Ausblick 2018 Emerging Markets

Schwellenländer 2018 Geht die Emerging-Markets-Party weiter?

Stand: 08.01.2018, 09:30 Uhr

Mit Aktien aus Schwellenländern konnten Anleger 2017 mehr Geld verdienen als mit deutschen oder selbst amerikanischen Papieren. Ob der Höhenflug auch im neuen Jahr anhält, hängt vor allem vom US-Dollar ab.

Noch vor nicht allzu langer Zeit scheuten Banken davor zurück, ihren Kunden Emerging-Markets-Aktien oder -Anleihen zu empfehlen. Rezessionen, politische Krisen und der Verfall der Rohstoffpreise hatten den Schwellenländer-Börsen in der jüngsten Vergangenheit hart zugesetzt. Von 2013 bis 2015 erlebten Emerging Markets eine mehrjährige Durststrecke. Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht. Auf Geldanlage-Konferenzen oder bei Marktausblicken werden Schwellenländer inzwischen als die neuen Stars angepriesen. Metzler und Pictet zum Beispiel favorisieren für 2018 Emerging Markets.

"Die Emerging-Markets-Rally geht weiter", prophezeit GAM. "Getragen vom stärker werdenden Wirtschaftswachstum könnte das makroökonomische Umfeld für Emerging-Markets-Anlagen noch zwei weitere Jahre lang positiv bleiben", prophezeit Mike Biggs, Investment Manager von GAM.

Sattes Kursplus von 35 Prozent 2017

2017 war ein Traumjahr für die Emerging Markets. Allen politischen Turbulenzen zum Trotz zog der MSCI Emerging Markets Index um gut 35 Prozent an. Zum Vergleich: Der Dax legte "nur" um 12,5 Prozent zu, der Dow stieg um rund 25 Prozent.

Einige Schwellenländer waren besonders begehrt. Die argentinische Börse in Buenos Aires machte einen Sprung von 60 Prozent nach oben. Auch in Peru,  Chile, Hongkong und in der Türkei gab es satte Kurszuwächse von um die 30 Prozent.

"Starkes Comeback!"

Emil Wolter, Schwellenländer-Fondsmanager bei Comgest, spricht von einem "starken Comeback". An den meisten Fronten seien Wendepunkte erreicht worden. So drehten die Außenbilanzen wieder ins Plus. Gleichzeitig konnten die Firmen in den Emerging Markets ihre Schuldenlast reduzieren.

Viel ausländisches Kapital wanderte in die Emerging Markets. Seit Jahresbeginn flossen rund 61 Milliarden Dollar in die Aktienmärkte der Schwellenländer, hat die österreichische Raiffeisen Capital Management herausgefunden. Das ist so viel wie noch nie seit 2010.

Optimismus für 2018

Auch 2018 setzen Investoren auf die Emerging-Markets-Karte. "Der Aufwärtstrend der Schwellenländer wird andauern", meint EM-Experte Geoffrey Wong von der UBS. "Die Schwellenländer bleiben für uns attraktiv", sagt Carsten Gerlinger, Asset-Management-Direktor von Moventum. Sie profitieren von der positiven konjunkturellen Lage, dem niedrigen US-Dollar und den sich erholenden Rohstoffpreisen.

Tatsächlich ist die Wachstumsdynamik in den Emerging Markets deutlich höher als in den Industrieländern. Die Wirtschaft der Schwellenländer dürfte 2018 um 4,8 Prozent zulegen, glaubt der IWF. Bei den Industrieländern wird ein Plus von 1,9 Prozent vorausgesagt.

Globales und Emerging Markets PMI

Globales und Emerging Markets PMI. | Bildquelle: GAM, Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Dank der guten Exportaussichten, der höheren Konsumausgaben und der wirtschaftlichen Reformen dürfte sich das Gewinnwachstum der Emerging-Markets-Firmen beschleunigen. Experten prophezeien einen Zuwachs von 18 Prozent.

Attraktive Bewertung

Ein weiteres Argument, das für die Schwellenländer spricht, ist die niedrige Bewertung. Laut der Deutschen Asset Management weisen sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8 aus. Das KGV in Europa liegt dagegen bei 15, beim Dow Jones sogar bei 18.

Natürlich lassen sich nicht alle Emerging Markets über einen Kamm scheren. Die Heterogenität der Länder ist groß. Die Fondsmanager von HSBC und Comgest favorisieren Asien. Indiens und Chinas Konjunktur haben wieder Fahrt aufgenommen und dürften sich 2018 ein spannendes Rennen um das stärkste Wachstum liefern. Andere Fondsmanager wie Thomas Rutz von Main First bevorzugen eher Lateinamerika.

Schwellenländer-Anleihen als Alternative

Auch für Schwellenländer-Bonds sind die Aussichten 2018 recht positiv. Lazard Asset Management sieht den Markt für Schwellenländer-Anleihen weiter am Beginn einer Hausse, getragen von sich verbessernden Fundamentaldaten und dem weltweit günstigen Konjunkturumfeld. Besonders vielversprechend seien Schwellenländer-Anleihen in lokalen Währungen, meint zum Beispiel das Schweizer Bankhaus Pictet.

Die Erste Asset Management bevorzugt Corporate Bonds. Unternehmen der Schwellenländer weisen eine deutlich geringere Verschuldung auf als Firmen aus entwickelten Ländern. Langfristige Renditen von fünf bis sechs Prozent in US-Dollar seien realistisch. "Der Zeitpunkt für einen Einstieg in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern war selten so günstig wie jetzt", sagt Fondsmanager Rutz von Mainfirst. Er hebt als Argumente die brummende Weltkonjunktur, die steigende Nachfrage nach Rohstoffen, erfolgreiche Strukturreformen in den Schwellenländern sowie die niedrige Verschuldung der Emerging-Markets-Firmen hervor.

Wehe, wenn der Dollar steigt

Die größte Triebfeder für den Emerging-Markets-Boom, der schwache US-Dollar, könnte allerdings zum Bumerang werden. Sollte der Dollar wieder an Kraft gewinnen und gegenüber den Schwellenländer-Währungen kräftig zulegen, dürfte es stürmischer in China, Indien, Brasilien und Argentinien werden. Zumal die weiter steigenden Zinsen in den USA und die dortige Steuerreform Anleger wieder zurück nach Amerika treiben könnten. Denn je höher die US-Staatsanleihen rentieren, desto unattraktiver werden die Emerging Markets.

So zeigt sich Heinz-Werner Rapp, Anlagestratege von Feri, relativ skeptisch. "Wir sind nicht euphorisch, was die Schwellenländer betrifft", sagte er unlängst. Es sei zu erwarten, dass der Dollar steigen werde und die aufstrebenden Staaten dadurch Probleme bekämen.

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Attraktive Schwellenländer Von Argentinien bis Russland

Bullenstatue in der Bombay Stock Exchange in Mumbai

Indien

Die übereilte Bargeld-Reform hat der indischen Konjunktur einen kleinen Dämpfer verpasst. Sie wird im Jahr 2016/17 voraussichtlich nur um 6,6 Prozent wachsen – nach einem Plus von 7,6 Prozent im Jahr zuvor. Immerhin hat die Wirtschaft des Subkontinents nach einem Einbruch im ersten Quartal im zweiten Quartal wieder Fahrt aufgenommen und um 6,3 Prozent zugelegt. Neuen Schub könnte die jüngst eingeführte Mehrwertsteuer bringen. Anleger setzen weiter auf die Indien-Story und die Reformpolitik von Premierminister Modi. Der indische Leitindex Sensex kletterte 2017 um 27 Prozent nach oben und erreichte ein Rekordhoch. Ratingagenturen honorieren die Reformen. Moody's stufte kürzlich Indiens Bonität um eine Stufe auf Baa2.

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