Französische Fußballfans schwenken blau-weiß-rote Fahnen

Cac 40 schlägt Dax & Co Französische Aktien sind wieder "chic"

von von Notker Blechner

Stand: 27.07.2018, 16:48 Uhr

Der Sieg der "Equipe Tricolore" bei der Fußball-WM hat Frankreich in einen kollektiven Freudenrausch versetzt. Auch an der Börse hat sich die Stimmung aufgehellt - dank des "Macron-Effekts". Sind französische Aktien jetzt attraktiver als deutsche?

Seit gut einem Jahr weht in Frankreich ein neuer Wind. Der neu gewählte Präsident Emmanuel Macron hat mit seinen Reformen die heimische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt angekurbelt. Die Arbeitslosigkeit sank im vierten Quartal 2017 auf den tiefsten Stand seit fast neun Jahren. Und das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2017 mit 1,9 Prozent so kräftig wie seit 2011 nicht mehr. Für dieses Jahr rechnet die Regierung mit einem Wachstum von zwei Prozent.

Macron bringt wichtige Reformen voran

Im Eilverfahren hat Macron trotz massiver Proteste und Demonstrationen eine umfassende Arbeitsmarktreform durchgesetzt, die den Kündigungsschutz aufweicht. Sie soll Unternehmen dazu bewegen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Zudem hat die neue französische Regierung mit den Ministern von Macrons Bewegung "En Marche" eine große Steuerreform durchgebracht. Die Unternehmenssteuern wurden von 33 auf 25 Prozent und die Steuern auf Kapitalerträge von 50 auf 30 Prozent gesenkt. Die Vermögenssteuer wurde abgeschafft. Dass Macron von vielen Franzosen als der "Präsident der Reichen" bezeichnet wird, kümmert ihn wenig.

Cac 40 hängt andere Börsen in Europa ab

Die Macron-Reformpolitik schob auch die französische Börse etwas an. Der Cac 40 hat seit Macrons Triumph bei den Präsidentschaftswahlen Ende April 2017 rund neun Prozent gewonnen. In diesem Jahr hat der französische Leitindex knapp vier Prozent zugelegt – und die meisten anderen Börsenplätze in Europa outperformt. Der EuroStoxx 50 stagniert seit Jahresbeginn. Und selbst der Dax gab 0,5 Prozent nach.

FRA 40: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
Kurs
5.549,14
Differenz relativ
-0,18%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.480,18
Differenz relativ
-0,08%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.260,07
Differenz relativ
+0,26%

Vor allem Öl- und Luxuswerte waren gefragt. Die Aktien der früheren Puma-Mutter Kering legten um mehr als 35 Prozent zu. Auch die anderen Luxustitel LVMH und Hermès verzeichneten Kurszuwächse von rund 20 Prozent. Die Aktien von Total, mit 12 Prozent ein Schwergewicht im Cac 40, sind um fast ein Fünftel angezogen.

Citigroup prophezeit Anstieg auf 6.000 Punkte

Mehrere Analysten sehen noch weiter Luft nach oben für den Cac40. Aktienstratege Vincent Guenzi von Cholet Dupont sieht den französischen Vorzeigeindex bis Jahresende bei rund 5.700 Punkte. Die Analysten von Citigroup trauen dem Cac40 gar zu, dass er in sechs bis neun Monaten die runde Marke von 6.000 Punkten knackt. Bis zum Rekordhoch von 6.922 Zählern im Herbst 2000 dürfte es aber noch ein weiter Weg sein. Mit einem KGV von 14 ist der französische Aktienmarkt immer noch recht günstig bewertet.

CAC 40 vs. DAX, Januar bis Juli 2018

CAC 40 vs. DAX. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Analysten und Volkswirte glauben weiter an den "Macron-Effekt". "Macron hat zwar noch eine lange To-Do-Liste, aber er ist auf dem richtigen Weg", meint Bruno Cavalier, Chefvolkswirt der deutsch-französischen Bank Oddo BHF. "Macrons Strukturreformen werden mittel- bis langfristig positive Auswirkungen auf das Wachstum haben", glaubt er. Auch Didier Saint:Georges, oberster Anlagestratege der Fondsgesellschaft Carmignac, sieht eine "psychologische Wirkung der Reformen".

Streiks bremsen Aufschwung

Die kürzlich vom Parlament verabschiedete Bahnreform hat allerdings Macron einen Dämpfer versetzt. Monatelange Streiks haben den Wirtschaftsaufschwung in unserem Nachbarland gebremst und dem Image von Macron geschadet. Im ersten Quartal halbierte sich das Wirtschaftswachstum verglichen mit Ende 2017 auf 0,3 Prozent. Und auch im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP ) nur um 0,2 Prozent statt wie erwartet um 0,3 Prozent. Zudem verharrte das Verbrauchervertrauen auf einem Zwei-Jahres-Tief.

Die Hoffnung auf eine Ankurbelung des Binnenkonsums durch den WM-Sieg von "Les Bleus" scheint verflogen. Ludovic Subran, Chefökonom von Euler Herms, hatte prophezeit, dass der Triumph von Griezmann, Pogba, Mbappé & Co. den Verbrauch um 0,2 Prozent und das BIP um 0,1 Prozent anschieben könnte. Tatsächlich brachte der WM-Titel 1998 im eigenen Land Frankreichs Wirtschaft einen Schub. Das BIP legte damals um 3,6 Prozent zu. Die Börse allerdings erlebte eine viermonatige Durststrecke.

Droht ein heißer Herbst?

Wenn die Franzosen Ende August wieder aus ihrem Urlaub zurückkehren, wird man sehen, was aus der Euphorie nach dem WM-Sieg geblieben ist. Sollte Macron bei seinem Reformeifer nicht nachlassen, droht ein "heißer Herbst". Als nächstes großes Projekt hat sich der französische Shootingstar unter den Politikern die Harmonisierung der Rentensysteme vorgenommen. Dabei könnten Privilegien vor allem für Beamte wegfallen. Das könnte für heftige Proteste auf der Straße sorgen.

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Prickelnde Aktien aus Frankreich Von Airbus bis Total

<strong>Airbus</strong><br/>Im Höhenflug befinden sich auch die Papiere des deutsch-französischen Flugzeugbauers Airbus. Sie kletterten auf Einjahres-Sicht um gut 47 Prozent nach oben und erreichten gerade erst ein neues Rekordhoch. Der Konzern verdoppelte das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im ersten Halbjahr auf 1,16 Milliarden Euro. Das war mehr als von Analysten erwartet. Airbus-Chef Tom Enders hält es für möglich, dass der Flugzeugbauer den Produktions-Rückstand beim A320 aufholen kann und sein Ziel von 800 ausgelieferten Flugzeugen in diesem Jahr noch schafft.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Airbus
Im Höhenflug befinden sich auch die Papiere des deutsch-französischen Flugzeugbauers Airbus. Sie kletterten auf Einjahres-Sicht um gut 47 Prozent nach oben und erreichten gerade erst ein neues Rekordhoch. Der Konzern verdoppelte das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im ersten Halbjahr auf 1,16 Milliarden Euro. Das war mehr als von Analysten erwartet. Airbus-Chef Tom Enders hält es für möglich, dass der Flugzeugbauer den Produktions-Rückstand beim A320 aufholen kann und sein Ziel von 800 ausgelieferten Flugzeugen in diesem Jahr noch schafft.