Vorsicht! Explosiv!

Wie gefährlich sind Leveraged Loans? Die hoch explosiven verpackten Kredite

von Notker Blechner

Stand: 12.02.2019, 16:12 Uhr

In den USA werden immer noch ganz locker Kredite an Unternehmen mit schwacher Bonität vergeben. Über eine Billion Dollar stecken in so genannten Leveraged Loans. Was passiert, wenn die Firmen die Kredite nicht mehr bedienen können? Droht dann die nächste Finanzkrise?

In Basel schrillen die Alarmglocken. Die Zentralbank der Notenbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigt sich beunruhigt über die lockeren Finanzierungsbedingungen bei Darlehen an stark verschuldete Kreditnehmer, die in der Fachwelt "Leveraged Loans" genannt werden. "Dieser Markt ist überbewertet", warnt BIZ-Chefökonom Claudio Borio.

Wehe, wenn die Konjunktur abkühlt...

Als großes Risiko sieht er die hohen Bestände an Firmenanleihen mit einem Rating knapp über dem Ramsch-Status. Würden diese bei einer Konjunkturabkühlung abgestuft, hätte dies weitreichende Folgen, glaubt Borio. "Diese finanziellen Anfälligkeiten sollten genau beobachtet werden."

Janet Yellen umgeben von Zinsprozentzeichen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Auch die frühere Fed-Präsidentin Janet Yellen ist alarmiert und warnt vor einer neuen Finanzkrise. Die hohe Schuldenlast amerikanischer Unternehmen mache ihr Sorgen, sagte sie kurz vor Weihnachten 2018 auf einer Diskussion in New York mit dem Star-Ökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman. Inzwischen betrage die Verschuldung über neun Billionen Dollar. Vor der Finanzkrise waren es noch knapp fünf Billionen Dollar gewesen.

Yellen warnt vor Finanzkrise

Nach Einschätzung von Yellen stelle dieser hohe Schuldenstand gerade in einem Abschwung ein echtes Risiko dar. Denn die Firmen-Verschuldung verlängere eine Krise und führe zu zahlreichen Insolvenzen.

Die Fed ist beunruhigt über das gigantische Volumen der Leveraged Loans, der Kredite für Firmen mit schwacher Bonität. Inzwischen hat dieser Markt bereits ein Volumen von 1,3 Billionen Dollar. Damit ist er größer als der Markt für hoch riskante Ramschanleihen.

Parallelen zur Subprime-Krise

Die Bank of England zog kürzlich Parallelen zu den US-Subprime-Krediten, deren massive Ausfälle die Finanzkrise 2008/09 auslösten. Der Bestand der Leveraged Loans sei inzwischen doppelt so groß wie der der Subprimes 2007, meinte der Chef der Bank of England, Mark Carney. Zudem wachse der Markt schneller als der Subprime-Markt.

Als Zombie geschminkte Frau mit Dollarscheinen

Zombiefirmen: Nicht zu unterschätzendes Risiko. | Bildquelle: colourbox.de

Nicht nur in den USA, auch in Europa werden Leveraged Loans recht locker vergeben. Immer mehr Unternehmen wandeln als Zombiefirmen umher, deren Geschäft nur durch die Nullzinsen aufrechterhalten wird. Sobald die Zinsen nach oben gehen oder die ersten Gläubiger um die Rückzahlung ihrer Darlehen fürchten, könnte es zu einer Kettenreaktion kommen: Die Zombiefirmen würden kein Geld mehr bekommen und pleite gehen. Daraufhin würden weitere Gläubiger ihr Kapital abziehen, was neue Pleiten hervorrufen dürfte.

Flossbach: Risiken werden oft falsch eingeschätzt

Dr. Bernd Flossbach

Dr. Bernd Flossbach. | Bildquelle: STOCKHEIM MEDIA GmbH

Fondsmanager Bert Flossbach sieht ebenfalls die Leveraged Loans als potenzielle Gefahr für die Finanzmärkte. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass Anleger die Risiken dieser "verpackten" Produkte meist falsch einschätzen, sagte er. Kaum einer wisse, wo diese Kredite seien und wer sie halte. Insgesamt stuft Flossbach aber das Risiko als geringer ein als vor über zehn Jahren bei den Subprimes.