Geldbeutel mit amerikanischer und europäischer Flagge, umkreist von einem roten Pfeil

Wechsel aus US-Titeln Fließen die Milliarden nach Europa?

Stand: 07.05.2018, 15:17 Uhr

Anleger in Fonds und ETFs kehren US-Titeln zunehmend den Rücken. Europa scheint langsam im Kommen in Sachen Aktienanlage. Für eine Umschichtung in Richtung des "alten Kontinents" sprechen einige Argumente.

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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In Käufen und Verkäufen bei Indexfonds (ETFs) zeigen sich vielfach die aktuellen Tendenzen bei den weltweiten Investoren. Anlageregionen, die gerade höhere Kurssteigerungen versprechen, werden über die passiven Instrumente gerne von großen Marktteilnehmern wie Pensionsfonds, Family Offices oder Versicherungen angelaufen. Derzeit scheint einiges für die Anlageregion Europa zu sprechen. Das zeigen etwa die Abflüsse aus US-Aktien, wie sie mehrere ETF-Anbieter, darunter die Commerzbank oder die UniCredit nach aktuellen Erhebungen beobachten. Indexfonds mit dem Schwerpunkt S&P 500 gehören danach zu den Produkten mit hohen Abflüssen.

Wohin fließt das Geld?

Wohin die freien Mittel fließen, ist noch nicht ausgemacht. Die Alternative zu US-Aktien dürften für die meisten Anleger nicht unbedingt die Emerging Markets sein. Umschichtungen könnten durchaus in Richtung Europa erfolgen, meinen viele Marktbeobachter. Für europäische Titel gibt es derzeit gegenüber US-Papieren eine Reihe von Argumenten.

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Die französische Investmentbank Natixis schätzt Europas Large und Mid Caps derzeit ebenso als attraktiver ein als die US-Pendants wie JPMorgan. Die Bewertungen der Aktien aus Europa seien derzeit im Vergleich zu US-Aktien so günstig wie zuletzt 2009.

Ergebnisgrößen in Europa

Gleichzeitig sind europäische Unternehmen nach der Natixis-Studie derzeit beim Ebitda, dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, so nah an ihren US-Konkurrenten wie seit einem halben Jahrzehnt nicht. Nimmt man den Einmaleffekt der US-Steuerreform im laufenden Jahr aus den Ergebniskennziffern heraus, so die Analysten, dann seien europäische Titel sogar günstiger zu haben als US-Aktien.

JPMorgan kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Gerade US-Technologietitel seien allzu heiß gelaufen. Und würde man diese aus der Betrachtung ausklammern, dann seien europäische Aktien seit Jahresbeginn bereits die "Outperformer" gegenüber den US-Konkurrenten auf dem Kurszettel. Laut den Experten der US-Bank werden insbesondere Finanztitel aus dem Euro-Raum im laufenden Jahr besser performen als die US-Bankhäuser.

Geschwächter Euro regt die Fantasie an

Einen Hemmschuh haben aber beide Bankhäuser für europäische Aktien ausgemacht: Den zuletzt noch recht starken Euro gegenüber dem Dollar. Dies wird üblicherweise als Hemmnis für die Euro-Wirtschaft empfunden. Aber auch dieses Hemmnis für Euro-Titel scheint sich zunehmend aufzulösen: Der Euro ist am Montagnachmittag erstmals seit Monaten unter die Marke von 1,19 Dollar gefallen.

AB