Tech-Welt gründlich durcheinander zu wirbeln. Davon könnten auch Smartphone-Kunden profitieren.

Wenn US-Präsident Donald Trump heute im Weißen Haus auf Südkoreas Moon Jae-in trifft, dann nimmt die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea weiter Gestalt an. Schließlich dient das Treffen vornehmlich der Vorbereitung des für den 12. Juni geplanten Gipfels zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Es wäre der zweite historische Gipfel binnen weniger Wochen. Erst Ende April schüttelte Kim die Hand des südkoreanischen Präsidenten.

Das perfekte Paar

Es sind solche Bilder mit Symbolcharakter, die selbst altgediente Schwellenländer-Veteranen zum Schwärmen bringen. Für den Emerging-Markets-Experten Mark Mobius sind Nord- und Südkorea einfach das perfekte Paar.

"Es ist eine wunderschöne Kombination: Der Süden hat die Technologie, das Know-how und die Produktionsmöglichkeiten – der Norden hat die Ressourcen." Für Anleger, die hier frühzeitig investieren, lockten langfristig hohe Renditen.

Das nächste Vietnam

Tatsächlich sehen nicht wenige Experten in Nordkorea bereits das nächste Vietnam. Sie verweisen auf die Parallelen zwischen dem heutigen Nordkorea und dem südostasiatischen Land anno 1986.

Damals startete das kommunistische Vietnam unter den Namen "Doi Moi" einen marktwirtschaftlichen Reformprozess, der das Land in Trippelschritten dem Kapitalismus näher brachte. Heute ist die vietnamesische Volkswirtschaft sechsmal so groß wie die Nordkoreas, 2017 wuchs sie um stolze 6,8 Prozent.

Ho-Chi-Minh-Stadt (ehem. Saigon), Vietnam

Vietnam boomt - dank südkoreanischer Investitionen. | Bildquelle: Imago

Billiglöhne als Standortvorteil

Das starke Wachstum Vietnams beruht dabei zu einem großen Teil auf den Investitionen südkoreanischer Firmen. Der Mischkonzern Samsung ist Vietnams größter ausländischer Investor, verantwortlich für rund ein Viertel der Exporterlöse. Über die Jahre hat Samsung mehr als 17 Milliarden Dollar nach Vietnam gepumpt.

Doch südkoreanische Firmen wie Samsung wären froh, könnten sie ihre Produktionsstandorte nach Nordkorea verlegen. Schließlich kann Nordkorea mit 1,1 Dollar je Stunde den niedrigen Stundenlohn in Vietnam (1,3 Dollar je Stunde) noch unterbieten.

Stundenlöhne in der Produktion

Nordkorea sticht Vietnam - bei Billiglöhnen . | Bildquelle: Morgan Stanley/Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Wie Samsung am iPhone X verdient

Die niedrigeren Produktionskosten würden sich über kurz oder lang auch in sinkenden Smartphone-Preisen widerspiegeln. Übrigens nicht nur bei Samsung-Smartphones und Tablets – sondern auch bei Produkten der Konkurrenz.

Apple iPhone X

iPhone X - Smartphone von Apple, Display von Samsung. | Bildquelle: Apple

Was viele Kunden nämlich nicht wissen: Viele Komponenten für die iPhones von Apple werden von Samsung gefertigt, darunter das OLED-Display für das Luxus-iPhone X.

Und nicht nur Apple ist Kunde bei Samsung: 95 Prozent aller organischen Displays für Smartphones und Tablets stammen von Samsung.

Profitieren vom "Doi Moi"-Moment

Dabei ist Samsung nicht die einzige südkoreanische Firma, die von einer Annäherung der beiden verfeindeten Nationen profitieren würde. Auch der Marktführer bei Flachbildschirmen, LG Display, könnte in einem solchen Falle über eine Verlegung des Produktionsstandortes nachdenken, so Experten.

Bislang fertigt LG Display 80 Prozent seiner großen Bildschirme auf südkoreanischem Boden, die Fabrik ist nur eine Viertelstunde Autofahrt von der Grenze zu Nordkorea entfernt.

Sollte Nordkorea demnächst tatsächlich seinen ganz persönlichen "Doi Moi"-Moment erleben, so eröffnet das Chancen: Nicht nur für die Einwohner der koreanischen Halbinsel, sondern auch für die großen südkoreanischen Technologiekonzerne – und ihre Kunden.

1/5

Die Top Fünf im Smartphone-Markt Platzhirsche und Herausforderer

Samsung Galaxy S9+

Samsung
Noch sind die Südkoreaner mit großem Abstand Marktführer. Im vergangenen Jahr lag der Marktanteil durchschnittlich bei knapp 22 Prozent. Im zweiten Quartal 2018 setzte Samsung 71,5 Millionen seiner Geräte ab. Mit den Flaggschiffen der Galaxy S9-Serie könnte der alte Abstand wiederhergestellt werden. Samsung verdient außerdem als Display-Lieferant für die iPhones kräftig mit an Apples Erfolg.