Schweizer Börse SWX in Zürich

Streit mit der EU Gnadenfrist für Schweizer Aktien

von Notker Blechner

Stand: 11.01.2019, 14:12 Uhr

Deutsche oder Österreicher, die Schweizer Aktien besitzen, können vorerst aufatmen: Sie dürfen weiter eidgenössische Titel außerhalb der Schweiz handeln - zumindest bis Juni. Was sollten betroffene Anleger jetzt tun?

Es ist eine unendliche Geschichte: Seit fünf Jahren nun schon verhandeln Brüssel und Bern über ein EU-Rahmenabkommen - bislang ohne Erfolg. Trotz zahlreicher Sitzungen und Papiere hat es die Schweiz immer noch nicht geschafft, ihr Verhältnis mit der EU in mehr als 120 bilateralen Verträgen klar zu regeln.

Streit um die Börsen-Äquivalenz

Unter dem Streit leidet die Schweizer Börse. Sie ist zu einer Art Faustpfand im Konflikt zwischen der EU und den Eidgenossen geworden. Brüssel drohte Bern, die Börsen-Äquivalenz - also die Gleichwertigkeit der Schweizer Börsenregulierung mit der der EU - bis Ende 2018 abzuerkennen.

Das hätte den Schweizer Börsenbetreiber Six hart getroffen. Denn die Mehrheit der Kauf- und Verkaufsaufträge beim Handel mit Aktien von SMI-Schwergewichten wie Nestlé, Novartis oder Roche kommt von Investoren aus der EU.

Anerkennung um sechs Monate verlängert

Kurz vor Weihnachten lenkte Brüssel ein - und gewährte eine letzte Gnadenfrist. Die EU-Kommission verlängerte die Börsenäquivalenz um weitere sechs Monate. Das heißt: Sie erkennt die Six bis Ende Juni 2019 an.

Für Anleger, die mit Schweizer Aktien handeln, ist das zunächst eine gute Nachricht. Sie wären gezwungen gewesen, Aktien von Nestlé, Roche & Co ausschließlich über die Schweizer Börse zu kaufen oder zu verkaufen. Oder an Handelsplätzen außerhalb der EU. In Deutschland oder Österreich hätte kein Handel mehr mit Schweizer Aktien stattgefunden.

Anleger, was nun?

Nun bleiben noch gut sechs Monate Zeit. Schweiz-Anleger brauchen daher jetzt nicht in Panik zu verfallen, rät Aktionärsschützer Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Anleger, die Papiere von Nestlé, Roche oder andere Schweizer Titel haben, sollten genau checken, ob ihre Bank oder ihr Broker den Handel mit eidgenössischen Aktien auch in der Schweiz oder auf außereuropäischen Handelsplätzen anbietet. Falls nicht, sollten sie die Depotbank wechseln.

Auf die Gebühren achten!

Handelt die Bank oder der Broker mit Schweizer Aktien, müssten Anleger die Gebühren prüfen. Für Privatinvestoren "könnte es teurer werden", meint Aktionärsschützer Kurz. Wem die Kosten zu hoch sind, der sollte seine Papiere besser loswerden.

Wer glaubt, die Schweiz einigt sich im ersten Halbjahr noch mit Brüssel auf ein Rahmenabkommen, der sollte vorerst nichts machen. Und seine eidgenössischen Titel behalten.