Matterhorn bei Sonnenaufgang

SMI in Sichtweite zum Rekordgipfel Gute Aussichten für Schweizer Aktien?

von Notker Blechner

Stand: 01.08.2018, 13:57 Uhr

Am 1. August feiert die Schweiz ihren Nationalfeiertag - mit Fahnenschwingern und mancherorts mit Höhenfeuer. Die Börse wittert ebenfalls Höhenluft. Im Juli hat der SMI den Dax abgehängt - auf dem Weg zu neuen Gipfeln?

Auf der Wiese am Vierwaldstättersee, wo der Legende nach der Rütlischwur begangen wurde, dürfte die Stimmung bei der zentralen Bundesfeier diesmal besonders gelöst sein. Denn in der Alpenrepublik läuft's rund. Die Wirtschaft hat sich vom Franken-Schock erholt und wächst wieder wie ein Schweizer Uhrwerk. Der Tourismus hat ebenfalls die Krise hinter sich gelassen. Die Hotels verzeichneten 2017 fast so viele Gäste wie im Rekordjahr 2008. Und selbst im Fußball ist die Schweiz inzwischen unter den Top-Teams. Bei der WM kamen die Eidgenossen im Gegensatz zum großen Nachbarn Deutschland immerhin bis ins Achtelfinale.

Wirtschaft gut in Schwung

Für das laufende Jahr prognostiziert die Expertengruppe des Bundes für Konjunkturprognosen ein kräftiges BIP-Wachstum von 2,4 Prozent. Im ersten Quartal betrug das Plus 0,6 Prozent. 2017 hatte das BIP um 1,1 Prozent zugelegt.

Vor allem der schwächere Franken gibt der Wirtschaft Auftrieb. Auf Ein-Jahres-Sicht büßte der Franken fast 30 Prozent zum Euro ein. Mitte April erreichte die Währung sogar die psychologisch wichtige Marke von 1,20 Franken je Euro - das Niveau, auf dem die Schweizer Notenbank den Wechselkurs bis Anfang 2015 festgenagelt hatte. Als sie den Mindestkurs aufgab, wertete der Franken dramatisch auf.

Starker Juli im SMI

Die gute Konjunktur und die Franken-Schwäche haben auch die Schweizer Börse gestützt. Mitte Januar kletterte der SMI auf ein Rekordhoch von 9.611 Punkten. Danach musste der Leitindex allerdings Federn lassen. Es gab zwei Knicks Ende Januar/ Anfang Februar sowie Mitte Mai. Immerhin hat er sich seither wieder ein bisschen aufgerappelt und alleine im Juli acht Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der Dax schaffte im selben Zeitraum nur ein Plus von fünf Prozent.

Auf Ein-Jahres-Sicht sieht die Bilanz weniger gut aus. Der SMI trat in den letzten zwölf Monaten auf der Stelle, während der Dax um knapp fünf Prozent vorankam. Ein Grund für die Kurs-Stagnation am Schweizer Aktienmarkt dürfte das hohe Gewicht der zuletzt recht schwerfälligen Pharma- und Finanztitel sein. Sie machen zusammen 57 Prozent Anteil am SMI aus.

Zudem überschattete der Handelsstreit zwischen Amerika und dem Rest der Welt den SMI. Die Schweizer Wirtschaft ist stark exportabhängig. Viele Produkte wandern in Güter, die aus der EU in die USA verkauft werden.

Credit Suisse empfiehlt Schweizer Aktien

Sollte sich die Lage zumindest zwischen Europa und den USA nun entspannen, könnte das auch dem Schweizer Aktienmarkt weiter Rückenwind geben. Die Credit Suisse favorisiert derzeit Schweizer Aktien. Sie seien nach wie vor attraktiv bewertet. Zudem hätten die Schweizer Konzerne eine überdurchschnittlich großzügige Dividendenpolitik. Die Dividendenrendite liegt durchschnittlich bei 3,1 Prozent. Zum Vergleich: Die Konzerne im MSCI World Index kommen im Schnitt nur auf ein Niveau von 2,7 Prozent.

SMI vs. Dax

SMI vs. Dax. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Blick in die Ausstellung

Ausstellung "30 Jahre SMI". | Bildquelle: Finanzmuseum.ch

Langfristig zahlen sich Schweizer Aktien ohnehin aus. Der SMI, der wie der Dax im Juli 30 Jahre alt wurde, hat sich seit seiner Gründung versechsfacht. Damit entwickelte er sich besser als die meisten anderen europäischen Indizes. Der Dax sieht zwar mit einer Vererelffachung besser aus, ist aber in seiner vorherrschenden Version als Performance-Index nicht direkt vergleichbar.

SPI: In der zweiten Klasse fährt's sich besser

Die wahren Schweizer Perlen befinden sich in der zweiten Reihe. Der SPI hat in den letzten Jahren den SMI klar abgehängt und nimmt gerade Kurs auf neue Gipfelhöhen. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der Nebenwerte-Index rund sechs Prozent zugelegt. Auch seit Jahresbeginn liegt er leicht im Plus. Im Januar kletterte der SPI erstmals über die Schwelle von 11.000 Zählern, ehe er um über 1.000 Punkte abrutschte und sich dann im Juli wieder erholte. Aktuell befindet sich der SPI nur gut 100 Punkte unter dem Rekordhoch.

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Schweizer Spezialitäten Besser als Käse und Schoggi

<strong>Lonza</strong><br/>Zum Anlegerliebling im SMI hat sich Lonza gemausert. Die Aktie des Pharmazulieferers und Spezialchemieherstellers hat in den vergangenen zwölf Monaten einen Satz um 32 Prozent nach oben gemacht. Lonza stieg erst im April 2017 in den SMI auf. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz um ein Drittel auf über drei Milliarden Franken - dank der Übernahme des Arzneikapselherstellers Capsugel für 5,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte um 78 Prozent auf 405 Millionen Franken. Für 2018 peilt Lonza ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich und eine höhere Gewinnmarge an.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Lonza
Zum Anlegerliebling im SMI hat sich Lonza gemausert. Die Aktie des Pharmazulieferers und Spezialchemieherstellers hat in den vergangenen zwölf Monaten einen Satz um 32 Prozent nach oben gemacht. Lonza stieg erst im April 2017 in den SMI auf. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz um ein Drittel auf über drei Milliarden Franken - dank der Übernahme des Arzneikapselherstellers Capsugel für 5,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte um 78 Prozent auf 405 Millionen Franken. Für 2018 peilt Lonza ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich und eine höhere Gewinnmarge an.