Großbaustelle mit vielen Kränen in Hong Kong, China

Sorge im Jahr des Hundes Droht Chinas Immoblase zu platzen?

Stand: 22.02.2018, 14:40 Uhr

Geht es nach dem chinesischen Mondkalender, dann muss sich die Welt auf ein unruhiges Jahr einstellen. Wahrsager rechnen mit Naturkatastrophen und politischen Spannungen. Ernste Sorgen bereiten aber die Immobilienpreise.

Der Hund im chinesischen Tierkreis bringt trübe Aussichten mit, vor allem, weil er in diesem Jahr auch noch mit dem Element Erde verbunden ist - eine Kombination, die es nur alle 60 Jahre gibt.

Erdhundejahre bringen laut der Feng-Shui-Lehre nicht nur die politische Landschaft ins Wanken. Besonders häufig seien Naturkatastrophen wie Erdbeben, Erdrutsche oder Lawinen. Vor 60 Jahren, dem bisher letzten Jahr des Erdhundes, ereigneten sich drei desaströse Erdbeben: Im Iran, in Ecuador und in Japan. Auch mit vielen Bränden und Explosionen sei zu rechnen, weil Hunde als Speicher des Elements Feuer gelten.

Achtung Anleger

Besonders achtsam sollten Anleger sein. Laut dem Hongkonger Feng-Shui-Meister Raymond Lo ist mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums und schwächelnden Börsen zu rechnen. Lo prophezeit gar einen lang anhaltenden Bärenmarkt, der erst im Jahr 2025 sein Ende finden werde, wenn das Element Feuer wieder die Herrschaft übernehme.

Die Anleger hoffen natürlich, dass es nicht soweit kommen wird, doch auch hierzulande gibt es warnende Stimmen. Nach Aussage von Marcel Fratzscher, dem Chef des DIW, ist es nur eine Frage der Zeit, wann China ein Finanzbeben erleben wird, das die Weltwirtschaft erschüttern könne. Denn das Land habe ein riesiges Schuldenproblem, das zum Teil durch den Immobilienboom verursacht und von hochverschuldeten Regionalregierungen weiter befeuert werde.

Einen Vorgeschmack gab es schon

Und was passiert, wenn die Immobilienblase platzt, Schulden nicht mehr bedient werden können und das Land eine erste ernsthafte Rezession erlebt, wollen sich die meisten Experten gar nicht vorstellen. Einen Vorgeschmack auf ein solches Beben habe es im Sommer 2015 und Anfang 2016 gegeben, als kleinere Korrekturen in Chinas Finanzmärkten die globale Finanzwelt in Aufruhr versetzten, warnt Fratzscher.

Immobilien in Schanghai, China. | Quelle: picture-alliance/dpa

Auch die Fachleute der Credit Suisse warnen vor einem möglichen Zusammenbruch der Häuser-Rally. So hätten viele chinesische Banken begonnen, die Wohnungsbaukredite zu verteuern, um dadurch die Vergabe drastisch einzudämmen. Denn in vielen Städten Chinas besteht inzwischen ein Überangebot von Immobilien. Besonders in den kleineren Metropolen sei es deshalb bereits zu Preiseinbrüchen von 20 bis 30 Prozent gekommen.

Viele Spekulanten, drohendes Überangebot

Zudem hat die Regierung die Einführung einer Grundsteuer in Aussicht gestellt. Finanzminister Xiao Jie hat einen solchen Schritt für 2020 angekündigt. Selbst Staatspräsident Xi Jinping hat sich in die Debatte eingeschaltet und die Bevölkerung daran erinnert, dass Wohnungen keine Spekulationsobjekte von Investoren werden dürfen.  

UBS Global Real Estate Bubble Index

UBS Global Real Estate Bubble Index. | Bildquelle: Visual Capitalist, Grafik: boerse.ARD.de

Welche Auswirkungen die Mahnungen auf den Immobilienmarkt haben werden, bleibt abzuwarten. Ökonomen schätzen jedoch, dass mindestens ein Viertel der derzeit angebotenen Wohnungen reine Anlageprodukte sind. Noch immer spekulierten viele Käufer auf ein weiteres Anziehen der Preise. Der Kauf einer Wohnung gilt in China als sichere Anlage, weit vor Engagements am Akienmarkt oder bei oft undurchsichtigen Vermögensverwaltern.

Doch Experten wie Chen Xingdong von der französischen Bank BNP Paribas sind sich sicher, dass das wachsende Überangebot an Wohnungen früher oder später auf die Preise drücken werde, nicht nur in den großen Städten. Die Folgen einer platzenden Immobilienblase in China seien umso verheerender, weil Immobilien fast drei Viertel der Vermögenswerte chinesischer Haushalte ausmachen, verglichen mit etwas mehr als einem Drittel in den USA.

Lage entspannt sich

Andere Experten wie Michael Lai, Investment Director beim Schweizer Vermögensverwalter GAM, sind optimistischer. Dass die Banken des Landes wegen fauler Haus- und Wohnungskredite in Schwierigkeiten geraten könnten, hält er für Panikmache.

Vielmehr habe sich die Lage inzwischen entspannt. Als Beleg dafür verweist er auf die Entscheidung der Ratingagentur Moody's vom Juli letzten Jahres, den Ausblick für die chinesische Bankenbranche von negativ auf positiv anzuheben. Auch sei die Gesamtverschuldung der chinesischen Banken bis Ende März dieses Jahres auf 71,2 Prozent des BIP gesunken. Ein Rückgang der Immobilienpreise in China sei also keine akute Gefahr für die Finanzmärkte. Dies gelte umso mehr, als die Verschuldung der privaten Unternehmen ebenfalls abgenommen habe.

Und das Gerede von den Gefahren des "Hundejahres"? Der Legende nach bringen Hundejahre viele Veränderungen, gute und schlechte. Für die Wirtschaft sind sie normalerweise Wachstumsjahre. Hierzulande heißt es dazu: "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie's ist."

lg

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