Händler  an der Börse in Moskau
Audio

Ausverkauf an der Moskauer Börse Die große Flucht aus russischen Aktien

Stand: 10.04.2018, 14:59 Uhr

Die dramatische Talfahrt an der Moskauer Börse setzt sich fort. Einen Tag nach dem größten Crash seit der Krim-Annexion sackte der Leitindex RTS erneut um fünf Prozent ab. Besonders hart trifft es die Papiere eines Oligarchen-Konzerns.

Der Kurs des weltweit zweitgrößten Aluminium-Produzenten Rusal, der mehrheitlich im Besitz des Industrie-Tycoons Oleg Deripaska liegt, stürzte in den vergangenen drei Handelstagen um bis zu 88 Prozent ab. Rusals Dollar-Bond mit einer Laufzeit bis 2023 fiel auf ein Rekordtief von 52 US-Cent.

Auch der Titel von Deripaskas Energiekonzern En+ verlor rund 20 Prozent an Wert. Heftig nach unten ging es ebenfalls für den größten russischen Gold-Produzenten Polyus. Sie verloren bis zu 23 Prozent.

Verschärfte US-Sanktionen gegen Russland

Die USA hatten am Freitagnachmittag Strafmaßnahmen gegen sieben Russen und zwölf ihrer Firmen wegen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 verhängt. Zu den Betroffenen zählen der Oligarch Deripaska, VTB-Chef Andrej Kostin, Gazprom-Chef Alexej Miller sowie der Abgeordnete Suleiman Kerimow, dessen Familie den größten russischen Gold-Produzenten Polyus kontrolliert.

Erstmals wurden auch Oligarchen sanktioniert, die nicht unbedingt eng mit dem Kreml verbunden sind. So wurde Viktor Wekselberg, der die Schweizer Konzerne Oerlikon und Sulzer kontrolliert, auf die schwarze Liste gesetzt. Die Aktien von Oerlikon und Sulzer sackten seither um rund zehn Prozent ab.

Crash an der Moskauer Börse

Die Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland setzte der Moskauer Börse vor allem am Montag heftig zu. Der in Dollar denominierte Leitindex RTS stürzte um elf Prozent ab. Es herrschte Panik, Investoren warfen alles aus ihren Depots, was sie hatten. Am Dienstag geht der Ausverkauf weiter. Der RTS rutscht auf ein Acht-Monats-Tief von 1.042 Punkten.

Der Rubel verlor zum Dollar bis zu 5,5 Prozent und war mit 63,92 Rubel so billig wie seit Dezember 2016 nicht mehr. "Der Markt wurde von den Ausmaß der Sanktionen offenbar überrascht", sagte Per Hammarlund, Schwellenland-Experte bei der Bank SEB. "Nun überdenken die Anleger ihre bislang sehr positive Haltung gegenüber Russland." Ein Sprecher des russischen Präsidialamts sagte, er gehe davon aus, dass der Kursrutsch an den Börsen zum Teil emotional getrieben sei und es eine Korrektur geben werde.

Die Kurse russischer Staatsanleihen in Dollar und Euro gaben ebenfalls nach. Im Gegenzug zogen die Renditen kräftig an.

Auch Metro wird nach unten gerissen

An der Wiener und Frankfurter Börse hinterließen die Sanktionen ebenfalls ihre Spuren. Die Aktien der Raiffeisenbank verloren am Dienstag zeitweise mehr als elf Prozent. Die Aktien der Metro fielen um bis zu drei Prozent. Beide Unternehmen sind in Russland engagiert.

nb